Kanalisation auch im «Himmelrich»

Damit sich der Lengnauer Weiler Himmelrich baulich weiterentwickeln kann, muss er ans Kanalisationsnetz angeschlossen werden. Dies verlangt der Kanton.

Zusätzlich zum Himmelrich erhalten auch Einzelhöfe in Richtung Vogelsang eine unterirdische Stromerschliessung. (Bild: bkr)

07. Oktober 2020
12:15

Im Lengnauer Himmelrich zu leben, ist für naturverbundene Menschen ein Traum. Sich diesen hier – ausserhalb der Bauzone – real zu erfüllen, ist leider äusserst schwierig. Das gilt auch für Baugesuche, welche rechtlich «weilerkonform» sind. Sie scheitern am Umstand, dass das Himmelrich nicht an die Lengnauer Kanalisation angeschlossen ist. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Weilers leiten ihr Abwasser aktuell in Klärgruben, von wo es abgepumpt und abtransportiert werden muss.

Kein Zustand, fanden die Lengnauerinnen und Lengnauer schon vor einiger Zeit und machten das Problem zum Thema im generellen Entwässerungsplan (GEP). Dass eine Leitung gebaut werden muss, war klar. Aber was für eine Leitung? Mit den Abklärungen wurde das Ingenieurbüro Senn AG in Obersiggenthal betraut. Eine der heute meist üblichen Leitungen mit 30 Zentimetern Durchmesser konnte es nicht sein. Diese hätte rund 1,5 Millionen Franken gekostet. Übrigens wird dies nicht aus der Steuerkasse, sondern über die Eigenwirtschaftsrechnung der Abwasserversorgung (über den Tarif) und die betroffenen Liegenschaftseigentümer im Himmelrich via Anschlussgebühren finanziert. Ausnahmen gibt es nur für Landwirtschaftsbetriebe, die Tiere halten – laut Reglement mehr als acht «Grossvieheinheiten». Sie dürfen ihre Güllengruben weiterhin nutzen.


Teure Grabarbeiten entfallen
Die Senn AG war kreativ und fand eine Lösung, die sich mit 380 000 Franken bewerkstelligen lässt. Den entsprechenden Kredit sprach die Gemeindeversammlung im November 2018. Die Leitung, welche derzeit in Bau ist, begnügt sich mit einem 6,3-Zentimeter-Druckrohr. Dieses wird neben der Strasse und auf Privatgrundstücken in den Boden «eingepflügt». Teure Grabarbeiten entfallen. Wo eine Strassenquerung unumgänglich ist, führt eine spezialisierte Bohrfirma das Rohr ohne Belagsaufbruch unter dem Fahrweg hindurch. Mit der Leitung alleine ist es allerdings nicht getan. Zusätzlich sind neun Kontrollschächte nötig, die einen Meter Durchmesser haben müssen. Und einer Druckleitung muss das Abwasser mit Druck übergeben werden. Dies ergibt zusätzliche zehn Pumpenschächte.

Baut man eine Werkleitung für Abwasser, dann kann gleichzeitig auch die Leitungsinfrastruktur der Elektrizitätsversorgung und der Swisscom verbessert werden. Das Himmelrich wird heute mit Freileitungen, mit Drähten an Masten, versorgt. Bei Sturm droht da Unbill. Mit jenem der Abwasserleitung werden zusätzliche Rohre für die Kabel dieser beiden Versorger in den Boden gebracht. Unterirdische Stromzuleitungen bekommen auch der Berg- und der Wannenhof.

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