«Kaffee ist eine komplexe Materie»

In der Schweiz blüht die «Speciality Coffee»-Kultur ­gerade auf. Für Barista Leander Seifeddine bedeutet Kaffee Emotion und Wissenschaft gleichermassen.

Leander Seifeddine bietet «Liberica» und andere Kaffeespezialitäten an. (Bild: cd)

von
Dahl, Caroline

27. Juli 2022
14:30

Barista Leander Seifeddine (30) steht im Café Kape Hiraya an seiner hellen Siebträgermaschine und dreht den Kolben in die Halterung ein. Langsam rinnt die samtig schwarze Flüssigkeit ins Glas, die caramelgoldene Crema als vollendetes Krönchen obenauf verheisst Gutes. Eleganter Kaffeeduft verbreitet sich, als der Barista mit geübten Handgriffen den Flat White mit geschäumter Milch verziert. «Meine ersten Erinnerungen an Kaffee verbinde ich mit meinem Vater. Er war Libanese, trank jeden Morgen seinen Kaffee in einem Café und las die Zeitung dazu, das war sein Ritual», erzählt Seifeddine und blickt sich im «Kape Hiraya» um. «Er hätte es geliebt hier.»


Sich auf Neues einlassen
Leander Seifeddines Mutter ist Schweizerin, er wuchs in der Schweiz auf, besuchte hier die Schulen und lernte Polymechaniker. «Ich habe schon als Kind gerne gekocht. Lebensmittel, die Zubereitung von Speisen, und wie Aromen und Geschmacks­noten miteinander harmonieren oder sich sogar gegenseitig noch verstärken können, das interessierte mich schon immer», sagt der 30-Jährige. Neue Sachen auszuprobieren, das gefällt ihm. Kaffee, der im Libanon vorwiegend als türkischer Kaffee, stark und schwarz, getrunken wird, weckte bald sein Interesse.

«Kaffee ist eine komplexe Materie. Das Wissen kann man sich nur selbst holen», ist er überzeugt. Auf einer dreimonatigen Reise durch Südostasien besuchte der Kaffeefan einen «Speciality»-Coffeeshop (zu deutsch Spezialitätenkaffeeladen) in Chiang Mai. Da wusste er: «Das will ich auch machen. Diese Atmosphäre, wie dort gearbeitet und wie das Produkt präsentiert wurde, das hat mir sofort gefallen», erzählt der Autodidakt. Nach neun Jahren im Beruf als Polymechaniker bot sich im Januar 2021 eine Gelegenheit, sein grosses Interesse und die wachsende Leidenschaft für Kaffee auch beruflich umzusetzen: Zusammen mit seiner Partnerin Anja Guevarra eröffnete Seifeddine das «Kape Hiraya – Coffee & Dreams» als Inhouse-Café im «Papa Oro’s» an der Hauptstrasse in Brugg.

Hier verbindet das junge Paar seine Liebe zum Kaffee, die Freude am Gastgeber-Sein und sein tiefes Vertrauen in die Gewissheit, dass Träume in Erfüllung gehen können. «‹Kape› bedeutet auf Filipino ‹Kaffee›, und ‹Hiraya› bedeutet ‹Herzenswunsch›», übersetzt der Barista den Namen. «Anja und mir gefiel der Name und dessen Bedeutung so gut, dass wir unsere nun sieben Monate alte Tochter ebenfalls Hiraya tauften», so Seifeddine, der mit seiner kleinen Familie in Turgi lebt.


Philippinische Spezialität
Wie sehr sich Seifeddine dem Kaffee verschrieben hat, sieht man jeder servierten Tasse an. Er bereitet das Getränk konzentriert und voller Hingabe zu, erwärmt die Milch bis zur perfekten Temperatur, schäumt sie auf und krönt das Getränk mit einer Verzierung – bevor er es mit aufrichtiger Gastfreundschaft serviert. Über Kaffeekirschen bis zum idealen Mahlgrad und verschiedene Zubereitungsarten weiss Seifeddine eingehend Bescheid. «Ich möchte mich in allen Bereichen rund um das Kulturgut Kaffee weiterentwickeln», hat sich der Experte zum Ziel gesetzt.

Neuerdings gibt es bei ihm auch philippinischen Kaffee: Der Liberica Kaffee «Philippines Alfonso» ist durch seine frischen Pfeffernoten mit einem Hauch von Nelke und Zedernholz, einer milden Säure und einem vulkanisch-erdigen Mundgefühl ein Geschmackserlebnis, das sich etwas abseits der Aromen von Arabica und Robusta bewegt. Der lokal als Kapeng Barako bekannte Kaffee wird in der Stadt Alfonso auf der philippinischen Insel Luzon angebaut.  

Er möchte die Kultur der Speciality Coffees auch hier verbreiten: Kaffees, bei welchen sich in der gesamten Verarbeitungskette alle involvierten Personen und Unternehmen den höchsten Qualitätsansprüchen verschreiben.

Andere Länder seien weiter, was die Speciality-Coffee-Kultur betreffe, weiss der Barista. «Die Länder im Osten, aber auch die Skandinavier sind da viel weiter als die Schweiz. Hier konzentriert sich das Interesse für Qualitätskaffee und gute Röstereien auf Grossstädte wie Zürich, Genf, Bern, wo die Szene dafür recht lebendig ist», erzählt er.


Nächstes Ziel: Plantage finden
Leander Seifeddine ist bescheiden im Auftreten, ein aufmerksames Gegenüber mit ruhiger Gestik, aber er ist auch ein Macher und Planer. Zusammen mit seiner Partnerin schmiedet er ständig neue Pläne. Das nächste Ziel sei es, eine Kaffeeplantage auf den Philippinen zu finden, um so eine Kooperation aufbauen zu können, die es ihnen ermögliche, den Kaffee direkt vom Kaffeebauern zu beziehen. Ihm schwebt vor, den Kaffee dann selbst hier vor Ort zu rösten. «Mich interessiert einfach alles am Kaffee, von der Pflanze bis zur gerösteten und gemahlenen Bohne, und natürlich das ganze Wissen um die Herstellung, bis das genussfertige Getränk in der Tasse ist», erklärt der Barista.

Und er gibt zu: «Ja, ich bin ein Perfektionist. Ich möchte jeden Tag immer alles noch ein bisschen besser machen.»

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Kommentare (1)

  • Helmut Hostettler
    Helmut Hostettler
    vor 2 Wochen
    Bei meinem nächsten Schweiz-Besuch wird das Cape Hiraya in Brugg ein lockendes Ziel sein.

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