Ideen waren das kostbarste Gut

Toni Businger, der Bühnenbildner mit internationaler Ausstrahlung, ist gestorben. Seine Werke vermochten zu erfreuen und zu überraschen. Ein Nachruf auf den Wettinger Ehrenbürger.

Ein Werk von Toni Businger: Don Quichotte, Jules Massenet, Opernhaus Zürich
Ein Werk von Toni Businger: Don Quichotte, Jules Massenet, Opernhaus Zürich (Bild: zV)g

von
Peter Graf

08. März 2019
15:15

Seine Arbeiten als Bühnenbildner waren oft wirklichkeitsnäher als mancher tatsächlich historischer Bau. Die guten Ideen waren das kostbarste Gut seines Berufes. Toni Businger versuchte stets mit seinen Werken als Bühnenbildner das Publikum zu erfreuen und zu überraschen. Wie wohl kaum ein anderer Wettinger Einwohner hat Toni Businger mit über 300 Bühnenausstattungen den Namen von Wettingen in die Theatermetropolen in aller Welt hinausgetragen. Toni Businger, der nie eine Kunstschule besuchte, erhielt 1980 den «Innerschweizer Kulturpreis». Begründet wurde dies mit dem Hinweis, dass sich seine Schöpfungen durch höchste bildnerische Fantasie, Vielseitigkeit und künstlerische Sicherheit auszeichnen. Sein Wirken an 80 Opern- und Schauspielhäusern hat international grosse Anerkennung gefunden. Rund 100 der insgesamt über 300 Premieren fanden in der Schweiz statt. 

 

Ehrenbürger von Wettingen

Auch in seiner engeren Heimat, in welcher er am 6. Juni 1934 das Licht der Welt erblickte und mit zwei Brüdern aufwuchs, hat Toni Businger mit der Gestaltung von Signeten, Vereinsfahnen und Dorftheaterkulissen sowie der Bühnendekoration für das Wettinger Neujahrskonzert und bei vielen weiteren Anlässen namhafte Werke geschaffen. Dies nicht zuletzt auch 1995 mit der Festgestaltung «950 Jahre Wettingen». In Würdigung seines künstlerischen Schaffens und der grossen Verdienste wurde ihm 2005 das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Wettingen verliehen. Auf den Matura-Abschluss am Kollegium St. Fidelis in Stans folgte ein Literaturstudium an der Universität Zürich. Sein Interesse galt auch der Kunst- und Theatergeschichte. 

Toni Businger (Bild: zVg)


Eine entscheidende Begegnung

Ein mehrmonatiger Aufenthalt in der Provence und eine durch Zufall entstandene Begegnung mit dem Bühnenbildner Teo Otto waren für die Zukunft, welche fortan dem Theater gehörte, entscheidend. Diesem, seinem späteren Lehrmeister, hatte er nur eine prall gefüllte Zeichenmappe mit Landschaften und Stillleben vorzuweisen. Doch Teo Otto erkannte die Begabung des jungen Studenten und fragte ihn: «Warum malen Sie die Olivenbäume nicht rot?» Toni Businger war um eine Antwort nicht verlegen. «Weil ich sie so sehe, wie ich sie gemalt habe, nämlich grün.» Darauf Teo Otto «Warten Sie nur, es kommt eine Zeit, da werden Sie die Olivenbäume noch rot sehen! Sie kleben jetzt noch viel zu stark am Naturalismus!» Sein räumliches Vorstellungsvermögen, aber auch technisches Verständnis sowie die guten Kenntnisse der Theater-, Musik- und Kunstgeschichte waren ihm stets hilfreich. Nebst seiner ungebrochenen Freude am Zeichnen und Malen wollte er stets andere erfreuen. 

 

Der bühnenbildnerische Weltenbummler

Der Palmarès von Toni Businger füllt ganze Seiten und kann hier nur teilweise wiedergegeben werden. Seine spannenden und vielfältigen Erlebnisse in allen grossen Häusern der Welt sind dokumentationswürdig. Am Zürcher Schauspielhaus, wo 1957 sein erstes Bühnenbild zu Hauptmanns «Und Pippa tanzt» entstand, wird Businger als Rekord-Gastbühnenbildner geführt. Als Ausstattungschef der Städtischen Bühnen Freiburg im Breisgau hat er von 1960 bis 1962 16 Opern und 16 Schauspiele ausgestattet. Danach arbeitete er freischaffend, das heisst, ohne feste Engagements, ohne Assistent und ohne jegliche Agentur.

Der Verstorbene hat auf allen Kontinenten Spuren seines gros­sen Schaffens als Bühnenbildner hinterlassen. Man könnte ihn als bühnenbildnerischen Weltenbummler bezeichnen, hat er zum Beispiel in so verschiedenen Orten wie Amsterdam und San Francisco, Barcelona und Toronto, München und Paris, Berlin, Miami und Madrid, in Hamburg, Johannesburg und Denver, in Rio und Wien gearbeitet. Als Wendung in seinem Leben bezeichnete der am 15. Februar im Spital Baden Verstorbene Künstler einmal die Heirat 1988 mit Susanna Wiser und zweieinhalb Jahre später die Geburt der Tochter Antonina.

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