«Ich träume von einer Medaille»

Karin Suter ist das Schweizer Aushängeschild im Para-Badminton. An der Heim-WM im August strebt die 48-jährige Wettingerin eine Medaille an.

Karin Suter-Erath ist eine der besten Para-Badminton-Spielerinnen (Bild: zVg)

von
zVg/Stefan Haller

14. August 2019
08:00

Grosses Saisonziel

Vom 20. bis 25. August finden die  Para-Badminton Weltmeisterschaften 2019 in der St.-Jakobs-Halle, Basel, statt. Der Eintritt ist frei.

Mai 2010, Para-Badminton-Europameisterschaften in Filzbach. Karin Suter-Erath bestreitet erstmals ein repräsentatives internationales Badminton-Turnier. Zuvor spielte die Wettingerin nur zum Spass. Es wird ein überaus erfolgreiches Debüt: Sie holt sich nicht nur den Vize-Europameistertitel im Doppel mit Sonja Häsler, nein, sie kürt sich auch gleich zur Europameisterin im Einzel und ist seitdem nicht mehr von der europäischen und der Weltspitze des Rollstuhlbadmintons wegzudenken. Sie ist mehrfache Welt- und Europameisterin, in allen drei Disziplinen in den Top Ten der Welt, wurde 2015 als erste Spielerin überhaupt mit dem Para Badminton Player of the Year Award von Badminton Europe und ein Jahr später als Para-Spielerin des Jahres vom Weltverband ausgezeichnet.

 

Drei Sportarten, dreimal Spitze

«Ich liebe Herausforderungen», so die 48-Jährige auf ihr eindrückliches Palmarès angesprochen. Eine ebensolche steht nächste Woche an. Die Heim-WM in Basel ist nicht nur das Highlight des diesjährigen Turnierkalenders, sondern auch sonst ein spezieller Event für die aktuelle Europameisterin im Damendoppel: «Ich freue mich riesig auf die WM, und es ist speziell schön, dass sie in Basel stattfindet. Denn dort habe ich einen Grossteil meines Lebens verbracht.» Obwohl sie in den letzten zehn Jahren im Rollstuhlbadminton ihre Konkurrenz dominiert, kann Suter bereits auf über 30 Jahre aktiven Spitzensport zurückblicken. Im Alter von 17 bis 27 Jahren hat sie in Basel, und später auch im Ausland, auf höchstem Leistungsniveau Handball gespielt, bis ein Unfall diese Karriere abrupt beendete. 

Doch sie fand noch während der Reha schnell zum Sport zurück und startete im Rollstuhltennis durch: Sie stiess bis in die Top 10 (bestes Ranking: Nr. 6 im Einzel und im Doppel) der Welt vor und gewann an den Paralympischen Spielen 2004 in Athen die Bronzemedaille im Damendoppel.

Als Nummer 2 der Welt im Para-Badminton gehört Karin Suter international auch nach zehn Jahren noch zu den Mitfavoritinnen um die begehrten Podestplätze und Medaillen. Mit dieser Rolle könne sie meist gut umgehen. «Meine über 30-jährige Erfahrung im Spitzensport hilft da bestimmt.»

 

Medaille vor Heimpublikum?

Für den Fall, dass trotzdem mal Zweifel aufkommen sollten, arbeitet sie seit einigen Jahren gezielt mit einem Mentaltrainer zusammen. «Ich bin froh, Lösungsstrategien für solche Momente zu kennen und diese auch anwenden zu können.»

Als Minimalziel hat sich Karin Suter-Erath das überstehen der Gruppenphase im Einzel, Doppel und Mixed gesetzt. «Doch mein Traum ist es, an der Heim-WM eine Medaille zu gewinnen.» An den Weltmeisterschaften 2017 in Ulsan spielte sie sich in allen drei Disziplinen ins Viertelfinale, doch reichte es knapp nicht für die Medaillenränge. Dies soll nun vor Heimpublikum anders werden. Aber auch längerfristig spielen gute Resultate an der WM eine wichtige Rolle. Wenn im kommenden Jahr Badminton erstmals paralympisch wird, visiert Karin ihre bereits dritte Teilnahme an Paralympics an. 2004 gewann sie im Rollstuhltennis Bronze im Damendoppel. Gelingt ihr ein solcher Exploit auch im Badminton, 16 Jahre später?

 

On the Road to Tokyo

Im Road to Tokyo-Ranking sind Karin Suter und Doppelpartnerin Cynthia Mathez auf einem guten Weg, doch einfach ist es nicht: Um sich für Tokyo 2020 zu qualifizieren, müssen sie am Ende der Qualifikationsphase in den Top 6 sein. «Mit einem weiteren starken Resultat in Basel wollen wir der Qualifikation für die Paralympics nochmals einen grossen Schritt näherkommen.» Dafür investiert Suter viel Zeit: Kürzlich trainierte sie mit den besten Rollstuhlspielerinnen Europas in Süddeutschland. Es gehe darum, vor der WM nochmals Taktiken und Spielzüge gegen verschiedene Gegnerinnen zu verfeinern und Spielpraxis zu bekommen. Danach geht sie zurück in den normalen Trainingsbetrieb, wo sie gezielt an den Details arbeiten kann. Das spielerische Niveau, vor allem an der Spitze, sei seit der letzten WM nochmals gestiegen. «Es wird also sicherlich nicht einfach», betont Karin Suter. Doch die Ausnahmesportlerin scheut diese Herausforderung nicht. RS/SHA

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