Jerome «trickst» mit grossem Erfolg

Jerome Hollinger gehört zu den besten Dirt-Bikern der Schweiz. In Davos wurde der 14-jährige Gebenstorfer jüngst als «Best Rookie» ausgezeichnet.

Konzentriert am Start in Davos.

von
Keller, Jacqueline

11. August 2021
09:53

Davos war einst vor allem Kurort und ist heute eine der angesagten Tagungs-, Kultur- und Sportstädte in den Schweizer Alpen und – dem WEF sei Dank – weltweit. Im Dezember sitzen Sportinteressierte immer gespannt vor dem Fernseher und wollen während der Langlauf-Weltcup-Übertragung wissen, wie es schneemässig aussieht im Landwassertal. Exakt dort, anderthalb Kilometer nach dem Start, wo Cologna und Co. im Wald verschwinden und ins Flüelatal stechen, ist in den letzten Jahren anstelle des ehemaligen Campingplatzes ein Bike-Park entstanden. Das muss man gesehen haben: Junge Athletinnen und Athleten «jumpen» mit ihren Dual-Bikes und zeigen Sprünge und Tricks, dass selbst den Eltern der Atem stockt. Muriel und Roger Hollinger aus Gebenstorf sind eines dieser Elternpaare, dessen 14-jähriger Sohn Jerome mittlerweile zu den besten Dirt-Bikern der Schweiz gehört. Im Juli dieses Jahres brillierte er anlässlich des Dirt-Bike-Festivals als Jüngster im Final. Er gewann den Preis als «Best Rookie», und die Fachwelt verfolgt gespannt, wie sich das Jungtalent weiterentwickelt.

Und kurz darauf in Aktion: Dirt-Biker Jerome Hollinger. (Bilder: zVg)


Training im Pumptrack Brugg

Wie aber wird man Dirt-Biker, wenn man in Gebenstorf wohnt? Da geht man doch in den Turnverein, zu den Boxern, zu den Läufern oder – wie Papa Roger – zu den Schützen. «Seit rund zwei Jahren bin ich ein begeisterter Besucher des Pumptracks im Brugger Schachen», erklärt Jerome. Die Anlage, von freiwilligen Idealisten aufgebaut und von sport- und jugendfreundlichen Sponsoren finanziert, liegt nur drei Kilometer vom Zuhause der Hollingers entfernt. So konnte Jerome auch bald alleine zum Training gehen. Die «Dirt Bike Slopestyler», so der offizielle Name dieser Sportler, sind nicht organisiert. Es gibt keine Vereine, keine Kader und keine Trainingsgemeinschaften. Deshalb mussten Jerome und seine Familie auf eigene Faust recherchieren und sich durchfragen, bevor sie so richtig loslegen konnten. Dieser Moment kam vor zwei Jahren, nach Jeromes erstem Sieg bei einem Wettkampf auf dem Brugger Track. Momentan bestreitet der junge Gebenstorfer seine erste richtige Wettkampfsaison. Den Hollingers kommt entgegen, dass sie oft mit dem Wohnmobil unterwegs sind. So können sie – wie das Beispiel Davos zeigt – Jeromes Wettkämpfe mit Familienausflügen kombinieren.


Selbständiger und willensstark

Die Eltern sind überdies froh, dass ihr Sohn schon sehr selbständig und zuverlässig ist. So reist Jerome oft alleine mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Trainings in den verschiedenen Funparks der Schweiz.

Solche gibt es beispielsweise in Lenzburg, Winterthur und Zürich. Aber auch in Birmenstorf oder Lengnau feilt Jerome an seinen Tricks. Um fit zu sein, trainiert er zudem – zusammen mit seiner Mutter – im Konditionstraining des Boxclubs Gebenstorf. Seine Eltern unterstützen das Jungtalent auch anderweitig. Mutter Muriel ist fürs Coaching zuständig und Vater Roger für den mechanischen Teil. Wobei auch da der Sohn oft selbst Hand anlegt: Bei seinem Sponsor, Philipp Allemann, der das Unternehmen «Opposite bike» in Elfingen führt und in der Bike-Branche über ein grosses Netzwerk verfügt, kann er Defekte reparieren und auch sonst am Velo rumschrauben. Velos, die derart im Einsatz sind, halten ja nicht ewig. «Das ist so», lacht Jerome. «Ich fahre aktuell bereits mein drittes Bike!»


Wenig finanzielle Unterstützung

Noch wird der junge Radsportler von keinen weiteren Sponsoren unterstützt, und auch Preisgelder gibts bei den Wettkämpfen keine. Gutscheine von Bike-Geschäften oder mal ein Naturalpreis sind der Lohn für die guten Resultate in dieser Sportart. Und wie sieht die Zukunft aus für den talentierten Jugendlichen? «Momentan fahre ich die Contests der Swiss Dirt Series weiter», sagt Jerome. «Alles macht mir grossen Spass, und ich bin nach wie vor topmotiviert fürs Training.» Ob er sich vorstellen kann, einst im BMX – einer verwandten Sportart – an den Olympischen Spielen teilzunehmen? «Das liegt in weiter Ferne», sagt er. Vorerst wolle er sich aufs Dirt-Biken konzentrieren. «Aber wer weiss, vielleicht wird das mit den Olympischen Spiele ja doch ein Thema», schmunzelt er. Bis dahin wird Jerome Hollinger fleissig weitertrainineren und viele neue «trickige» Elemente erlernen.

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