«Ich liebe es, in Rollen zu schlüpfen»

Claudia Masika ist Musikerin mit Leib und Seele. Mithilfe des Perkussionisten Willi Hauenstein startet die gebürtige Kenianerin gerade durch. Am 8. Dezember feiert die Afro-Sängerin ihre doppelte Album-Taufe in der Stanzerei Baden.

Claudia Masika und Willi Hauenstein – zwei Seelenverwandte in der Musik (Bild: zVg)

von
Ilona Scherer

06. Dezember 2018
09:00

Hinter der Türschwelle ihrer Wohnung beginnt eine andere Zeitrechnung: «It’s African time here», sagt Claudia Piller lachend und bittet den verspäteten Besuch herein. Vom ersten Moment an zieht die 31-Jährige ihre Gäste mit einem charmanten Gemisch aus Schweizerdeutsch, Hochdeutsch und Englisch in ihren Bann. Das sei auch auf der Bühne so, sagt Willi Hauenstein: «Claudia hat es einfach drauf, mit den Leuten zu interagieren. Sie ist unsere Stage Queen!» Der 49-jährige Freienwiler steht mit Claudia, die sich als Künstlerin Masika nennt, regelmässig auf der Bühne als Perkussionist. Und nicht nur das: Unter seinem Label «Hitstone Productions» hat Hauenstein auch ihr neues Acoustic-Album «Subira» sowie das Live-Album «Uhuru» produziert, die beide am 8. Dezember in der Stanzerei Baden getauft werden. 

 

Selbst genähte Bühnen-Outfits

Das Kleid für die Release-Party hängt bereits zuvorderst an einer Stange in Claudia Pillers Showroom zu Hause in Dulliken SO: Es ist knallgelb mit grossen Blumen drauf und selbst genäht wie alle ihre Bühnen-Outfits. Im Dachstock hat die Musikerin ein Atelier eingerichtet, in dem sie farbenfrohe Kleidungsstücke und Taschen für ihre Kundschaft näht. Auch Hochzeitskleider hat sie im Repertoire. Vom Singen allein kann sie (noch) nicht leben. «Aber irgendwann hoffentlich schon!» Eine Puppe trägt ein Nachthemd mit der Aufforderung Hug me! zur Schau. «Komm, Willi», ruft Claudia Piller fröhlich, nimmt ihren Musiker-Kollegen fürs Foto in den Arm und sagt: «Willi ist cool und intelligent, er ist ein Macher. Und strukturiert – ein Schweizer eben.» 

Aber auch Claudia Piller hat einen Schweizer Pass, dank ihrem Stiefvater, dessen Nachnamen sie privat trägt. Vor zehn Jahren kam sie in die Schweiz, wo sie sich zuerst im Kanton Aargau niederliess. Über die damaligen Ereignisse möchte sie nicht sprechen. «Keine schöne Geschichte», winkt sie ab und wird für einmal ernst. Auch in der neuen Heimat hat sie nicht nur Positives erlebt, sie zog mehrmals um und lebt nun seit zwei Jahren in Dulliken bei Olten: «Wenn ich gut drauf bin, erzähle ich dem Publikum manchmal von meinen Erfahrungen als dunkelhäutige, mollige Frau in der Schweiz», verrät sie. «Das ist nicht immer lustig. Aber das Leben ist halt nicht immer lustig.» 

 

Sonne auf die Bühne zaubern

Ihre Musikkarriere in der Schweiz beginnt Claudia Piller damals mit Auftritten für ihr Hilfsprojekt Hofogi (Hope for Girls). Es will Mädchen und jungen Frauen aus finanziell schwachen Familien in Kenia eine Ausbildung und damit mehr Unabhängigkeit ermöglichen. Relativ bald wird der Sängerin klar, dass sie eine Band braucht, um musikalisch vorwärtszukommen. Vor vier Jahren trifft sie den Gitarristen Heiri Ruf an einer Jamsession, der mit ihr ein Repertoire erarbeitet und nach und nach eine Band zusammenstellt. Im selben Jahr bei einem spontanen Auftritt lernt sie Willi Hauenstein kennen, und seit 2017 treten sie gemeinsam auf. «Willi gibt mir gute Inputs, die ich gerne annehme. Denn ich will ja weiterkommen», sagt Claudia Piller. Und Hauenstein bestätigt: «Man spürt, dass sie will!» 

Das Mikrofon sei die einzige Plattform, die sie habe, erklärt Claudia Piller. Als Künstlerin Masika kann sie Dinge tun, die sie sonst nicht macht. «Masika ist richtig cool», schwärmt sie von ihrem zweiten «Ich», mit dem sie Sonne und Wärme auf die Bühne zaubern will. Ihr Thema sei Grenzen überwinden, «ich möchte die kenianische Musik und Kultur in die Schweiz bringen». Das Singen hilft ihr auch, näher bei ihrer kenianischen Heimat zu sein, wo ihre 108 Jahre alte Grossmutter noch immer in Migori nahe der Grenze zu Tansania lebt. «Ihr war es immer wichtig, dass ein Mitglied der Familie singen kann. Sie war es, die mich lehrte, Songs in meiner Muttersprache zu schreiben», erzählt Claudia Piller stolz. Ihre Mutter, ein ehemaliges Fotomodell, verstarb 2004. Ein Jahr später kam Claudias Pillers Tochter Aida zur Welt. Mit dem Vater ist die Sängerin nicht mehr zusammen. 

 

Türöffner Willi Hauenstein

So gehört ihre Leidenschaft ganz der Musik. Seitdem sie mit Willi Hauenstein arbeitet, startet Claudia Masikadurch. Nach mehreren internationalen Tourneen mit seiner Afrosoul-Band Emashie ist Hauenstein gut vernetzt in der Worldmusic-Szene im In- und Ausland und kann Claudia Masika so einige Türen öffnen. Ihre Musik wird im Worldmusic Special auf SRF3 gespielt, sie traten am renommierten Sziget Festival Budapest auf, an den Afrika-Tagen in Wien, dem grössten Afro-Festival Österreichs, und eben am UHURU-Festival auf dem Weissenstein, wo das neue Livealbum aufgezeichnet wurde. Die Bande zum Kanton Aargau sind immer noch eng: Ihre Alben werden in Freienwil produziert, der Saxofonist wohnt in Ennetbaden, und an der Releaseparty in Baden werden weitere Gastmusiker aus der Region Baden und Zofingen spielen. Zudem wird Masika vom Kuratorium Aargau unterstützt. Nach ihrer Tournee durch die Schweiz und Europa stand sie den ganzen Oktober nicht auf der Bühne. «Meine Tochter sagte, ich sei unausstehlich und soll irgendwo singen gehen», erzählt sie und lacht. Ein Leben ohne Musik – für eine «Stage Queen» unvorstellbar.

Samstag, 8. Dezember, 20.30 Uhr
Stanzerei, Baden
www.claudiamasika.com 

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