«Ich suche das Wesen des Lebendigen»

Der Brugger Fotograf Kaspar Ruoff zeigt in der Alten Trotte in Effingen seine Bilder. Die Ausstellung konzentriert sich auf die Kreisläufe des Lebens.

Kaspar Ruoff neben den Wasserbildern
Kaspar Ruoff neben den Wasserbildern (Bilder: cl)

von
Claudia Marek

30. Oktober 2018
09:20

Ausstellungsinformationen

Die Ausstellung dauert bis am 11. November, Claudia Spinelli, Leiterin Kunstraum Baden, führt am Sonntag, 4. November, ein Werkgespräch.

Öffnungszeiten: Mittwoch, 14 bis 17 Uhr und 19 bis 21 Uhr, Freitag, 19 bis 21 Uhr, Samstag und Sonntag, 14 bis 17 Uhr.

An den Sonntagen ist Kaspar Ruoff anwesend. 

Am letzten Donnerstag hat Kaspar Ruoff die Ausstellung in der Alten Trotte eingerichtet. Bei einem Besuch hängen die Bilder bereits an den Wänden. Das Licht muss noch optimal gerichtet werden. Der Künstler hat die Kreisläufe des Lebens in verschiedene Themen sichtbar gemacht. In seinen Arbeiten gehe es ihm darum, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie die Dinge zusammenhängen, sich unterscheiden oder  wie sich Veränderungsprozesse darstellen, erklärt der 44-Jährige.

An der einen Wand hängen Bilder mit Silhouetten von Pflanzen. Die sogenannten Fotogramme (Schattenwürfe) betonen das Spiel von Licht und Schatten. Kaspar Ruoff hat die Pflanzen wie Buschwindröschen oder Tulpen selber gezogen. Er nimmt sie auf, während sie die Blüten öffnen oder schliessen. Durch die lange Belichtungszeit erscheinen die Silhouetten nicht statisch, sondern geben die Lebendigkeit der Pflanzen wieder. 

Der Schattenwurf eines Buschwindröschens
Der Schattenwurf eines Buschwindröschens

 

Ewig fliessendes Wasser

Die hintere Wand ist den Wasserbildern gewidmet. Auch in diesen Werken, welche dem Fluss der Aare folgen, geht es darum, eine Bewegung, eine zeitliche Komponente, sichtbar zu machen. Kaspar Ruoff wendete dafür die Slit-Scan-Technik an, bei der nur ein schmaler Bereich des Bildes aufs Mal über einen bestimmten Zeitraum belichtet wird. Das eine Bild auf einem langen, schmalen Leinwandstreifen läuft von der Wand über den Boden und scheint durch den Raum zu fliessen. Im oberen Stockwerk hängt das Bild «letzte Schollen». Kaspar Ruoff – er verbringt aufgrund seiner finnischen Wurzeln viele Wochen des Jahres im hohen Norden – hat die Aufnahme an einem frühen Frühlingsmorgen an einem See in Mittelfinnland aufgenommen. Nebel hängt über der Landschaft. Der Horizont hat sich aufgelöst. Letzte Eisschollen schwimmen im Wasser. Alles hängt in der Schwebe zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem und lässt den Frühling erst erahnen. 

 

Ein Land der Gegensätze 

An Finnland mag Kaspar Ruoff die Weite der Landschaften, die Seen und Wälder, die extremen Wechsel der Jahreszeiten und des Lichts. Das Wasser gibt ihm immer neue Inspirationen. «Das Thema Wasser eröffnet viele Aspekte, denen ich nachgehen kann, wie Reflexion, Struktur, Bewegung oder Farbveränderung.» Die grossen Kreisläufe des Lebens thematisiert der Fotograf in der Ausstellung in Effingen unter anderem auch in einer sechsteiligen Reihe. In Form eines weiblichen Torsos zeigt er die Veränderungen von der ersten Schwangerschaftswochen nicht nur bis hin zur Geburt – sondern darüber hinaus auch während der Rückbildung. Seine Bilder machen klar, zu welcher Leistung ein Körper in der Lage ist. «Es ist eine Hommage an die Körperlichkeit und insbesondere an die Anpassungsfähigkeit des Körpers», so Ruoff, «aber nicht idealisiert, sondern ungeschönt.»   

 

Einladung zu einer Gedankenreise

In den Werken von Kaspar Ruoff sind die Grenzen zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion fliessend. Es geht ihm nicht darum, die Wirklichkeit genau abzubilden. «Ich suche das Wesen des Lebendigen», sagt er. Es liegt ihm aber auch fern zu sagen, dem Betrachter etwas aufzwingen. «Ich will anknüpfen an persönliche Erfahrungen», so Ruoff. Durch die Reduktion gibt der Künstler dem Betrachter Spielraum für eigene Bilder und Emotionen. «Ich verstehe meine Bilder als Einladung zu einer Gedankenreise.» 

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