Ja, unsere Zeitungen lesen Sie gratis!

Für einmal geht es bei einer eidgenössischen Abstimmung um die Medien – unser Kerngeschäft. Wir nutzen die Gelegenheit, um unsere Finanzierung offen zu deklarieren.

von
Annegret Ruoff | Stefan Bernet

19. Januar 2022
18:23

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Der Grund, warum wir uns heute ausnahmsweise so persönlich an Sie wenden, ist folgender: Am 13. Februar stimmen die Schweizerinnen und Schweizer über das Bundesgesetz über ein Massnahmenpaket zugunsten der Medien ab. Es geht also für einmal um das Kerngeschäft unseres Verlags. Das freut uns, denn die Debatte über die Aufgabe der Medien in einer Demokratie, über den Wert der Vielfalt und den Sinn unserer journalistischen und verlegerischen Tätigkeit bringt vieles auf den Tisch und manches ins Rollen. Dass in einem Staat so intensiv, engagiert und kritisch über die Medien nachgedacht und diskutiert wird, ist nicht selbstverständlich und mitunter ein grosses Privileg – das Privileg einer Demokratie, zu der auch wir uns bekennen.

Wir wollen an dieser Stelle weder für ein Ja noch für ein Nein plädieren – denn das ist nicht unsere Aufgabe. Vielmehr ist es uns ein Anliegen, Sie über ein paar Dinge zu informieren, von denen wir denken, dass es gut und hilfreich ist, wenn Sie sie kennen. Die Fakten zu benennen, ist nicht nur Grundlage unseres Business, sondern die Basis für jede freie Meinungsbildung.


Beginnen wir bei den Inseraten. Ohne Geld können auch wir keinen Journalismus betreiben. Als «Gratiszeitung», wie man uns zuweilen etwas abschätzig, aber durchaus korrekt bezeichnet, finanzieren wir uns hauptsächlich über Inserate, Publireportagen und weitere bezahlte Gefässe. Damit Sie wissen, welche Inhalte in unseren Zeitungen «gekauft» sind, weisen wir sie entsprechend aus. Dazu sind wir verpflichtet. Denn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, haben ein Recht darauf zu wissen, wie es um die (Un)abhängigkeit Ihrer Zeitung steht. Dass Sie unsere Inhalte ebenso kritisch lesen, wie wir den Politikerinnen und Politikern, den Amtsträgerinnen und Amtsträgern, den Funktionärinnen und Funktionären auf die Finger schauen, schätzen wir ungemein. Und wir vertrauen darauf, dass Sie uns die Leviten lesen, wenn wir Journalismus versehentlich mit Werbung verwechseln.

Unseren Inserentinnen und Inserenten sind wir äusserst dankbar. Dass sie unsere Medien schätzen und sie nutzen, um möglichst viele Haushalte und damit potenzielle Kundinnen und Kunden zu erreichen, ist unser Glück. Ohne sie könnten wir den Verlag per sofort dichtmachen. That’s a fact!


Die zweite Einnahmequelle bilden diejenigen Gemeinden, die unsere Medien für ihre amtlichen Publikationen nutzen. Sie vertrauen unserer breiten Abdeckung, die ihnen die flächendeckende Information ihrer Einwohnerinnen und Einwohner ermöglicht. Die einen publizieren ihre Meldungen und Inserate verdankenswerterweise auf speziellen Seiten innerhalb unserer Zeitungen, die andern nutzen unsere Medien als Transportmittel für ihre Gemeindenachrichten in Form einer Beilage.
Die dritte Einnahmequelle sind unsere Gönnerinnen und Gönner, die uns in Form von Spenden und Pluscard-Mitgliedschaften unterstützen. Wir freuen uns ausserordentlich, dass dies aktuell rund 1200 unserer Leserinnen und Leser tun.

Mehr Einnahmequellen haben wir nicht. All unsere Artikel lesen Sie gratis und franko, nicht nur in der Zeitung, sondern auch im Netz.

 

Kommen wir also zu den Subventionen. Wir erhalten staatliche Förderung in Form von ermässigten Posttarifen. Das ist für uns seit Jahren eine grosse Unterstützung. Für die Post sind wir allerdings – gemessen an den grossen Verlagshäusern dieses Landes – ein «winziger» Kunde und ergo auch ein solcher Verhandlungspartner. Das ist auch in Zukunft so. Denn egal, ob Sie für oder gegen das Massnahmenpaket zugunsten der Medien stimmen – für uns bleibt finanziell alles, wie es war. Als «Gratiszeitungen» werden wir von weiteren Subventionen ausgeschlossen.  

Das sind die Fakten. Das ist unsere Realität. Deshalb sind wir etwas irritiert, wenn Politikerinnen und Politiker auf Inseraten das neue Mediengesetz mit einem Plädoyer für die regionalen Medien verbinden. Wir fühlen uns dabei, ehrlich gesagt, etwas desavouiert. Machen unsere Kolleginnen und Kollegen bei den bezahlten Medien per se einen besseren Job als wir? Auch wenn wir «Gratiszeitungen» und keine bezahlten Abonnementsmedien herausgeben, ist unser Beruf für uns weit mehr als ein nettes Hobby. Wir lieben, was wir tun. Und wir tun es aus Überzeugung. Weil wir daran glauben, dass in Zeiten der Globalisierung gerade die Regionen gute Zeitungen brauchen. Denn die grosse weite Welt beginnt nun mal vor der eigenen Haustüre. Wichtige Informationen zu bieten, Kritik zu üben und gute Geschichten zu schreiben, die Sie, liebe Leserin, lieber Leser, zutiefst bewegen, aufrütteln, unterhalten und bereichern, ist unsere Aufgabe und unsere Passion.

Wir danken Ihnen, dass Sie unsere Medien lesen und uns kritisch begleiten. Und wir schätzen es, dass Sie sich zum Massnahmenpaket zugunsten der Medien Ihre eigene Meinung bilden – ganz wie es sich in einer Demokratie gehört.


P. S. Die Inserate, die Sie in unseren Medien zum Mediengesetz finden, können für ein Ja oder für ein Nein werben. Sie sind unabhängig vom redaktionellen Teil und obligat gebucht.

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Wir setzen uns mit Herzblut und Know-how für gute Geschichten aus Ihrer Region ein. Wenn auch Sie hochwertigen Journalismus schätzen, können Sie uns spontan unterstützen. Wir danken Ihnen – und bleiben gerne für Sie am Ball.

Kommentare (1)

  • Eva Rempfler
    Eva Rempfler
    vor 9 Stunden
    Danke für diesen Beitrag, den ich nur unterstützen kann. Wir sitzen im selben Boot.
    Quartierzeitung Höngger
    Eva Rempfler

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