Im Vorfeld eines spannenden Wahlsonntags

Drei Gemeinderatssitze für die SVP oder zwei für die SP – oder macht ein Parteiloser im zweiten Wahlgang vom 28. November das Rennen?

Werner Jetzer (SVP) und David Burgherr (SP) am Rande des Politgesprächs der SVP, bei welchem es zu keinem verbalen Klingenkreuzen der beiden Gemeinderatskandidaten kam. (Bild: bkr)

24. November 2021
20:29

Frei nach Fussballtrainer Sepp Herberger: Nach den Wahlen ist vor den Wahlen. In Lengnau war dies bereits am Wahlabend der Fall. Die mit dem besten Resultat aller Kandidatinnen und Kandidaten wiedergewählte Gemeinderätin Andrea Huser (Mitte) erklärte, die Wahl nicht anzunehmen und per sofort aus dem Gemeinderat zurückzutreten. Huser machte für ihre Demission private und gesundheitliche Gründe geltend. Umgehend meldete SP-Grossrat David Burgherr sein Interesse und seine Kandidatur an. Er habe sich bereits im Vorfeld der Gesamterneuerungswahlen Gedanken über eine Bewerbung gemacht – aber da fünf geeignete Personen zur Auswahl gestanden hätten davon abgesehen, um diese nicht zu konkurrenzieren, erklärt der 46-jährige Schulleiter.

Die Mitte, die frühere CVP, nicht mehr im Gemeinderat vertreten? «Undenkbar!», sagte sich die Partei­leitung und schickte Lukas Müller ins Rennen. Kurz nach der offiziellen Anmeldung der Kandidatur zog Müller diese wieder zurück – neue berufliche Aufgaben verunmöglichten ihm ein Polit-Engagement. Würde Müller am Wochenende dennoch gewählt, müsste er als offizieller Kandidat (wie bereits Andrea Huser) beim Regierungsrat ein Rücktrittsgesuch ein­reichen.


Jetzer als «wilder» Kandidat
Angemeldeter Kandidat ist auch der parteilose Patrick Suter. Der 28 Jahre alte Zimmermann-Vorarbeiter ist Mitglied der Feuerwehr und der Freilichtbühne Surbtal. Eine Ausmarchung zwischen Burgherr und Suter erschien der SVP jedoch brandgefährlich – zu gross die Gefahr, dass die SP mit ihrem Grossrat zu einem zweiten Sitz im Gemeinderat kommt. «Mit ihm», schreibt die SVP auf einem Flyer, «würde die bewährte Zusammensetzung des Gemeinde­rats nach links verschoben. Lengnau hat jedoch eine klar bürgerliche Wählerschaft.» Nach Meldeschluss und damit formal als «wilder» Kandidat tritt nun der 62-jährige Werner Jetzer, von Beruf Befundaufnahme-Ingenieur für Gasturbinen-Inspektionen, in den Farben der SVP an.

«Lernen Sie Werner Jetzer am Politgespräch persönlich kennen», lautete die Affiche der SVP Lengnau, mit der sie die Bürgerinnen und Bürger im Vorfeld der Gemeinderats­ersatzwahl in die «Doppeltür» am Dorfplatz einlud. Kennenlernen konnte man Jetzer im Anschluss an eine interessante Diskussion über die Traktanden der Gemeindeversammlung vom 26. November bei einem Apéro. Auf in Podiumsform gestellte Fragen an Jetzer oder an den im Publikum anwesenden SP-Kandidaten David Burgherr verzichteten sowohl die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des gut besuchten Anlasses wie auch Ortsparteipräsident Werner Laube, langjähriger Wahlkampfleiter der SVP Aargau. Schade, aber auch ein Zeichen der Geschlossenheit im SVP-Lager.


Abendspaziergang mit Burgherr
Unmittelbar vor dem SVP-Anlass wollte die FDP mit den drei Kandidaten einen politischen Abendspaziergang unternehmen. Am Treffpunkt auf dem Dorfplatz musste FDP-Präsident Michael Fux den an einer Diskussion interessierten Bürgerinnen und Bürgern jedoch bekannt geben, dass sich Patrick Suter abgemeldet habe, da er im Militär weile. Ebenfalls nicht dabei war Werner Jetzer, womit das freisinnige Fähnlein mit David Burgherr durch Lengnau zog. In der Manier des erfahrenen Politikers beantwortete er die ihm gestellten Fragen – auch zur Doppelbelastung eines Gemeinde- und Grossratsmandats. Ganz klar eine Herausforderung, die aber auch mit Synergien und Vorteilen verbunden sei. Vieles, was auf die Gemeinden zukomme, war Thema im Kantonsparlament. Wichtig seien zudem die Kontakte, die man in Aarau knüpfe – sei es zu Ratskolleginnen und -kollegen, zu Regierungsmitgliedern oder zu Verwaltungsstellen. An einem Sitzungstag bekomme man unkompliziert eine Auskunft oder könne auch direkt und kurz per Mail nachfragen.

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