Kellermeister aus Leidenschaft

Über vierzig Jahre war Marcel Biland als Kellermeister der Weinbaugenossenschaft Birmenstorf tätig. Nun wurde er feierlich verabschiedet.

Marcel Biland und seine Frau Esther mit dem ihm überreichten Wein «Birmenstorfer», «Selection Caviste – Marcel Biland»
Marcel Biland und seine Frau Esther mit dem ihm überreichten Wein «Birmenstorfer», «Selection Caviste – Marcel Biland» (Bild: pg)

von
Peter Graf

03. November 2018
09:00

Die wichtigste Aufgabe eines Kellermeisters besteht darin, aus dem angelieferten Traubengut der über fünfzig Mitglieder der Weinbaugenossenschaft Birmenstorf ausgezeichnete Weine herzustellen. Für Marcel Biland war diese anspruchsvolle Tätigkeit nicht Beruf, sondern Berufung. Die Kunst, hervorragende Weine hervorzubringen, wie dies Biland gelang, beginnt bei der Annahme und Auswahl des Traubengutes und reicht über die sorgfältige Kelterung, die Führung und Kontrolle der Gärung bis hin zum behutsamen Ausbau, zur Filtrierung oder Stabilisierung des abzufüllenden Weines. Gleichzeitig war er auch für die Qualitätsoptimierung zuständig und fungierte als Produktions- und Betriebsleiter. 

Marcel Biland, der hauptberuflich bei der Axpo als Schichtleiter im Kernkraftwerk Beznau angestellt war, konnte seine vielfältigen Aufgaben als Kellermeister nur in der Freizeit und an Wochenenden wahrnehmen. Für ihn war der «Birmenstorfer» jedoch eine Herzenssache, und so war er nicht selten auf die Mithilfe seiner Frau Esther, der beiden Söhne sowie bereitwilligen Winzerinnen und Winzer angewiesen, wofür er sich bei allen bedankte.

 

Verdiente Wertschätzung

Zum Apéro im Trottenstübli der Kellerei hatten sich nebst Vorstand, Winzerinnen und Winzern der Weinbaugenossenschaft auch Kellermeister und Weinproduzenten umliegender Gemeinden eingefunden. Die Wertschätzung wurde Biland aber auch durch Roland Michel, Wettingen, Präsident des Branchenverbandes Aargauer Weine, entgegengebracht. 

Ein guter Wein hat seinen Ursprung immer in einem gepflegten Rebberg und in gesunden, vollreifen Trauben. Heute fusst der Weinbau zu nahezu 100 Prozent auf der naturnahen umweltschonenden Integrierten Produktion. Es sind Gegensätze, welche die Vielfalt prägen. Es sind auch die äus­seren Gegebenheiten, Lage, Klima und Bodenbeschaffenheit, durch welche eine immense Weinpalette entsteht. In Birmenstorf, so Präsident Eugen Zehnder, hat man den Anbau auf fünf Sorten beschränkt. Abgefüllt wird der edle Rebensaft in über zwanzig unterschiedliche Gebinde. 

 

Nachfolge ist geregelt

Sowohl Eugen Zehnder als auch Thomas Slavicek attestierten dem scheidenden Kellermeister eine hohe Fachkompetenz und eine über all die Jahre gewissenhaft ausgeführte Arbeit. In Gedanken, so Zehnder, habe Biland die Weine rund um die Uhr gepflegt, wobei er auch den die Flaschen zierenden Etiketten stets grösste Aufmerksamkeit schenkte. Mit berechtigtem Stolz blickt Biland aber auch auf die Beschaffung der notwendigen Infrastruktur in den Kellereiräumen zurück, welche nun unter seiner versierten Nachfolgerin, Alice Wiederkehr, zum Einsatz kommen. Zusammen mit Marcel Biland hat sie die bereits abgeschlossene Traubenernte betraut. Über all die Jahre hat Biland über 2,5 Millionen Liter Wein gekeltert. Dabei durfte er zahlreiche Auszeichnungen und Medaillen entgegennehmen. 

In seinem Namen bedankte sich seine Gattin Esther noch vor dem feinen Nachtessen im «Adler», zu welchem sich auch die Genossenschaftsmitglieder eingefunden hatten, bei Winzerinnen, Winzern, Vorstand, Kunden und Lieferanten für das ihm über die Jahre entgegengebrachte Vertrauen. Eine eigens für Marcel Biland kreierte, mit dem Schriftzug «Selection Caviste – Marcel Biland» versehene Etikette, ziert die Flaschen des ihm überreichten «Birmenstorfer».

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