Kaum ein gutes Haar an Oase

Oase ist die Abkürzung für «Ostaargauer Strassenentwicklung». Bei einem Podium des VCS in Baden waren sich viele einig, dass es sich dabei eher um eine Fata Morgana handelt.

Diskutierten über Oase, von links: Jürg Caflisch, Markus Schneider, Hans Fahrländer und Dieter Martin
Diskutierten über Oase, von links: Jürg Caflisch, Markus Schneider, Hans Fahrländer und Dieter Martin (Bild: wag)

von
Hans Christof Wagner

15. April 2019
15:15

Oase heisst jenes milliardenschwere Paket für die kommenden 20 Jahre, das der Kanton auch für den Raum Baden schnürt. Ein 2,5 Kilometer langer Tunnel von der Siggenthaler Brücke unter Martinsberg und Chrüzliberg hindurch, eine neue Limmatbrücke für den Autoverkehr und die Umwidmung der bestehenden Hochbrücke zu einer dem ÖV und Langsamverkehr vorbehaltenen Flussüberquerung sind die markantesten Punkte darin. Dies alles soll der Zentrumsentlastung von Baden dienen und Bus, Bahn und Velo Vorfahrt verschaffen. 

  

Fragezeichen 

Alles hehre Ziele also. Doch hinter der vom VCS Aargau veranstalteten Podiumsdiskussion in der Galerie Anixis stand ein Fragezeichen: Oase – für wen? Für den Kanton, die Region, Baden allein? Wer kann damit zur Oase werden? Wer bleibt als verlärmte Wüste aussen vor? Ist das Konzept der Betrachtung überhaupt wert? Oder löst es sich nach einem zweiten, dritten Hinsehen in Luft auf, als Fata Morgana? Darüber diskutierten unter der Moderation von Zeitungskolumnist Hans Fahrländer Markus Schneider, Stadtammann von Baden, Dieter Martin, Gemeindeammann von Obersiggenthal, und VCS-Aargau-Präsident Jürg Caflisch.

Auf Fahrländers Eingangsfrage, was Oase für jeden auf dem Podium bedeute, überwogen die Negativeinschätzungen. «Seit Jahrzehnten schon versucht man Verkehrsprobleme durch Strassenbau zu lösen, obwohl es nicht funktioniert. Das wird auch bei Oase wieder der Fall sein», sagte Martin. Es brauche neue Ideen, ein Umdenken, radikale Ansätze. «Ganz meine Meinung», pflichtete dem Obersiggenthaler Freisinnigen SP-Mann Caflisch zu. Oase – «das ist so 60er-Jahre» – mit dem Hauptfokus aufs und Auto und ein bisschen ÖV, Fuss- und Veloverkehr als Feigenblatt. Daran ändere der neue Name des Projekts nichts – von ursprünglich «Ostaargauer Strassenentwicklung» zu heute «Regionales Gesamtverkehrskonzept Ostaargau». Obwohl die Abkürzung Oase so nicht mehr stimmt, hat man sie gelassen – «schönfärberisch» für den VCS. 
 

Varianten zur Zentrumsentlastung von Baden (blau: aktuelle Variante; gelb: Varianten Richtplan Zwischenergebnis 2017; gestrichelt: Tunnelabschnitt; violett: Umnutzung Hochbrücke für Limmattalbahn sowie Fuss- und Velo­verkehr) (Bild: zVg | Bundesamt für Landestopografie)

 
Ziel- und Quellverkehr als  Hauptproblem

Auch Badens Stadtoberhaupt Schneider sagte, er könne «vieles von dem, was Martin gesagt hat, unterschreiben». Aber wenn das Umdenken eben noch dauere und der Autoverkehr zunehme, müssten Lösungen her – auch in Form neuer Strassen.

Allzu sehr ins Detail konnte das Podium nicht gehen, schon allein, weil die Projekte bislang nur vage skizziert sind. Bewusst war aber, dass Badens spezielle Topographie die Vorhaben eher verkompliziert, gerade den geplanten Tunnel. Machbar sei der Tunnel in jedem Fall, sagte Caflisch. Aber er löse das Problem nicht. Denn nicht der weiträumige Verkehr, der den Tunnel als Zufahrt zur Autobahn brauche, sei das Problem. «Es ist der Ziel- und Quellverkehr der nur kurze Distanzen im Stadtgebiet zurücklegt. Der macht bis zu 85 Prozent aus.»

Die Limmattalbahn soll künftig nicht in Killwangen enden, sondern bis Baden fahren. Dazu muss sie die Limmat überqueren. Und das soll sie Oase gemäss über die dann für den Autoverkehr gesperrten Hochbrücke. Die Folge: Für Auto, Lastwagen und Töff muss eine Ersatzbrücke kommen. Doch Badens Stadtammann Schneider unterstrich: «Die neue Brücke wird erst dann gebaut, wenn garantiert ist, dass die Limmattalbahn definitiv über die Hochbrücke fahren wird. Wir brauchen da 100 Prozent Sicherheit.»

  

Reset drücken?

Kommt die Oase? Oder muss die Karawane weiterziehen? Sollen die geplanten Massnahmen jetzt Eingang in den Richtplan finden? Weitermachen bei einer prall gefüllten kantonalen Strassenkasse oder den Stecker ziehen, ein «Reset» machen, wie Moderator Fahrländer meinte? Eines wurde deutlich: Ausgesprochene Oase-Freunde sassen weder auf dem Podium, noch im rund 100-köpfigen Publikum, das sich nicht minder debattierfreudig zeigte. Während Martin und Caflisch klar für Reset plädierten, sagte Schneider, er halte Nachbesserungen für ausreichend. Badens Ammann warb dafür, sich «das Ganze anzuschauen». Offen blieb, wo die Grenzen dessen liegen. Deutlich wurde: Wer beim Verkehr auch nur am kleinsten Rädchen dreht, kann eine wahre Kettenreaktion auslösen. Und, wie es Schneider formulierte: «Immer ist irgendjemand irgendwo betroffen»  – wenn nicht mehr in Baden, dann eben in Siggenthal, Turgi oder anderswo.

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