In der grenzenlosen Welt des Theaters

Zehn Tage lang ist Turgi eine Theaterhochburg mit täglichen Workshops und Aufführungen. Am 1. August zeigen die Kinder ihre Arbeiten.

Die Gruppe aus Slowenien begeistert bei der Eröffnung mit Volkstanz. (Bild: is)

27. Juli 2022
13:47

Darauf haben sie acht Jahre lang gewartet: Am Sonntagabend feierten hundert Kinder und Jugendliche gemeinsam die Eröffnung des 6. Internationalen Kinder- und Jugendtheaterfests bei der Mehrzweckhalle Gut. Die bunte Vielfalt, für die dieses Festival steht, wird bereits beim ersten Anlass sichtbar: Da singen die Kinder des Theatervereins Spielfreunde e. V. ein traditionelles Weihnachtslied aus dem Erzgebirge, die Gruppe aus Maribor (Slowenien) führt einen Volkstanz auf, Tschechien spielt ein zartes Lied auf der Zither, und die finnische Theatergruppe nimmt die Gäste mit in die Sauna. Theater ist grenzenlos – «und ist es nicht gerade in der aktuellen Zeit besonders wichtig, den Kindern zu ermöglichen, die Welt zu entdecken und Begegnungen zu machen?», sagt OK-Präsidentin Katrin Janser. Alexandre Zurkinden, der Sohn ihrer Schwester Jenny, übersetzt alles auf Englisch.
 

  • Glücklich, wieder auf der Bühne stehen zu dürfen: Das KJT führte «Wasser» auf. (Bilder: zvg | Mikael Fors)
  • «Stolz, euch hier zu haben!»: Vizeammann Astrid Barben
  • Szene aus der Eigenproduktion«Wasser» des Kinder- und Jugendtheaters Turgi.
  • Die Gruppe aus Ostrov, Tschechien, spielte Zither.


Wasser, ein kostbares Gut
Neun Länder sind in Turgi vertreten. Auch Gruppen aus Russland und der Ukraine sollten auftreten, doch die Umstände liessen es nicht zu. Als letzte Gruppe tritt am ersten Abend Gastgeber KJT auf – und fordert mit dem Lied «Chömed mit» das Publikum auf, sich in die Mehrzweckhalle zu begeben. Dort findet die Premiere von «Wasser» statt. Das Stück haben Janser und ihre Schwester Rebekka Renggli eigens für dieses Festival geschrieben. Das Thema liegt im Wasserschloss auf der Hand. «Wasser ist in Turgi seit Jahrhunderten ein wichtiges Element», betont auch Edith Saner in ihrer Ansprache. Die Politikerin aus dem Nachbarort Birmenstorf wäre schon 2020, damals als Grossratspräsidentin, für ein Grusswort eingeladen gewesen. Corona hat die Aufführung zwei Jahre verzögert.

In der Halle zeigen die Kinder und Jugendlichen aus Turgi ein mitreissendes Stück Bewegungstheater, das zum sorgsamen Umgang mit Wasser anhält. Zum emotionalen Lied «Crystallize» von Violinistin Lindsey Stirling stellen sie das Wasser in all seinen Formen dar: als schmeichelnde Welle, Pfütze oder auch Getränk.


Wasser ist Leben!
Ist Wasser ein Menschenrecht? Nicht alle Figuren auf der Bühne verhalten sich so. Eindrücklich kommt dies zum Tragen, als die Chefs in der Spinnerei (und später in der modernen Fabrik) ihre halb vollen Flaschen wegwerfen, während ihre Arbeiter verdursten. Im Stück wird nur wenig gesprochen, aber die Message ist klar: Wasser ist Leben!

Wie immer bei Stücken des KJT waren die jungen Darstellenden massgeblich an der Entstehung be­teiligt. So konnten sie ihre Vorstel­lungen von Wasser einbringen und setzten die Bewegungen des nassen Elements tänzerisch um. Die Vorbereitungen begannen bereits 2018 und waren für das Festival 2020 geplant. «Wegen Corona mussten wir dann lange online üben, und durch die zweijährige Verzögerung mussten auch Kinder ausgetauscht werden, die mittlerweile zu alt waren», sagt Rebekka Renggli. Sie ist froh, dass die Kinder und Jugend­lichen nun wieder zusammensein können. «Man spürt richtig, wie ihnen die Umstände zu schaffen machten.» Besonders hat den Verein getroffen, dass im letzten Jahr auch OK-Präsident Peter Heiniger verstorben ist. Sein Engagement wurde von der vollen Halle mit Standing Ovations gewürdigt.


Weniger Gasteltern, mehr Kosten
Durch Corona haben sich auch weniger Gasteltern gemeldet als sonst, was sich aufs Budget ausgewirkt hat. Einige Gruppen sind im Pfadiheim in Baden oder im Go Easy in Siggen­thal Station untergebracht. Auch die Kosten für Verpflegung steigen dadurch.

Dennoch wird den Kindern und Jugendlichen ein abwechslungsreiches Programm geboten. Jeden Vormittag können sie einen länderdurchmischten Workshop bei international renommierten Experten besuchen, jeweils um 15 und 20 Uhr werden Theaterstücke aufgeführt. Auch internationale Beobachter aus Deutschland, Österreich und Brasilien sind vor Ort. Am runden Tisch geben sie Feedbacks zu den Aufführungen. «Und sie werden in ihren Heimatländern von unserem Festival berichten», freut sich Renggli.

Die Resultate der Workshops werden die einzelnen Gruppen an der 1.-August-Feier bei der Mehrzweckhalle der Bevölkerung von Turgi vorführen. «Wir sind stolz, euch hier zu haben», sagte Frau Vizeammann Astrid Barben bei der Eröffnung zu den jungen Gästen aus aller Welt: «Ich bin sicher, ihr werdet ganz viele Erfahrungen aus diesen zehn Tagen mit nach Hause nehmen.»

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