In 80 Minuten um die Welt

Die Stadtmusik Brugg und die Musikgesellschaft Riniken spannen zusammen. Fürs gemeinsame Jahreskonzert laden sie zur Weltreise ein.

Stadtmusik Brugg und Musikgesellschaft Riniken proben gemeinsam
Stadtmusik Brugg und Musikgesellschaft Riniken proben gemeinsam (Bilder: ag)

von
Annabarbara Gysel

03. Mai 2018
09:00

Es ist Mittwochabend, kurz vor 20 Uhr. Im Rossstall der Musikschule Brugg herrscht grosses Gedränge. Dicht an dicht sitzen die Musikerinnen und Musiker auf ihren Stühlen, direkt dahinter haben sich die Perkussionisten aufgebaut, und auf den letzten freien ­Flecken stapeln sich die Instrumentenkästen. Platz zum Atmen bleibt da kaum noch. Trotzdem verlangt der angebrochene Abend viel Schnauf und Ausdauer von den anwesenden Musikanten. Denn die Stadtmusik Brugg und die Musikgesellschaft Riniken haben Grosses vor: Sie haben beschlossen, das erste Halbjahr von 2018 musikalisch zusammen zu bestreiten. Zum Programm gehören das bereits in der Vergangenheit liegende Konzert am Weissen Sonntag, gemeinsame Auftritte am Musikfest in Laufenburg, am Zapfenstreich und am Rutenzug sowie das bevorstehende Jahreskonzert am ersten Maiwochenende. Für Letzteres laufen die Proben auf Hochtouren. Seit Januar trifft man sich einmal in der ­Woche, jeweils abwechslungsweise in Brugg und Riniken. Die Leitung teilen sich die beiden Dirigenten Roman ­Brogli (Stadtmusik Brugg) und Rafal Jastrzebski (Musikgesellschaft Riniken). 

Ein erster Blick ins Programmheft verrät, dass sich das Publikum auf eine musikalische Vielfalt freuen darf. Denn unter dem Titel «I 80 Minute um d’Wält» hat die Musikkommission Stücke aus aller Herren Ländern zusammengesucht. Darunter finden sich Titel wie «Concerto d’Amore», «New York, New York», «Gulliver’s Travels» oder «Malojawind». Als Vorgeschmack auf die Weltreise hat das Kreativ-Team aus Riniken einen kurzen Trailer für YouTube produziert und ein themenbezogenes Rahmenprogramm auf die Beine gestellt. So werden sie die Zuschauer mit dem Einchecken willkommen heissen und mit Videos und Sketches für zusätzliche Unterhaltung auf der Reise sorgen. Postkarten verschicken inklusive!

 

Samstag, 5. Mai, 20 Uhr, Turnhalle Lee, Riniken
Sonntag, 6. Mai, 16 Uhr, Turnhalle Freudenstein, Brugg
 

 

Fünf Fragen an …

Roman Brogli, Dirigent Stadtmusik Brugg, Rafal Jastrzebski, Dirigent Musikgesellschaft Riniken, Walter Telser, Präsident Stadtmusik Brugg, und Karin Horlacher, Präsidentin Musikgesellschaft Riniken.

Wie ist die Zusammenarbeit zustande gekommen?

Telser: Der Stadtmusik Brugg mangelt es nach wie vor an Aktivmitgliedern. Um ein grösseres Konzert oder ein Musikfest zu stemmen, braucht es mehr als 23 Leute. Wir besprachen dies im Vorstand und haben die Musikvereine in der Umgebung abgeklappert. Ich rief darauf hin Karin Horlacher an, überfiel sie mit der Idee, und dann ging es Schlag auf Schlag. Sie stellte sie noch am gleichen Abend ihrem Verein vor und liess eine Abstimmung machen. Das Echo war sogleich positiv. Eine unkomplizierte Zusammenarbeit.

 

Gespielt werden Musikstücke aus aller Welt. Ist es nicht eine Herausforderung, so viele verschiedene Stile einzuüben?

Jastrzebski: Zum Dirigieren nicht, zum Spielen schon. Ein Metronom gibt es überall überall auf der Welt und funktioniert immer gleich. 2⁄4, 3⁄4, 4⁄4 oder 6⁄4. Aber musikalisch ist es ganz anders. 

Brogli: Es ist spannend, wenn man sich in den verschiedensten Charakteren und Welten bewegen kann. Diesen Teil meines Berufes schätze ich sehr. Wenn es nicht Standard ist. 

 

Zwei unterschiedliche Musikvereine werden gemeinsam dirigiert. Was ist dabei die grösste Herausforderung?

Jastrzebski: Das ist kein Problem. Es sind alles sehr motivierte Musiker. 

Brogli: Interessant ist, was da alles passiert. Es treffen viele Leute aufeinander, die sich nicht kennen, aber dasselbe Hobby betreiben. Das verbindet und ist bereichernd. Es ist wie eine kleine Globalisierung; man blick über den eigenen Gartenzaun hinaus und verbindet sich mit der Region. 

 

Kann man musikalisch voneinander lernen?

Brogli: Jeder Mensch gibt eine gewisse Inspiration, denn jeder ist anders. Das hat auch Auswirkungen darauf, wie er sein Instrument spielt. Musik ist eine Sprache. Wie Dirigent Heinz Holliger gesagt hat: «Wenn die Worte aufhören, fängt die Musik an.» Man verbindet sich an diesem Punkt, denn dort spürt man sich. Im Guten wie im Schlechten.

 

Was darf das Publikum am Konzertabend also erwarten?

Horlacher: Das Publikum darf sich auf einen unterhaltsamen, kurzweiligen und einzigartigen Abend freuen. 

Telser: Den Zuschauer wird es auch interessieren, die beiden Musigen zu spüren, dieses Experiment zu erleben und die Musik rund um die Welt geniessen zu dürfen.

Freuen sich auf die gemeinsamen Konzerte (v.l.): Rafal Jastrzebski, Roman Brogli, Karin Horlacher und Walter Telser
Freuen sich auf die gemeinsamen Konzerte (v.l.): Rafal Jastrzebski, Roman Brogli, Karin Horlacher und Walter Telser

Kommentare (1)

  1. Dorothea
    Dorothea am 04.05.2018
    Dies verspricht ein wirklich spannender Abend zu werden. Schön, dass sich 2 Musikvereine finden und gemeinsam musizieren ohne jegliches Konkurrenzdenken. Diese Berichterstattung macht gluschtig. Danke.
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