Jetzt wird das Grün vertikal

«Living Walls» – so könnte man die vertikalen Begrünungssysteme umschreiben. Die Firma Diebold Zgraggen zeigte in Fislisbach, wie sie funktionieren.

Rainer Brunner, l., erklärt auf anschauliche Weise das Begrünungssystem. Alain Diebold hält ein Ansichtsexemplar
Rainer Brunner, l., erklärt auf anschauliche Weise das Begrünungssystem. Alain Diebold hält ein Ansichtsexemplar (Bilder: isp)

von
Isabel Steiner Peterhans

10. Oktober 2018
09:00

Vertikales Begrünungssystem

Beim der vertikalen Begrünungssystem der Firma Vertiko bleiben die Wände des Gebäudes trocken, die Konstruktion als solche ist nicht sichtbar. Alle Befestigungsteile sind aus nicht rostendem Stahl. Vegetationsträger sind genähte Vliese mit Taschen. 

Mit Tropf­rohren wird ein Spezial-Substrat in das Vlies­system eingebracht. Inklusive Wassersättigung und Pflanzen wiegt das System nur maximal 30 Kilogramm pro Quadratmeter. Die gesamte Technik für Steuerung, Düngung und Sensorik befindet sich in einem Schaltschrank. Die Technik ist einfach bedienbar und wartungsarm. Das System ist modular aufrüstbar. Möglich sind auch die Fern­wartung via Computer, automatisierte Düngung und exakt abgestimmte Pumpensysteme.

In Sachen Begrünungen müssen Gartendesigner und -architekten in einer neuen Dimension denken. «Verdichtetes Bauen ist zukunftsweisend, und gemäss Schätzung werden in absehbarer Zeit zwei Drittel aller Menschen in Städten leben», sagte Rainer Brunner, Abteilungsleitung Planung bei der Firma Diebold Zgraggen, an der Informationsveranstaltung zur vertikalen Begrünung in Fislisbach. «Die Zeiten, in denen schon fast verschwenderisch mit Ressourcen umgegangen werden konnte, sind definitiv vorbei.» Was also tun? Die Lösung ist so simpel wie effektiv. «Wir begrünen einfach in die Höhe», so Brunner.

 

Für drinnen und auch draussen

Die «Living Walls»-Fassadenbegrünung ist ein ausgeklügeltes deutsches «High-End»-Begrünungssystem, welches die Firma Vertiko im Jahr 2005 entwickelt hat. Das Gartenbauunternehmen Diebold Zgraggen ist inzwischen Schweizer Vertriebspartner. Aus langjähriger Erfahrung weiss man, dass eine ansprechende Begrünung soziale, wirtschaftliche sowie ökologische Vorteile mit sich bringt. Begrünte Fassaden und Dächer können schon mal den «Heat-Island-Effect» (Hitze-Inseln-Effekt) in Städten reduzieren, Lärm­emissionen schlucken, Energiekosten für die Klimatisierung von Gebäuden senken und nebenbei auch noch die Luft von Feinstaub und Schmutz rei­nigen. Um die Auswirkung von Fas­sadenbegrünung auf die Umwelt zu untersuchen, arbeitet Vertiko unter anderem mit Universitäten zusammen und forscht auch selbst. Unter anderem wurden 300 Pflanzenarten für die ver­tikale Begrünung getestet und be­wertet.

Vorzugsweise werden Fassaden oder Wände an der «Nord- und Westseite» begrünt, bei passenden Situationen können aber auch die Ost- und Südausrichtungen begrünt werden. Es erstaunt, dass dabei lediglich zwei Pflegedurchgänge pro Jahr erforderlich sind. Was aber zwingend benötigt wird, ist ein verlässliches Bewässerungssystem. Drei kurze Durchgänge sind empfehlenswert. 

Das spezielle Begrünungssystem scheint kein Verfallsdatum zu haben, es kann also gut für längerfristige Projekte verwendet werden. Selbstredend ist natürlich, dass die ganze Angelegenheit nicht ganz billig ist. Der Verkaufspreis befindet sich im Bereich einer Natursteinfassade. Man wird sich also längerfristig daran gewöhnen, dass Grünes auch vertikal wachsend daherkommt. Wer sich bereits jetzt einen Eindruck gönnen möchte, kann die Musterwand im Schaugarten in Fislisbach besichtigen. 

Kommentare (1)

  1. Daniel
    Daniel am 15.10.2018
    Das Umdenken auf Vertikalbegrünung in der Architektur finde ich eine tolle Sache. Meine Frau und ich überlegen uns schon seit längerem, unsere Terrasse mit einer Vertikalbegrünung zu verschönern.
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