«Ich wohne neben dem Altersheim»

Hans Joho ist in die Residenz zur Linde in Windisch gezogen. Obwohl ihm der Umzug nicht ganz einfach fiel, sieht er der Zukunft positiv entgegen.

Zwei, die sich gut verstehen: Hans Joho und Walter Weber, Geschäftsführer Sanavita (Bild: cl)

von
Claudia Marek

22. Mai 2019
09:00

Die Entscheidung in die Residenz zur Linde zu ziehen, haben Hans und Judith Joho gefällt, als vor rund zwei Jahren die Überbauung auf dem Linden-Areal ihren Anfang nahm. «Wir haben uns damals gleich für eine Wohnung angemeldet», erzählt Hans Joho bei einem Gespräch im Lindenpark. «Wir wollten nicht warten, bis wir umziehen müssen, sondern noch selbständig entscheiden können», sagt der 83-jährige Senior. Leider kam es anders. Judith Joho starb in der Zwischenzeit, und Hans Joho ist jetzt allein in eine 2½-Zimmer-Wohnung der Residenz gezogen. Die Umgebung ist ihm nicht fremd. Ab und Zu hat er im Restaurant Lindenpark zu Mittag gegessen und regelmässig eine Verwandte besucht. Dieser Umstand mache die Eingewöhnungszeit etwas einfacher.

 

Möglichst lange aktiv bleiben 

Denn einfach ist so ein Umzug nicht. 50 Jahre lang hat das Ehepaar in ihrem Haus in Windisch gewohnt. Ruhige Lage, nahe am Wald, erzählt Joho. Bis zur Pensionierung war Hans Joho als Violinlehrer an verschiedenen Schulen tätig. Die Zeit nach der Pensionierung bezeichnet Hans Joho als die Schönste seines Lebens. Er war gesund, hatte Zeit und konnte machen, was er wollte.  Besonders gern ist er gewandert. Diesem Hobby geht er nach wie vor nach. Ende Mai wird er mit einer Pilgergruppe nach Spanien reisen. Darauf freut er sich sehr. «Ich bin dankbar, dass ich noch so fit bin», sagt er. Er möchte möglichst lange aktiv bleiben, so Joho. Auch ein Piano steht in seiner Wohnung. Die Musik bedeutet ihm immer noch viel. «Aber Geige spiele ich nicht mehr», erzählt Joho. Da müsse man täglich üben, das sei ihm zu aufwendig.

  

Blick auf die Klosterkirche

Hans Joho möchte unbedingt seine Wohnung zeigen. Sie befindet sich im dritten Stock. Der Blick durch die grossen Fenster vom Eingangsbereich und Wohnzimmer auf die Klosterkirche Königsfelden und die Umgebung gefällt ihm besonders gut. «Diese Aussicht war ausschlaggebend für die Wahl der Wohnung», sagt er. Er zeigt auf den regen Verkehr beim Kreisel: «Man hört praktisch nichts vom Verkehrslärm», stellt er fest. Die Wohnung ist leicht verwinkelt. Das mag er, das sei gemütlicher als zwei nüchterne Zimmer. Die Wohnung schliesst auch eine Loggia mit ein, mit Ausblick auf die Linde von Linn. Hans Joho ist sehr zufrieden mit der Wohnung. Er betont, dass er neben dem «Altersheim» wohne. Seine Selbständigkeit ist ihm wichtig. Es sei jedoch beruhigend zu wissen, dass er bis ans Lebensende bei der Sanavita bleiben könne. Auch die beiden Söhne sowie die Schwiegertöchter sind froh, dass ihr Vater gut umsorgt ist.    

 

Abschied in Raten

So ganz angekommen ist Hans Joho aber noch nicht. Jeden Tag geht er zu seinem Haus. Am Abend lässt er die Fensterläden herunter, am Morgen wieder hinauf. Das Haus muss noch geräumt und verkauft werden. Es gibt noch viel zu tun, und seine Söhne stehen ihm beratend zur Seite. Wie es danach für ihn sein wird, kann er noch nicht genau abschätzen. Es brauche Zeit, aber er sehe es positiv. «Es ist ein neuer Lebensabschnitt.»  Er hoffe, dass er noch lange seine kleinen und grösseren Touren machen könne.

 

Den Zeitpunkt nicht verpassen

Noch kursieren viele Vorurteile in den Köpfen der Menschen, wenn es darum geht, sich mit dem Gedanken «Wohnen im Alter» zu befassen. Aus Gesprächen mit Bekannten vernimmt Hans Joho, dass das Wort «Altersheim» negativ belastet ist. Ein Bekannter sagte zu ihm: «Ich gehe erst aus meiner Wohnung, wenn sie mich hinaustragen müssen.» Doch meist kommt es anders. Hans Joho rät den älteren Menschen, sich frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen, um den Zeitpunkt nicht zu verpassen.  So ein Umzug habe natürlich Vor- und Nachteile. «Aber die Vorteile überwiegen», ist er überzeugt. 

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