Kleiner Kasten mit grosser Wirkung

Über den Watt d’Or, den Energiepreis des Bundes, freut sich die IBB Energie AG. Am Flugplatz Birrfeld wurde das jetzt gefeiert.

Über die Watt d’Or-Trophäe, eine Schneekugel, freuen sich Lupfigs Gemeindeammann Richard Plüss (links) und Eugen Pfiffner, IBB-CEO (Bild: wag)

von
Hans Christof Wagner

05. Februar 2019
09:00

Es ist nur ein kleines, unscheinbares Kästchen aus Plastik, versteckt in einem elektrischen Schaltschrank auf dem Flugplatz-Gelände. Für den Laien unspektakulär, steckt doch jede Menge Innovation darin. Immerhin so viel, dass es das Bundesamt für Energie für würdig hielt, es mit dem Watt d’ Or 2019 in der Kategorie Energietechnologie auszuzeichnen. Im Januar nahmen Vertreter der IBB und des Unternehmens DEPsys aus dem Kanton Waadt, die gemeinsam «GridEye» entwickelt haben, die Trophäe in Bern entgegen. 

Immer mehr Sonnen- und Windstrom fliessen ins öffentliche Netz. Da diese aber nicht gleichmässig flies­sen, sondern wetterabhängig, kommt «GridEye» ins Spiel. Es hat ein Auge aufs Netz und hilft dabei, die immer grösseren Mengen an dezentraler und fluktuierender Energie intelligent zu regulieren. Im Beispiel von Birrfeld heisst das, dass die Strommengen von der 200-Kilowatt-Solaranlage auf dem Dach von Hangar 7 eingespeist werden. Diese ging 2013 in Betrieb. Doch schon bald stellte sich heraus, dass die lange Verbindung zur Trafostation über eine Distanz von 300 Metern problematisch ist. Immer wieder musste die Leistung der Photovoltaik-Anlage gedrosselt werden, um die Netzstabilität nicht zu gefährden. «Und das wollten wir natürlich nicht, das war nicht im Sinne des Erfinders», sagte bei der Feierstunde auf dem Flugplatz Philippe Ramuz, IBB-Geschäftsleiter Netz-Dienstleistungen – aus ökologischen Gründen, schliesslich soll kein Sonnenstrom verschwendet werden, und aus ökonomischen, weil die Anlage dann nicht mehr so viel an Ertrag abwirft.

 

Unternehmerischer Mut

Die IBB Energie sah sich um, doch auf dem Markt gab es kein System, das dafür eine Lösung geboten hätte. «Das von DEPsys entwickelte System gab es zwar schon, diente jedoch nur zur Analyse, nicht aber zur Steuerung», so Ramuz auf Nachfrage. Also schlossen sich die IBB und DEPsys zusammem und entwickelten «GridEye» zu diesem Zweck weiter. Rund 15'000 Franken habe IBB investiert, bis es im Juni 2017 auf dem Birrfeld installiert wurde. Für eine neue und kürzere Kabelverbindung hätte man Ramuz zufolge ein Vielfaches ausgeben müssen. Dank des kleinen grauen Kastens müsse jetzt die Sonnenstrom-Einspeisung nur sehr vereinzelt und gering heruntergefahren werden. Ramuz: «Der Verlust beschränkt sich auf etwa ein Prozent.»

Für den unternehmerischen Mut, «GridEye» zur Marktreife weiterentwickelt zu haben, ist die IBB jetzt mit dem Watt d’ Or ausgezeichnet worden. 2017 war «GridEye» auf dem Birrfeld der Pionier. Mittlerweile arbeitet Ramuz zufolge das System an mehreren Standorten in der Schweiz und im Ausland. 

Stolz auf den Erfolg zeigte Eugen Pfiffner, IBB-CEO. «In der Region passiert weit mehr, als das von aussen wahrgenommen wird», sagte er. Energieeffizienz sei in der Energiestrategie 2050 des Bundes nicht minder wichtig als die Produktion von umweltfreundlichem Strom. 

Lupfigs Gemeindeammann Richard Plüss lobte den unternehmerischen Mut, den die IBB mit der Entwicklung von «GridEye» bewiesen habe. Mit dem Werkhof der Gemeinde sei abermals ein Projekt mit der IBB in Vorbereitung – für Plüss ein neuerlicher Kandidat für den Watt d’Or kommender Jahre. 

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