«Jeder Ort kann unheimlich sein»

Conny Lüscher kann es nicht lassen. Nach dem Erfolg mit «Baden kann tödlich sein» hat die Autorin neue Kurzgeschichten geschrieben, die alle in der Bäderstadt spielen.

Conny Lüscher beim Teich im Kurpark, der eine Rolle in einem ihrer Kurzkrimis spielt. (Bild: sha)

25. November 2020
16:21

Das Treffen mit der zierlichen Autorin findet auf Wunsch des Journalisten bei einem der unheimlichsten Orte der Bäderstadt statt. Autorin Conny Lüscher hat sich dafür den Bücherschrank im Kurpark Baden ausgesucht. Was soll denn daran gruselig sein? Auf das verdutzte Nachfragen kontert Lüscher: «In Baden kann grundsätzlich jeder Ort unheimlich sein, wenn die Menschen ihn dazu machen.» Mit einem Lächeln fügt sie an: «Es muss also nicht zwingend der alte Friedhof sein.» Der Spaziergang geht weiter zum Teich im Kurpark – auch dieser ist ein eher idyllischer Ort, an dem sich die Enten und Koi-Karpfen gerne von Spaziergängern füttern lassen. Nächste Station ist der Polizeiposten an der Rathausgasse. Gut, hier könnte man sich ein Verbrechen vorstellen! Was es genau auf sich hat mit diesen drei Lokalitäten, will Conny Lüscher übrigens nicht verraten. Nur so viel lässt sie sich entlocken: Alle drei spielen eine Schlüsselrolle in einer ihrer Kurzgeschichten.


Gute Beobachterin
Conny Lüscher verfügt über eine ausserordentlich gute Beobachtungsgabe. Während über zehn Jahren hielt sie ihre Mitmenschen und deren Unzulänglichkeiten in rund 600 Comics fest, die in der «Rundschau» und im «General-Anzeiger» erschienen sind. Nach einer Umstrukturierung der Rätsel-seite in diesen Zeitungen konzentrierte sich Lüscher aufs Schreiben. «Ich kann aus jedem Stichwort eine Geschichte zaubern», meint sie schmunzelnd. Dies sei vielleicht kein Zufall, da sie schon mit sechs Jahren mit dem Bücherlesen begonnen habe, erzählt die in Nussbaumen und Ennetbaden aufgewachsene Frau. Schon damals hatte sie übrigens eine Affinität zum Grusel, sei doch ihr erstes Buch «Die kleine Hexe» von Otfried Preussler gewesen. Und ein Lehrer habe zur fabulierfreudigen jungen Schülerin gemeint: «Aus dir wird einmal eine Schriftstellerin.»


Affinität für Thriller
«Ich liebe es, die Leserinnen und Leser zu fesseln.» «Es macht mir einen Höllenspass, die Leute in Angst und Schrecken zu versetzen» – dies sind Zitate, die man der liebenswürdigen Badenerin gar nicht zutrauen würde. «Auf den Widerspruch zwischen meinem ruhigen Naturell und dem Inhalt meiner Bücher werde ich oft angesprochen», gesteht sie lachend. Denn, so fügt sie humorvoll an: «Liebesgeschichten habe ich mit meinem Mann, da brauch ich nicht noch über Romanzen zu schreiben.» Allerdings – wie bereits im ersten Band «Baden kann tödlich sein» – können sich auch Leser mit einem zarteren Nervenkostüm bei der Lektüre des neuen Büchleins «Mord in der Bäderstadt», das im rulSuspense Verlag erschienen ist, amüsieren. Der Untertitel «und andere Unannehmlichkeiten» sei dabei bewusst ausgewählt. Denn auch in den siebzehn neuen Kurzgeschichten führe mal ein unglücklicher Zufall, ein Missgeschick oder schlicht und einfach Pech zu einem tödlichen Ende. Es sind also mitnichten kaltblütige, bösartige Täter, die an den Badener Schauplätzen ihr Unwesen treiben.

Selbst mag es Conny Lüscher durchaus noch eine Stufe gruseliger. Sie ist Mitglied im «Syndikat» und bei den «Mörderischen Schwestern», denen viele deutschsprachige Krimautorinnen und Autoren angehören, sowie in der neuen Autorenvereinigung «Krimi Schweiz». Sie sagt: «Ich schreibe ja vorwiegend Thriller, weil ich selbst spannende Bücher und Filme bevorzuge. Und etwas Gruseln, sei sogar gesund, solange man wisse, dass es sich um Fiktion handelt.» Lüscher ist allerdings überzeugt: «Die Realität überholt in ihrer Grausamkeit sowieso jede Fiktion oftmals um Längen.»


Kontakt zur Leserschaft
Der Austausch mit ihren Lesern ist Conny Lüscher gemäss eigenen Angaben sehr wichtig. Sie freut sich über Rückmeldungen, wenn sie durch Baden geht, aber auch über Post von Lesern aus Berlin, Wien und anderen Orten. Diese wollen sogar, inspiriert durch ihre Bücher, die Schauplätze in Baden besichtigen. Die Autorin freut sich: «Ich habe anscheinend erfolgreich Werbung für die Stadt gemacht.»

Weil aufgrund der Pandemie zurzeit keine Lesungen stattfinden, schätzt die Autorin den direkten Kontakt im Alltag oder auch Leserunden im Internet umso mehr. Conny Lüscher braucht dies, wie sie sagt, umso mehr, da sie wortwörtlich im stillen Kämmerlein arbeitet. «Wenn ich mich im Schreib-Flow befinde,  verträgt es keine Störung.» Dann werden ihre Figuren lebendig und wecken Emotionen. Sie hofft, dass ihr dies mit «Mord in der Bäderstadt» wiederum gelungen ist.

Conny Lüscher arbeitet bereits an einem neuen Buch. Diesmal wird es wieder ein Thriller. Die oft gestellte Frage, woher sie all die Ideen für ihre Storys nehme, werden vielleicht mit der Lektüre von «Mariele und ich» beantwortet. «Ich schreibe immer die reine Wahrheit und meine es todernst, naja, jedenfalls fast …», meint sie mit dem für sie typischen Augenzwinkern abschliessend.

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