«Ihr seid alle auch Botschafter der Schweiz»

Eine Botschafterin der Eidgenossenschaft hielt die Jugendfestrede an der Morgenfeier. Das gabs noch nie am Brugger Rutenzug.

Die Rutenzug-Morgenfeier 2019 (hier beim Singen des Brugger Lieds) zurück am angestammten Ort vor dem sanierten und erweiterten Stapferschulhaus
Die Rutenzug-Morgenfeier 2019 (hier beim Singen des Brugger Lieds) zurück am angestammten Ort vor dem sanierten und erweiterten Stapferschulhaus (Bilder: sha)

von
Stefan Haller

09. Juli 2019
16:55

Im Zuge des Umbaus und der Erweiterung des Stapferschulhauses war der Platz unter anderem auf die Bedürfnisse der Morgenfeier abgestimmt worden. Deshalb bestand für den Stadtrat auch kein Zweifel, dass die Morgenfeier nach zwei Jahren im Simmengut 2019 wieder an ihren angestammten Ort zurückkehren wird. Die Kulisse war prächtig – wobei der Schatten der Bäume etwas fehlte an diesem heissen Sommertag – und schon kurz nach dem Rutenzug begann sich das Areal bis auf den letzten Platz zu füllen. Nachdem sich der Rutenzugchor vorne bereit gemacht und auch das letzte Kind Platz genommen hatte, stimmten alle das traditionelle Eröffnungslied «Grosser Gott, wir loben Dich» an, gefolgt vom wohlklingenden «What About Us».  

Eine Botschafterin als Rednerin

Andrea Rauber Saxer ist als waschechte Bruggerin auch in der Prophetenstadt zur Schule gegangen. Mit 
ihrer Rede, die «vierdimensionale» Elemente enthielt, animierte die Schweizer Botschafterin in Sarajevo die Schülerschar zum Mitmachen, sodass niemand zappelig wurde. Dennoch war ihre Rede auch tiefsinnig und regte zum Nachdenken an. Andrea Rauber erinnerte die Schüler daran, dass es in Bosnien-Herzegowina alles andere als selbstverständlich ist, nach der Ausbildung einen Job zu finden. Sie erläuterte, weshalb die Schweizer Berufslehre ein Exportschlager ist. «Bosnien ist ein armes Land, und es gab vor fast 30 Jahren einen blutigen Konflikt, in dessen Verlauf Arbeitskollegen und Freunde aus Fussballvereinen plötzlich begannen, aufeinander zu schiessen.» Von den Folgen des Bosnienkrieges erholte sich das Land bis heute nicht. Sie stellte den Bezug zur Stadt Mostar her – Most bedeutet Brücke – weshalb Mostar quasi das bosnische Brugg ist. Seit dem Krieg sei das öffentliche Leben getrennt, es gebe zwei Unis, Feuerwehren oder Spitäler. Bis heute hätten die Bewohner in der Stadt von der Grösse Luzerns Angst, dass der Krieg jederzeit wieder aufflammen könnte. Auch erzählte sie von einer Schule, in der die Kinder einer Volksgruppe den Unterricht nur am Morgen und diejenige der anderen Ethnie nur am Nachmittag besuchen dürfen. Und alles bloss, damit sie sich nicht begegnen sollen. Dagegen wehrten sich die Schüler und erhielten von zehn Botschaftern eine Auszeichnung mit dem Titel «Brücke – unsere Zukunft» überreicht. «Denn», so folgerte Andrea Rauber, «wie soll ein richtiger Frieden entstehen, wenn man sich nie begegnet und folglich auch nicht kennenlernen kann?» Die Botschafterin  animierte die Schüler dazu, sich ebenfalls als Brückenbauer zu betätigen, falls sie in den Sommerferien ins Ausland reisen. «Ihr seid alle auch Botschafter der Schweiz. Steht ein für unsere Werte, die Menschenrechte, den Frieden und eine saubere Umwelt!»

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