«Ich passe in dieses Multikulti-Dorf»

Als Schweizer mit Wurzeln in Italien und Ungarn will Mohaya Devay (25) im Gemeinderat ein Sprachrohr für die Jungen und Secondos sein.

Für Mohaya Devay ein Ort des Ausgleichs: Die Kunstrasenplätze auf der Überdeckung der Autobahn A1. (Bild: is)

13. Oktober 2021
20:02

Von seiner WG an der Zürcherstrasse bis zu den Kunstrasenplätzen am Ende der Hardstrasse sind es keine drei Minuten. Auf seinem roten Rennvelo fährt Mohaya Devay aus der Unterführung heran und stellt es bei der Treppe zum Sportplatz ab. Er ist regelmässig hier. «Ein paar Körbe mit dem Basketball werfen, ein bisschen Fussball spielen – das ist ein wichtiger Ausgleich zum beruflichen Alltag», findet Devay. Der 25-Jährige ist Geschäftsführer der «Grünen Aargau» in Aarau und absolviert berufsbegleitend ein Betriebswirtschaftsstudium an einer höheren Fachschule.

Vergangene Woche hat Mohaya Devay seine Kandidatur für den 2. Wahlgang um den vakanten, fünften Sitz von Marco Hürsch im Neuenhofer Gemeinderat angemeldet. Warum nicht schon im 1. Wahlgang am 26. September? «Ich hatte schon damals mit dem Gedanken gespielt. Doch weil ich gleichzeitig Semesterprüfungen hatte, entschied ich mich dagegen. Nun aber passt es», erklärt Devay.


Vater Klavierlehrer, Mutter Psychologin
Als Gemeinderat möchte Mohaya Devay «ein Sprachrohr für die Jungen und Secondos sein», wie er sagt. Der Ausländeranteil der Agglomerationsgemeinde beträgt knapp 50 Prozent. «Durch meine Herkunft passe ich bestens in dieses Multikulti-Dorf», findet er. Sein Vater Alexander, ein pensionierter Klavierlehrer, hat ungarische Wurzeln, und Mutter Mirjam Devay-Stäubli, Psychologin und Berufsberaterin, ist halb Schweizerin, halb Italienerin – ihr Vater Hans Stäubli war einst Lehrer in Neuenhof. «Die erste Klasse, die er unterrichtete, hatte 56 Schüler», erzählt Mohaya Devay.

Und sein exotischer Vorname? Der ist weder italienisch, noch ungarisch: «Er stammt von nordamerikanischen Indianern und bedeutet «Jener, der das Wasser mit anderen teil», erläutert Devay. Den Namen wählten seine Eltern, weil der Vater früher ein Jahr bei einem Stamm verbracht hatte: «Einer der Schamanen dort hiess so.» Mohaya Devay lebt seit vier Jahren in Neuenhof und betont, er fühle sich sehr gut integriert. «Und das soll auch für alle anderen Menschen mit multikulturellem Hintergrund so bleiben.»


Juso oder Junge Grüne?
Geboren ist Mohaya Devay in Baden, aufgewachsen in Wettingen. Politik war daheim kein dominierendes Thema. Sein Interesse an der Politik entstand aber schon in der Sekundarschule: «Gesellschaftliche Themen wie Gleichberechtigung oder Fairness waren wichtig für mich», erinnert er sich. Schliesslich kam er in Kontakt mit der Plattform Easyvote – die sich auf die Fahne geschrieben hat, Politik einfach, verständlich und neutral für Jugendliche zu erklären  – und war dort Mitglied des Neutralitätskomitees. Dieses Ehrenamt weckte in Mohaya Devay, der eine KV-Lehre bei den Lernzentren (Alstom) absolvierte, die Lust auf Politik. Von den Parteien kamen für ihn nur die Juso und die Jungen Grünen in Frage. Er entschied sich für die Umwelt und trat mit 21 den Jungen Grünen bei, wo er beim Einstieg für die Zersiedelungsinitiative verantwortlich war. Schnell wurde er Vorstandsmitglied der Jungen Grünen Aargau und bald auch der Jungen Grünen Schweiz. Auch für den Grossrat und den Nationalrat liess er sich aufstellen, schaffte die Wahl jedoch nicht.

Vor anderthalb Jahren ergab sich dann die Chance, beruflich als Geschäftsführer der Grünen Aargau einzusteigen. Genau mit Beginn der Corona-Krise trat er seinen Job an, zuerst in Baden, später in Aarau. «Die Nähe zum Grossen Rat ist gut», findet Mohaya Devay. Durch seine Arbeit ist er auch gut mit den Gemeinden vernetzt: «Ich kenne viele Gemeinderäte aus anderen Gemeinden bereits.»

Das Co-Präsidium der Grünen mit Ruth Müri und Christian Keller freut sich über die Kandidatur: «Sie ist aus unserer Sicht ein Glücksfall für Neuenhof, denn er kann frischen Wind ins Gremium bringen und dazu beitragen, dass die Gemeinde auf einen nachhaltigen, zukunftsorientierten Pfad findet», sagt Christian Keller.


«Zeit ist reif, um mitzugestalten»
Mohaya Devay habe sich seine Sporen bei den Jungen Grünen Schweiz und Aargau abverdient, sei gut vernetzt und engagiere sich auch in der Klimabewegung, so Keller weiter. Tatsächlich hat der Neuenhofer in den letzten Jahren viel politische Erfahrung gesammelt – allerdings vor allem im Hintergrund. «Nun ist die Zeit reif, in einer Gemeinde aktiv mitzugestalten», ist er überzeugt. Auch das Bewusstsein für Umweltthemen und Nachhaltigkeit würde er in Neuenhof gerne noch mehr fördern. «Eine Meinungsdiversität im Gemeinderat ist wichtig. Alle Generationen haben ihre Erfahrungen gesammelt. Dieser Austausch ist wichtig, genauso wie der Teamgeist in einer Exekutive.» Auch Grünen-Co-Präsident Keller ist überzeugt, dass Mohaya Devay ins Gremium passt: «Ich erlebe ihn als starken Teamplayer und bin überzeugt, dass er sich gut in einen Gemeinderat einordnen kann.»

Eigentlich hatte sich Mohaya Devay auf ein spannendes Wahl-Duell mit Tim Voser eingestellt, «aber daraus wird nun nichts», bedauert der 25-Jährige. Der Jungfreisinnige Voser hatte im vergangenen Jahr kandidiert, musste aber nun wegen eines Auslandsemesters in Brasilien passen. Trotzdem hofft Devay, dass seine eigene Kandidatur nun noch andere motiviert, sich zur Wahl zu stellen, «damit Neuenhof eine Auswahl hat». Bis am 19. Oktober, 12 Uhr, können Kandidaturen nachgemeldet werden. Ist dies nicht der Fall, ist Devay in stiller Wahl gewählt.

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