«Ich war keine sehr fleissige Schülerin»

Ihre Laufbahn hat Barbara Loppacher in der Kanti Wettingen gestartet. Inzwischen ist die 44-Jährige Leiterin der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau.

Moderator Hansjörg Frank mit Talkgast. Dr. iur. Barbara Loppacher
Moderator Hansjörg Frank mit Talkgast. Dr. iur. Barbara Loppacher (Bild: isp)

20. September 2018
10:20

KantiTalk

Initiant der Talkreihe des Ehemaligenvereins ist Geschichtslehrer Hansjörg Frank. Er ist auf die Idee gekommen, der Sache nachzugehen, was aus den Abgängern der Schule und des früheren Seminars geworden. Im Talk befragt er sie über ihre Zeit und ihre aktuelle Tätigkeit. Gast beim ersten Gespräch war Divisionär Bernhard Müller, Chef der Schweizer Luftwaffe. Die Anlässe finden einmal pro Semester statt und sind öffentlich.

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Schon etliche Schülerinnen und Schüler hat die Kanti Wettingen durch den Schulalltag geschleust. Nach dem Abschluss zog es einige von ihnen weit in die Welt hinaus – so auch Staatsanwältin Barbara Loppacher. Auch sie hat die Wettinger Kanti besucht und 1995 ihre Matura im Typus D erworben. Inzwischen ist sie nicht nur als Leiterin der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, sondern auch als Richterin am Bundesstrafgericht in Bellinzona tätig. Beim von Hansjörg Frank moderierten KantiTalk berichtete sie von ihren Begegnungen und Erlebnissen.

 

Ruhig, sachlich und äusserst kompetent

Barbara Loppacher, diskret und etwas verhalten, steht an diesem Mittwochnachmittag in der «Löwenscheune» und freut sich über das rege Interesse von etlichen jungen Anwesenden. Sie sei gerne hier zur Schule gegangen und habe eigentlich nur positive Erinnerungen an die Kantizeit, sagt die 44-Jährige und ergänzt leicht verlegen, dass sie nicht unbedingt die fleissigste Schülerin gewesen sei. Anschliessend habe sie ein Medizinstudium in Angriff genommen, aber bald einsehen müssen, dass ihr das nicht entspricht. Ihr sei die Justiz doch etwas «näher» gewesen. «Meine Mitschüler haben sich ab und an über mein ausgesprochenes Rechtsempfinden im Schulalltag gewundert.» Der «Orientierungsprozess», was sie wirklich studieren möchte, sei aber nicht ganz einfach gewesen, gibt sie ehrlich zu. «Aber Hänger und Krisen gehören nun mal dazu», ergänzt sie.

So absolvierte Loppacher ein Praktikum bei der Staatsanwaltschaft in Aarau und wirkte kurz darauf im Bezirksgericht in Bad Zurzach mit. Barbara Loppacher überzeugt mit ihrer ruhigen, sachlichen und kompetenten Art – aber auch mit einer Herzlichkeit, die sofort aufs Publikum überschwappt. Kaum vorstellbar, dass Loppacher in ihrer alltäglichen Arbeit am Bezirksgericht Lenzburg mit Themen und Menschen zu tun hat, bei welchen andere vielleicht lieber wegschauen würden. «Es gibt auch bei mir schlaflose Nächte, wenn mich ein Prozess zu fest beschäftigt», sagt die Staatsanwältin. «Aber ich treibe viel Sport und habe ein privates Umfeld, das mich trägt und unterstützt. Das hilft viel, wenn ich manchmal den Glauben an das Gute im Menschen verliere.»

 

Fragwürdige Menschen und dunkle Kapitel

Barbara Loppacher hat schweizweit für Aufsehen gesorgt. Nicht sie als Person, sondern der Fall, mit dem sie sich beschäftigen musste. Landesweit bekannt wurde sie als Chefermittlerin und Staatsanwältin im Rupperswiler Mordprozess, als sie sich für eine lebenslange Verwahrung des Täters eingesetzt hatte. Naheliegend, dass beim KantiTalk auch dieses Thema zur Sprache kommt. Ein aussergewöhnlicher Fall, dessen Dimensionen zu Beginn nicht abschätzbar gewesen seien, erinnert sich Loppacher. «Wir hatten es mit einem fragwürdigen Menschen und seinem dunklen Kapitel zu tun.» Sie habe instinktiv gespürt, dass sie sich im Bezug auf Arbeitsbewältigung und -belastung wohl auf einen aufwendigen Marathonlauf einstellen müsse.

Im Anschluss an den Talk wurde die Gesprächsrunde geöffnet und die Schülerinnen und Schüler durften ihre brennenden Fragen stellen.  

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Kommentare (1)

  • Camponovo Antonia
    Camponovo Antonia
    am 20.09.2018
    Danke für die tolle Berichterstattung.

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