Im Limmattal wehren sich die Anwohner

In Neuenhof und Umgebung formiert sich eine Gegenstimme zur geplanten Verlängerung der Limmattalbahn. Der Tonfall wird härter.

Dieter und Margrit Pfister, Tobias Lüscher, Georg Ochsner und Bruno Fessler wehren sich gegen die Verlängerung. (Bild: fre)

16. September 2020
15:04

Wenn die Limmattalbahn etwas Positives für ihre Gegner gebracht hat, dann dies: Vier Männer und eine Frau haben sich zusammengeschlossen und engagieren sich für eine Sache. Sie wollen die Verlängerung der Limmattalbahn von Killwangen nach Baden verhindern. Dass ihre Chance gering sind, ist ihnen bewusst. Ende August hat sich die Kommission für Umwelt, Bau, Verkehr, Energie und Raumordnung für die Verlängerung (UBV) ausgesprochen. Einstimmig.

Margrit Pfister tischt in ihrem Garten Kaffee und Kuchen auf. «Der politische Entscheid wurde über unsere Köpfe hinweg gefällt.» Das betreffe nicht nur den Kanton, meint ihr Mitkämpfer Bruno Fessler, «Der Neuenhofer Gemeinderat hat die rund 700 Unterschriften der Neuenhofern ignoriert.»


Drei Verkehrsinseln für nichts?
Er und die anderen haben Unterschriften gegen die Verlängerung gesammelt. Ein Teil der geplanten Linienführung erfolgt entlang der Zürcherstrasse in Neuenhof. Sollte das eintreten, würde die Gemeinde zweigeteilt, davon ist die Fünferrunde überzeugt.  Georg Ochsner versteht die Planer nicht: «In den letzten Jahren wurden drei teure Verkehrskreisel gebaut. Die müssten bei einer Inbetriebnahme der Bahn durchschnitten werden.» Überhaupt das Wort «Bahn»! Das sei doch keine Bahn, höchstens ein Trämli. «Die geplante Linienführung von Neuenhof nach Baden», so Ochsner, «führt zu einer knapp stündigen Sightseeingtour.»
Die Stimmung ist geladen. Tobias Lüscher, ein junger Bauer aus Wettingen, ist eher der ruhige Typ. Die Limmattalbahn habe für ihn gravierende Folgen. Die Bahn würde durch sein Land führen. «Eine Parzelle von uns ist direkt betroffen. Uns droht im schlimmsten Fall die Enteignung ohne Realersatz.» Der Wettinger hat sich darum den Neuenhofern angeschlossen. Wie ist die Stimmung in Wettingen? «Neunzig Prozent der Personen, die ich angefragt habe, finden die Limmattalbahn einen ‹Seich›, die anderen sind unentschlossen.» Ochsner berichtet von ähnlichen Reaktionen: «Ich habe in meinem Wohnblock und in der nahen Umgebung Unterschriften gesammelt. Nur eine Person war für die Limmattalbahn.»


Andere Lösungen erhofft
Ist das jetzt wieder eine typisch schweizerische Abwehrhaltung? Hauptsache mal «Nein» sagen, und später zufrieden in der Limmattalbahn fahren? Die fünf schütteln traurig den Kopf. Man habe im Mitwirkungsverfahren und beim Unterschriftensammeln herausgespürt, dass ganz andere Verkehrslösungen gefragt seien. Dieter Pfister ist der schweigsamste innerhalb der Runde. Er sagt: «Es fehlt eine Busverbindung zum Bahnhof Neuenhof.» Und seiner Frau Margrit fehlt am Sonntag eine direkte Busverbindung von Neuenhof zum Bahnhof Wettingen.

m Garten ist es schwül, die Sonne brennt auf die Köpfe. Das Gespräch wechselt zum Quittenbaum nebenan. Die Früchte hängen schwer an den Ästen. Sie werden sicher viel Konfitüre hergeben. Pfister lacht: «Oder Schnapps».

Der drahtige Pensionär erzählt von seinen Ausflügen nach Zürich. Dafür ist die Limmattalbahn ja auch gedacht. «Sicher nicht!», schallt es aus der Runde. «Wenn ich nach Zürich fahren will, benutze ich entweder das Auto oder fahre mit dem Bus nach Killwangen und von dort mit der S-Bahn weiter nach Zürich.» Mit der Limmattalbahn komme man eh nicht richtig nach Zürich, doppelt Magrit Pfister nach, die Bahn ende ja in Altstetten.


Konsultative Abstimmung
Am meisten beschäftigt die fünf Gegner, dass ihre Argumente nicht wahrgenommen würden. Sie gehen davon aus, dass eine Mehrheit in den betroffenen Gemeinden ähnlich wie sie denkt. Pfister verlangt darum eine konsultative Abstimmung, die zwar rechtliche keinen bindenden Charakter hat, aber die Meinung innerhalb der Bevölkerung widerspiegeln würde. «So eine konsultative Abstimmung ist immer möglich», sagt Pfister, «und würde zeigen, wie die Bevölkerung über die Limmattalbahn denkt.»

Die Gemeinde Neuenhof sieht das anders. Die Vertretung der Gemeinde im Mitwirkungsverfahren sei Aufgabe des Gemeinderats, schreibt sie auf Anfrage von «E-journal». «Es gibt somit keine Möglichkeit, das Geschäft an der Gemeindeversammlung zu traktandieren.» Eine Konsultativabstimmung dürfe deswegen nicht durchgeführt werden. Wie bei jedem grossen Vorhaben gäbe es Gegner und Befürworter. Der Gemeinderat nehme die Ängste und Sorgen der Bevölkerung sehr ernst, so die Gemeinde. «Dazu sind wir im Kontakt mit dem Kanton Aargau, um die Anliegen aus der Bevölkerung angemessen einzubringen.»

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