Im Zentrum stehen die Menschen

Katharina Frey schaut auf eine reiche Tätigkeit als Künstlerin zurück. Nun ist die Veltheimerin mit einer vielseitigen Werkschau in Effingen zu Gast.

Das Bild, auf dem ihre Tochter mit ihrem Hund spielt, verbindet Katharina Frey mit schönen Erinnerungen. (Bild: aru)

14. Oktober 2020
20:36

Dicht sind die Bilder von Katharina Frey-Suter in der Alten Trotte gehängt. Und doch lassen sie der Betrachterin genug Raum. In Zeiten von Corona habe sie die Werke «mit dem nötigen Abstand» angereiht, erklärt die Künstlerin schmunzelnd. Trotzdem stünden sie auch miteinander in Beziehung. Menschen in grosser Panik hängen neben Protestierenden, Bahnhofsszenen werden inspiriert von Stillleben mit Pflanzen und Früchten. In der Galerie im oberen Stock sind Bilder im Kleinformat zu sehen. Sie zeigen Johannisbeeren und Kirschen aus dem Garten der in Wohlen geborenen Kunstschaffenden, die seit 1968 in einem alten Bauernhaus in Veltheim lebt.


Skizzieren im Alltag
Beim Treppenaufgang hängen Malereien mit musikalischen Szenen. Der Musik ist die ausgebildete Pianistin, die heute vorwiegend begeistert Viola da Gamba spielt, nebst der Malerei ein Leben lang treu geblieben. «Ich mag das Flüchtige der Musik», sagt Katharina Frey. «Sie lebt ganz vom Moment und produziert – im Unterschied zur Malerei – keinen Abfall.»  Immer wieder schimmert im Gespräch der feine Humor der Künstlerin durch – und ihre reiche Lebenserfahrung. Diese zeigt sich auch in ihren Werken. Mit vielen verbinden sie Erinnerungen an Situationen, die sie erlebt und später malend verarbeitet hat. «Ich lasse mich inspirieren von Alltagssituationen, von Bildern in der Zeitung, von Gemälden und Landschaften», erklärt sie. Ihre Eindrücke hält sie mit Farb- und Bleistift in Skizzenbüchern fest – ganz unaufdringlich. «Wenn ich unterwegs bin, zeichne ich oft im Verborgenen», erzählt Katharina Frey. «Ich will niemanden irritieren damit.» Das Skizzieren im Alltag sei wesentlich für sie – denn so bleibe sie in der Übung. «Dass es Disziplin braucht, wenn man weiterkommen will, hat mich die Musik gelehrt», sagt die pensionierte Lehrerin, die nach dem Abschluss der Kunstgewerbeschule vier Kinder grossgezogen hat.

Gerne wäre sie nach der Familienzeit wieder als Zeichenlehrerin ins Arbeitsleben eingestiegen, «aber die Stellen waren rar». So wählte sie den Weg als Primarlehrerin und war in diesem Beruf bis zu ihrer Pensionierung tätig. «Ich war glücklich», strahlt sie, «denn ich konnte auch als Lehrerin mit den Kindern viel und oft zeichnen.» Daneben widmete sie sich der eigenen Malerei. Und irgendwann kam der Zeitpunkt, wo sie beschloss, ihre Bilder einem grösseren Publikum zu zeigen. Ein grosser Moment für die Künstlerin, die gerne «bescheiden» lebt.


Ansammlungen von Individuen
Es folgten viele Ausstellungen, oft zusammen mit ihren Kunstgefährtinnen und -gefährten. Beim Blättern in den alten Presseunterlagen gerät Frey ins Sinnieren. Viele ihrer Kollegen sind nicht mehr am Leben. «Der Kreis wird immer kleiner», bemerkt sie. Umso wichtiger sei ihr der Austausch mit den ihr wichtigen Menschen geworden. Dies zeigt sich auch in ihren Motiven. Früher faszinierten sie Stillleben und möglichst unberührte, weite Landschaften. In den vergangenen Jahren fühlte sie sich zunehmend zu Menschen hingezogen. Besonders interessieren sie dabei Ansammlungen von Individuen, die wenig aufeinander bezogen sind – Szenen auf Bahnhöfen etwa oder Besucher einer Kunstausstellung, die mit ihrem Handy beschäftigt sind. «Dass diese Geräte uns so absorbieren, beschäftigt mich», sagt Katharina Frey. «Ich beobachte, dass man dadurch die Welt um sich herum weniger sehend wahrnimmt.» Doch auch diese Thematik zeigt sie in ihren Bildern unaufdringlich – und mit einer Prise Humor.

Die Ausstellung ist bis 1. November geöffnet, jeweils freitags von 19 bis 21 Uhr sowie mittwochs, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. An der Vernissage und am Wochenende ist Katharina Frey anwesend. Die Vernissage wird begleitet von Peter Belart (Einführung) sowie von Monika Christen und Martha Känzig (Blockflöte). Der Apéro findet im Freien statt.


Vernissage
Freitag, 16. Oktober, 19 Uhr
Alte Trotte, Effingen

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