Im Austausch mit dem Landammann

Regierungsrat Urs Hofmann war zu Besuch in Tegerfelden. Beim Landamme-Stammtisch punktete er mit seiner ungezwungenen Art und seinen pointierten Antworten.

Urs Hofmann, ungezwungen und in angeregtem Gespräch, links neben ihm der Tegerfelder Gemeindeammann Lukas  Baumgartner
Urs Hofmann, ungezwungen und in angeregtem Gespräch, links neben ihm der Tegerfelder Gemeindeammann Lukas Baumgartner (Bild: ce)

von
Claudio Eckmann

23. Mai 2019
09:00

Den Landammann einmal persönlich kennenzulernen, diese Gelegenheit wollten am letzten Donnerstagabend etliche Personen im Restaurant Wartegg in Tegerfelden nutzen. Unter den Besuchern waren diverse Lokalprominente, allen voran die Gemeindeammänner Lukas Baumgartner von Tegerfelden und Ralf Werder von Endingen. Daneben waren Dorfbewohner gekommen, weitere Interessierte von ausserhalb sowie alte Freunde von Landammann Urs Hofmann.

Zunächst setzte sich Urs Hofmann in seiner bekannten, lockeren Art von Tisch zu Tisch, und schnell kam er mit den Besuchern ins Gespräch: Einkauf ennet der Grenze, die Verwendung von einheimischem Holz bei öffentlichen Bauten und die kommende Fusionsabstimmung Rheintal+ waren etwa als Diskussionsthemen zu hören. Die Tischrunden waren sich weitgehend einig, und daneben tauschte man angeregt persönliche Erinnerungen aus.

 

Spannender Schlussteil

Eine abrupte Dynamik bekam der Abend, als gegen Schluss zwei junge Teilnehmerinnen sich trauten, ihre recht kecken Fragen öffentlich zu formulieren. Diese animierten den Landammann zu deutlichen Antworten. Zunächst ging es um die EU-Waffenrichtlinie. Urs Hofmann gab offen zu, dass er sich über die Gegnerschaft ärgere, denn es sei doch Unsinn, das Schengenabkommen und das damit verbundene Informationssystem aufs Spiel zu setzen, zumal die Schützen – und davon werde es hier im Saal wohl auch einige haben – wirklich keine substanziellen Einschränkungen zu befürchten hätten. Als einziges Argument könne er akzeptieren, dass jemand grundsätzlich gegen Schengen und solche Abkommen sei. 

Eine weitere Frage lautete: Warum waren die AHV- und die Steuerfrage in der Abstimmung vom 19. Mai miteinander verknüpft, das gehöre doch nicht zusammen? Hier kam der Realpolitiker Hofmann ganz aus sich heraus: Es nütze nichts, sich auf die reine Politiklehre zurückzuziehen. Die Politik lebe von Kompromissen und das vorliegende Beispiel sei ein typischer Fall eines Kompromisses. Er misstraue denjenigen, die sich auf reine Prinzipien berufen würden und sich mit dieser Begründung gegen alles stellten. Er frage sich, ob sie nicht insgeheim eben doch darauf hofften, dass das Stimmvolk dann schon zustimmen werde, nur damit sie sagen könnten: Wir waren schon immer dagegen. Er zeigte sich überzeugt, dass das Stimmvolk und auch die Jungen die AHV nicht gefährden, sondern im Gegenteil stützen wollen. Wann die Schweiz der EU beitreten werde? Scherzhaft meinte Urs Hofmann, mit seinem Alter werde er das wohl nicht mehr erleben. Ernsthafter verwies er darauf, dass sich politische Meinungen durchaus ändern können, beim Frauenstimmrecht zum Beispiel habe sich die Haltung innert zwölf Jahren komplett verändert. Bezogen auf die EU müssten sich aber die Verhältnisse in der EU aber wohl deutlich verbessern – oder umgekehrt in der Schweiz deutlich verschlechtern –, bevor ein Beitritt angenommen würde.

Die letzte Frage bezog sich auf den Tierschutz: Warum der Aargau nicht mehr unternehme gegen Massentierhaltung und das grausame Leiden der Tiere. Urs Hofmann wehrte sich energisch gegen staatliche Massnahmen, es sei in der Verantwortung jedes Einzelnen, seinen Fleischkonsum auf ein vernünftiges Mass zu reduzieren, und dann löse sich das Problem von selbst durch den Markt.

 

Organisiert von GastroAargau

Organisiert hatte diesen Anlass der Verband GastroAargau. Dessen Vorstandsmitglied Geri Keller aus Hottwil übernahm die Begrüssung. Der Stammtisch sei das Ursymbol politischer Auseinandersetzung, was gepflegt werden müsse. Wirt Roland Wetter von der «Wartegg» amtete als Gastgeber. Auch wenn vielleicht weniger Leute als erhofft gekommen waren: Den Teilnehmern gefiel es, und sie bedankten sich mit langem Applaus für den spannenden Abend.

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