Kein liebliches «Kind der Aare»

Er kreierte Kommissar Hunkeler und polarisierte mit seinem «Sennentuntschi». Nun gastiert Hansjörg Schneider im «Weis­sen Wind» in Freienwil.

Autor Hansjörg Schneider
Autor Hansjörg Schneider (Bild: zVg/Bastian Schweizer, Diogenes-Verlag)

von
Ilona Scherer

18. Oktober 2018
09:00

«Die Aare ist der schönste Fluss der Schweiz, unscheinbar, aber lieblich anzuschauen. Doch ich halte mich überhaupt nicht für lieblich.» Mit diesen Worten beschrieb sich der Aargauer Schriftsteller Hansjörg Schneider am 27. März anlässlich seines 80. Geburtstages selbst. Am Mittwoch, den 24. Oktober, kann sich das Publikum im «Weissen Wind» in Freienwil selber ein Bild vom «überhaupt nicht lieblichen» Schweizer Dramatiker machen. Dem Einwohnerverein Freienwil ist es gelungen, Schneider für eine Lesung aus seiner Autobiographie zu gewinnen.

In «Kind der Aare» erzählt Hansjörg Schneider vom Aargau, der Landschaft, die ihn geprägt hat. Von den sanften Hügeln und Auen und der kargen, autoritären Atmosphäre seiner Kindheit und Jugend in den Nachkriegsjahren. Von der Studentenzeit in Basel bis hin zum Aufbruch in ein Leben für die Literatur. Woher kommt ein Schriftsteller? Authentisch, berührend und kein bisschen milde zeichnet Hansjörg Schneider nach, wie er wurde, wer er ist. «Ich kann nicht mehr leben, ohne zu schreiben», sagt er heute.

 

Mehrere Preise und ein Skandal

Hansjörg Schneider wuchs in Zofingen auf und studierte an der Universität Basel Germanistik, Geschichte und Psychologie. Er promovierte 1966 und arbeitete zunächst als Lehrer und Journalist sowie als Regieassistent am Theater Basel. Er hat zahlreiche Theaterstücke, Romane und Erzählungen verfasst sowie mehrere Preise gewonnen, darunter 2005 den Friedrich-Glauser-Preis für «Hunkeler macht Sachen». Seine Figur Kommissär Peter Hunkeler, die autobiographische Züge trägt, erfreut sich grosser Beliebtheit; die Krimis tauchen bis heute regelmässig in den Bestsellerlisten auf. In der Verfilmung spielte der verstorbene Schauspieler Mathias Gnädinger die Titelrolle. 

Für einen «Skandal» sorgte 1981 seine Verfilmung des erotischen Dialektschauspiels «Sennentuntschi», die zu später Stunde im Schweizer Fernsehen gezeigt wurde. Darin fügen drei Sennen im sexuellen Notstand aus einer Weinflasche, Mistgabeln, Stroh und Käse das «Sennentuntschi» zusammen und verlustieren sich mit der selbst gebastelten Strohpuppe. Für Schneider resultierte eine Klage wegen Gotteslästerung. Das beliebte Stück steht noch heute immer wieder auf dem Spielplan verschiedener Theater.

Die Hälfte des Jahres verbringt Schneider jeweils in Todtnau im Schwarzwald. Seinen Lebensmittelpunkt hat «das Kind der Aare» seit den 50er-Jahren allerdings am Rhein, in Basel. Und nun kehrt Hansjörg Schneider für eine Lesung in «seinen» Kanton Aargau zurück. Eine Gelegenheit, die man nicht verpassen sollte!

 

Lesung mit Hansjörg Schneider
Mittwoch, 24. Oktober, 20 Uhr
«Weisser Wind», Saal im 1. Stock, 
Freienwil, Eintritt frei; Kollekte

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