Klavierpfleger aus Leidenschaft

Heiko Lieckfeldt ist ein Klavierbaumeister mit Herz und Seele. Und ein Unternehmer durch und durch. Dies seit nunmehr zehn Jahren.

Experte für Filz, Saiten und Holz: Klavierbaumeister Heiko Lieckfeldt: (Bild: zVg)

08. September 2021
15:43

Wer sich unter Heiko Lieckfeldt einen zartbesaiteten Menschen vorstellt, hat daneben gegriffen. Der Klavierbauer, der mit seinem Unternehmen «Piano Support» im Frühjahr 2018 von Bad Zurzach ins Untersiggenthaler Stroppelareal gezogen ist, ist vor allem eines: ein versierter und vielbegabter Handwerker. Wo Not am Mann ist, packt er mit an, hilft mit beim Zügelservice von Privatklavieren, telefoniert mit Lieferanten und Kunden, stimmt, repariert und restauriert Klaviere. Er kennt sein Gebiet – und nimmt bei Vergleichen kein Blatt vor den Mund: «Klavierbau verhält sich ähnlich wie die Autobranche», sagt er. Da gebe es eine Vielzahl von kleinen, spezialisierten Firmen, die Einzelteile produzierten. Aus diesen entstehe dann erst das wohlklingende Ganze. «Wir sind damit abhängig von ganz vielen Herstellern», sagt Lieckfeldt. Eine Geige könne man vielleicht noch selbst bauen – «bei einem Klavier geht das nicht».


Spezialisiert auf Occasionen

Die romantische Vorstellung vom Klavierbau hat der Unternehmer längst abgelegt. «Zu Beginn wurden Klaviere in der Fabrik gebaut», erklärt er, «oft im Akkord». Erst später sei das Handwerk wieder individualisiert und verfeinert worden. Damals entstanden viele kleine Werkstätten wie Buger-Jakobi, oder
Sabel. «Heute gibt es in der Schweiz keinen Hersteller von Klavieren mehr», sagt Heiko Lieckfeldt. «Aber einen Service bieten viele ehemalige Werkstätten glücklicherweise noch an».

Zum Klavier kam Heiko Lieckfeldt, der im Hochschwarzwald aufgewachsen ist – «sehr abgelegen, mit langen, kalten Wintern» – erst mit 15 Jahren. Damals machte er eine Schnupperlehre in einer Klavierwerkstatt. «Wenn du danach diesen Beruf immer noch erlernen willst, kannst du das von uns aus machen», sagten seine Eltern. Er wollte – und bekam von seinen Eltern ein Klavier. Lieckfeldt hat es immer noch in seiner Werkstatt – «Marke Zimmermann, Modell 125, schwarzer Lack».

Die Zeit der Lehre hat der Klavierbauer in guter Erinerung. Später absolvierte er seine Ausbildungs- und Wanderjahre bei Bechstein und Schimmel. 2004 legte er in Ludwigsburg die Meisterprüfung ab – die es für Klavierbauer nur in Deutschland gibt – und baute sein erstes Klavier. «Wir hatten gerade mal zwei Wochen Zeit dafür», erinnert sich der 42-Jährige. Das Klavier steht immer noch bei ihm zuhause in Waldshut, wo er heute mit seiner Familie wohnt.

Später arbeitete Heiko Lieckfeldt im Stimmservice, war viel in der Schweiz unterwegs und baute einen grossen Kundenstamm auf. Und so kam 2011 der Zeitpunkt, an dem er mit «Piano Support» sein eigenes Unternehmen gründete. Dieses ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Aktuell betreibt der Klavierbaumeister nebst dem Hautptgeschäft in Untersiggenthal eine Filiale in Ostermundigen und beschäftigt insgesamt dreizehn Mitarbeitende. Für die nächsten Jahre macht sich der Unternehmer keine Sorgen. «Über mangelnde Nachfrage kann ich mich wirklich nicht beklagen», freut er sich. Und verrät auch gleich sein Erfolgsgeheimnis: Er betreibe einen professionellen Zügelservice für Klaviere. Der sei unglaublich gefragt und bringe sehr viele Neukunden ins Haus. «Haben wir ein Klavier gezügelt, steht sicher schon bald der erste Stimmservice an», lacht er. Da kämen viele Kundinnen und Kunden gerne auf seine Firma zurück.

Bis vor Kurzem war Heiko Lieckfeldt selbst beim Zügeln im Einsatz, aktuell ist er nebst der Beratung von Kunden auch zwei- bis dreimal pro Woche im Stimmservice eingeteilt. «Mir ist wichtig, dass ich handwerklich am Ball bleibe», sagt er. Schliesslich sei vieles Übungssache, und je mehr Klaviere man gesehen, gehört und gepflegt habe, desto reicher sei der Erfahrungsschatz. Dieser kommt dem Klavierbaumeister bei der Beratung zugute. Seine Firma «Piano Support» ist spezialisiert auf die Wiederherstellung und den Handel mit Occasionen. «Neue Instrumente verkaufe ich keine», sagt der Unternehmer.


Acht Konzerte zum Jubiläume

Ein eigentliches Lieblingsinstrument hat Heiko Lieckfeldt nicht. Aber an gewisse Klaviere erinnere er sich noch Jahre später, sagt er. Da war zum Beispiel jener kleine Flügel von Steinway, dem er schon recht früh in seiner Karriere begegnete: «Es gibt Instrumente, da stimmt einfach alles», schwärmt er. «So eine Klangqualität vergisst man nie mehr!» Der Musik widmet Lieckfeldt einen grossen Teil seiner Freizeit. Früher spielte er mal Klarinette – «die habe ich inzwischen ganz an den Nagel gehängt» – aktuell ist er als Kontrabassist und E-Bassist im Einsatz. «Und Klavierstunden nehme ich selbstverständlich weiterhin», schmunzelt er. Schliesslich gelte es auch da, das Handwerk stetig zu verfeinern.

Auch das 10-Jahr-Jubiläum seiner Firma widmet Lieckfeldt ganz der Musik. Insgesamt acht Konzerte veranstaltet er, allesamt mit hochkarätigen Musikern. Die Konzerte sind kostenlos. «Es ist mein Geschenk an meine Kunden und an die Bevölkerung.»

piano-support.ch

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