«Ich lebe für die Tiere»

Vor 40 Jahren eröffnete Susanne Voser in der Brugger Altstadt einen Hundesalon. Wie ihr die Jugendarbeitslosigkeit zum Traumberuf verhalf.

Susanne Voser und Pudelmischling Lilly sind ein eingespieltes Team
Susanne Voser und Puddelmischling Lilly sind ein eingespieltes Team (Bild: sit)

von
Saskia Iten

14. Februar 2019
09:00

Susanne Vosers erstes Haustier war ein Hase – Fridolin. Damals war sie 14 Jahre alt und wusste: «Ich will Pudelfriseurin werden». Schon in den 70er-Jahren war dies ein unkonventioneller Berufswunsch, der nicht den Vorstellungen ihrer Eltern entsprach. Doch Voser hatte Glück. Aufgrund der damaligen Jugendarbeitslosigkeit dachten sich diese: lieber Hundecoiffeuse als arbeitslos. So kam es, dass Voser im Jahre 1979 als erste im Aargau die Ausbildung zur diplomierten Hundecoiffeuse abschloss. Vater und Bruder richteten ihr daraufhin in der ehemaligen Stadtmetzgerei Brugg einen eigenen Hundesalon ein. Mit 18 Jahren startete Voser in das selbständige Erwerbsleben und arbeitete nebenbei als Service- und Putzkraft. Von existenziellen Ängsten geplagt habe sie anfangs so manche schlaflose Nacht gehabt – diese Zeiten sind vorbei, sie schaut mit einem Lächeln darauf zurück. Noch heute wird sie oft gefragt, ob man vom Beruf als Hundecoiffeuse leben könne. Voser antwortet dann: «Ob Bankdirektor oder Hundecoiffeuse, entscheidend ist, dass man mit Geld umgehen kann».

  

Taktvolle Fellpflege

Nach Fridolin hatte Voser keine Hasen mehr – dafür Hunde. Ihr derzeitiger Lebensabschnittsgefährte ist Pudelmischling Lilly. Im Hundesalon empfängt diese die neueintretenden Gäste. Klingelt das Türglöckchen, springt die Hündin auf die Eingangstheke und streckt zur Begrüs­sung ein Pfötchen aus. Lillys Fell ist schwarz, kraus und samtweich. Bald wird die Hundedame noch schöner, noch glänzender aussehen – die Fellbehandlung steht bevor. Die Wände im Nebenraum sind mit weissen Kacheln tapeziert. Die Einrichtung ist im Vergleich zum Eingangsbereich schlicht: Badewanne, Werkzeugkommode, Hocker – und eine Drehscheibe, auf der Voser die Vierbeiner behandelt. Im Hintergrund läuft ein Song von Udo Jürgens, als es Lilly ans Fell geht. Taktvoll hantiert die Hundecoiffeuse zuerst mit der Schere, dann mit dem Trimmer und redet dabei ruhig auf Lilly ein. Die Hündin blickt unbeeindruckt umher, fühlt sich sichtlich pudelwohl. 

 

Zwischen Beruf und Berufung

Susanne Voser scheint mit ihrem Leben im Einklang zu sein, sie strahlt einen unermüdlichen Optimismus aus. Ganz nach dem Motto: «Lebe so unkompliziert wie ein Hund und freu dich an den schönen Dingen dieser Welt». Ihre positive Lebenseinstellung färbt ab: auf Mensch und Tier. In «Lillys Kafistübli» serviert die Hundecoiffeuse ihren Kunden Kaffee und Gebäck, plaudert mit ihnen über Gott und die Welt. Über Politik. Hätte sich Voser nicht selbständig gemacht, wäre sie politisch aktiv, sagt sie. Wie ihr Grossvater. Doch ihre Bestimmung ist anders: «Gott hat mich für die Tiere erschaffen». Die Arbeit im Hundesalon ist ihr ein und alles. Selbst nach 40 Jahren sagt sie überzeugt: «Ich habe den schönsten Beruf der Welt».

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