Im Kampf gegen die Ackerkratzdistel

Invasive Neophyten bedrohen die einheimische Artenvielfalt. Deshalb rückte der Natur- und Vogelschutzverein Ehrendingen den fremden Pflanzen zu Leibe.

Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins Ehrendingen rücken den Neophyten zu Leibe
Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins Ehrendingen rücken den Neophyten zu Leibe (Bilder: ce)

von
Claudio Eckmann

21. Juli 2018
09:00

Als Neophyten (deutsch «Neupflanzen») gelten Pflanzen, die nach der Entdeckung Amerikas, also nach 1492, zu uns gekommen sind, sich hier stark ausbreiten und einheimische Arten verdrängen. Nicht alle Neophyten sind unbeliebt, Mais und Kartoffeln zum Beispiel sind sehr willkommene Neuzuzüger. Aber einige Neophyten verhalten sich sehr hartnäckig, breiten sich stark aus und verdrängen einheimische Pflanzen. Der Natur- und Vogelschutzverein NVV hat es sich zum Ziel gesetzt, an einzelnen Orten gezielt gegen die sogenannt invasiven Neophyten vorzugehen.

 

Vermehrung durch die Surb

14 Teilnehmer hatten sich trotz Ferienzeit am vergangenen Samstagnachmittag für diese Aktion eingefunden. Heinz Kofel vom Gemeinde-Werkdienst hatte auf seinem Pick-up die vier wichtigsten Arten ausgelegt, damit sich die Teilnehmer die Pflanzen nochmals gut einprägen konnten: Ackerkratzdistel, Berufskraut, Japanknöterich und Goldrute. Auch das drüsige Springkraut gehört zu den unerwünschten Sorten. Vereinspräsident Urs Büchi erklärte, wieso die Bekämpfung der Neophyten gerade hier in Ehrendingen, in der obersten Gemeinde des Surbtals, so sinnvoll ist: So schleudert etwa das Springkraut, das vor allem an Gewässern wächst, pro Pflanze rund 7000 Samen jährlich in die Luft. Sie gelangen nach ihrem Flug auch in die nahe Surb, werden in den weiter unten gelegenen Surbtalgemeinden an den Ufern wieder angeschwemmt und wuchern dort weiter. 

Dann machten sich die Teilnehmer, ausgerüstet mit grossen Kehrichtsäcken, in Gruppen auf den Weg. Gruppenleiter Marcel Bächli watete mit seinen Fischerstiefeln im Bach und kontrollierte von hier aus die Uferböschungen, Weitere Teilnehmer marschierten den Ufern entlang. Die Arbeit der vergangenen Jahre hat hier ganz offensichtlich Erfolg gezeigt, es waren weder Springkraut noch Goldrute anzutreffen. Es handelte sich hier also mehr um einen Kontrollgang. So nebenbei konnten dafür an der Surb wunderbare Libellen und ein Graureiher beobachtet werden.

 

Marcel Bächli kontrolliert den Bestand vom Wasser aus
Marcel Bächli kontrolliert den Bestand vom Wasser aus

 

Ganz anders dann am Hang oberhalb des Rieds: unermesslich viele Exemplare von Berufskraut, fast wollten die Teilnehmer verzweifeln. Aber erstaunlich, in anderthalb Stunden schafften sie es, die gewaltigen Mengen einzusammeln. Berufskraut ähnelt der Kamille, lässt sich aber anhand der viel feineren Blütenblätter doch gut unterscheiden. 

Die dicke Kleidung und die Handschuhe schützten die Teilnehmer vor den nahen Brennnesseln, was aber andererseits bei den herrschenden 28 Grad auch nicht nur angenehm war. Wichtig ist es, die Pflanzen samt den Wurzeln auszureissen, sonst wäre der Erfolg rasch zunichte. Ebenso müssen die Pflanzen rasch in die Säcke verstaut werden. Man darf sie nicht liegen lassen, da sie sonst doch versamen würden. Nach getaner Arbeit sammelte Heinz Kofel mit dem Bauamtsfahrzeug die gefüllten Säcke ein, sie werden in die Kehrichtverbrennungsanstalt gebracht. Kompostieren wäre sinnlos, da die Samen sich wieder verbreiten würden.

 

Unterstützung vom Kanton

Die Ackerkratzdistel macht vor allem der geschützten Orchideenwiese oberhalb der Gipsgrube zu schaffen.Eine spezielle Equipe kümmerte sich um die Eliminierung dieser Pflanzenart. Für die Arbeit an diesem besonderen Standort erhält der Verein eine Entschädigung vom Kanton. Die Goldrute, bei den Naturschützern ebenfalls unbeliebt, ist im Gartenhandel wegen der schönen Blüten derzeit immer noch erhältlich. Wichtig sei, so meinten die Fachkräfte vor Ort, darauf zu achten, dass sie sich nicht von den Gärten aus ausbreite.

Weil die Teilnehmer Kehrichtsäcke dabei hatten, sammelten sie auch gleich sämtliche «PETeriche» und «UNRATeriche» ein. Nach getaner Arbeit gab es, das gehört beim Natur- und Vogelschutzverein dazu, Wurst, Getränk und Kuchen zum Abschluss.

 

Heinz Kofel hat die wichtigsten Arten ausgelegt; die Teilnehmer konsultieren Pflanzenmerkblätter
Heinz Kofel hat die wichtigsten Arten ausgelegt; die Teilnehmer konsultieren Pflanzenmerkblätter

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