India meets Windisch

Das «Ras Garba» ist eines der wichtigsten Feste im hinduistischen Jahreszyklus und wird auch in der Schweiz zelebriert. Über 400 Gäste feierten in Windisch. 

Ist das Indien? Nein! Sondern das Sportausbildungszentrum Mülimatt in Windisch. Dort wurde «Ras Garba» gefeiert, eines der wichtigsten Feste im hinduistischen Jahreszyklus. (Bilder: ub)

von
Ursula Burgherr

07. Oktober 2019
16:00

Aus der ganzen Schweiz kommen Inderinnen und Inder in Windisch zusammen, um das «Ras Garba» zu feiern, das je nach Landesteil der Göttin Durga oder Lord Krishna gewidmet ist. «Wir organisieren das Fest bereits zum 16. Mal für unsere indischen Landsleute. Aber auch Menschen aller anderen Nationalitäten sind herzlich eingeladen, mit dabei zu sein», bekunden Himanshu Trivedi und Ketan Parikh, die für die Organisation zuständig sind. Der Anlass im Aargau, der dieses Jahr im Windischer Sport­ausbildungszentrum Mülimatt stattfindet, ist seines Zeichens der grösste schweizweit. 

 

Eine Explosion der Farben

Immer mehr Leute strömen in die Halle. Die Frauen sind eine wahre Augenweide in ihren festlichen Saris oder traditionellen Gujarat-Trachten aus langem Rock und Oberteil mit Stickereien und kleinen Spiegelchen, die bei jeder Bewegung funkeln. Ein Gebet läutet den Festabend ein. Dazu werden am Schrein in der Mitte der Halle Räucherstäbchen angezündet und Opfergaben wie Früchte und Süs­sigkeiten gespendet. 

Aber bald hat die stille Einkehr ein Ende. Ohrenbetäubende Musik aus den Lautsprecherboxen füllt die Halle. Und schon fangen die ersten Tanzfreudigen an, sich im Rhythmus zu drehen. Die Röcke fliegen, und den Zuschauenden bietet sich eine wahre Explosion der Farben. Wenn die Drehungen immer dynamischer werden, hat das auch einen tiefen spirituellen Gehalt. Denn Tanz und Religion gehören in Indien eng zusammen, genauso wie das fröhliche Beisammensein im Familienverbund bei Speis und Trank. 

Viele Freiwillige servieren der hungrigen Gästeschar einfache indische Gerichte wie Reis mit Dal, Kartoffeln in Currysauce und Paneer, eine landestypische Spezialität aus Frischkäse. Zubereitet wurde alles im indischen Restaurant Maharani in Zürich. Gegessen wird traditionsgemäss vegetarisch. Alkohol gibt es keinen. Viele Inder, die Fleisch konsumieren, nutzen die religiösen Feiertage zum Fasten. 

Schon Kleinkinder beherrschen den Stocktanz aus dem Effeff

Für das Publikum in Windisch ist das «Ras Garba» ein wichtiger gesellschaftlicher Anlass, um die gemeinsamen kulturellen Wurzeln auf Schweizer Boden zu feiern. Kommt ein geladener Gast wie die hier Schreibende dazu, wird er zuvorkommend empfangen und dazu eingeladen mitzutanzen. Beim klassischen Stocktanz stehen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in langen Reihen mit zwei kurzen Holzstöcken gegenüber, die sie in bestimmten Rhythmen und Choreographien aufeinanderschlagen. Nach einigen Schlägen geht es ein paar Schritte zur Seite und das Vis-à-vis wechselt. Was schon indische Kleinkinder aus dem «Effeff» zu beherrschen scheinen, ist für Neuankömmlinge eine echte koordinative Herausforderung. Spass macht es trotzdem, denn Patzer spielen keine Rolle. Alle, die mitmachen, sind willkommen und werden herzlich in die Gemeinschaft aufgenommen.

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