In Birmenstorf geht eine Ära zu Ende

35 Jahre lang stand Stefan Krucker als Gemeindeschreiber in Diensten der Gemeinde Birmenstorf. Zum Jahresende geht er in den Ruhestand.

Immer gut gelaunt: Stefan Krucker freut sich auf mehr Freizeit. (Bild: pg)

10. Dezember 2021
09:10

Am 1. Mai 1987, dem Tag der Arbeit, wurde nur am Vormittag gearbeitet. An diesem Tag trat Stefan Krucker seine Stelle als Gemeindeschreiber von Birmenstorf an. In Tegerfelden aufgewachsen, absolvierte er nach der Schulzeit eine Ausbildung auf der Stadtverwaltung von Klingnau. Den Gedanken, danach in die Privatwirtschaft zu wechseln, verwarf er wieder und entschloss sich für eine Ausbildung zum Gemeindeschreiber. Nach Anstellungen in Rümikon/Wislikofen und Oberlunkhofen bewarb er sich auf die Stellenausschreibung in Birmenstorf – und bekam den Job.

Mit dem Umzug nach Birmenstorf war sich Stefan Krucker bewusst, dass der Beruf die ganze Person fordert. Die Gemeinde war künftig nicht nur Arbeit­geberin, sondern wurde
in jeder Hinsicht zum Lebensmittelpunkt. Es ist ihm über all die Jahre gelungen, sich trotz emotionaler Nähe zu seiner Gemeinde primär auf der Sachebene zu engagieren.


Ein eingespieltes Team
Der Gemeindeschreiber ist stets der sechste Rat des Fünfergremiums. Er ist immer dabei und mittendrin, aber nie zuvorderst. Krucker bestätigt, dass ihm über all die Jahre durch Behördenmitglieder und Mitarbeitende, aber auch seitens der Bevölkerung grosse Wertschätzung entgegengebracht wurde.

Birmenstorf, eine Gemeinde mit ländlichem Charakter, ist während der vergangenen dreissig Jahre stets gewachsen und zählt rund 3000 Ein­wohnerinnen und Einwohner. Dank ­finanzieller Ressourcen konnte die ­Infrastruktur erhalten, erneuert und ausgebaut werden. In der Zeit, in welcher Krucker auch als Bauverwalter amtete, entstanden die Mehrzweckhalle und das neue Schulhaus. Beide Gebäude vermögen sowohl die Bedürfnisse der örtlichen Vereine als auch der Schule zu erfüllen.

Die Arbeit im 2008 erstellten Gemeindehaus bereitet Stefan Krucker Freude. Dies liege in erster Linie an der Unterstützung durch ein gut eingespieltes Team, sagt er. Krucker ist überzeugt, dass auch sein Nachfolger, Manuel Brunner in den Genuss dieses Spirits kommt. In all den Jahren hat Krucker nur unter vier Gemeinde­ammännern gedient, darunter zwei Frauen. Die Fluktuation hält sich auch in der Birmenstorfer Exekutive in Grenzen.


Ein hohes Mass an Dienst­leistungen
Sein Job hat sich über all die Jahre stetig verändert. Wenn auch heute Gemeinderatssitzungen nur noch alle zwei Wochen stattfinden, so hat das Ausmass des Archivs mit den Protokollen aus rund 1200 Sitzungen und über 130 Gemeindeversammlungen um zehn Meter zugenommen.

Stefan Krucker versteht sich als Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung. Er trägt auch die ganze operative Verantwortung der Gemeindeverwaltung. Seine tägliche Arbeit von der Erarbeitung von Geschäftsvorlagen in Form von Berichten und Anträgen, dem Erbringen von vielseitigen Beratungsdiensten bis zur Begleitung von Projekten bereiten ihm auch nach knapp 35 Jahren Befriedigung. Der umsichtige Gemeindeschreiber, dem Konflikte ein Gräuel sind, versteht seine Arbeit gegenüber Behörden und Bevölkerung als Dienstleistung. Er ist auch für Belange zuständig, welche nicht einer speziellen Abteilung zugeordnet werden können.

Mit Geduld und Fachkompetenz hat er sich über all die Jahre zahlreichen Behördenmitgliedern angenommen. Für die Suche nach Lösungen für kleine und grosse Problemen ist er über die Gemeindegrenze hinaus bekannt. Dem Prozess der Veränderung, der sich auch in den nächsten Jahren nicht abschwächen wird, hat er sich stets gestellt. Nun tritt Stefan Krucker zwei Jahre vor dem ordentlichen Pensionsalter in den dritten Lebensabschnitt über. Diesen möchte er mit seiner Familie verbringen und nicht mehr durch seine Agenda bestimmen lassen.

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