Klosterstürme und Kulturkampf

In seinem Werk «Klosterfest» stellt Hubert Spörri aus Wettingen Themen wie «Klosteraufhebungen» und «Jesuitenverbot» erstmals in grösseren Zusammenhang. 

Hubert Spörri vor dem Kloster Wettingen (Bild: zVg/Die Botschaft)

von
Stefan Haller

26. März 2020
09:00

Hubert Spörri (76) hat seine vielseitigen Talente hauptsächlich von seinen Eltern mit in die Wiege bekommen. Seit dem zehnten Altersjahr durfte er im Orchester der von seinem Vater gegründeten Schola Cantorum Wettingen Cello spielen, in dem seine Mutter Konzertmeisterin war. Während seiner achtjährigen Gymnasialzeit lernte er die Messen und Oratorien der Wiener Klassiker kennen, sei es als Sänger im Studentenchor, als Cellist im Studentenorchester oder als Aushilfsdirigent. Sein Vater, der Wettinger Arzt, Musiker und Mäzen Oskar Spörri, schickte ihn schon während der Gymnasialzeit zu zahlreichen Musikpädagogen, bei denen er Unterricht in Harmonielehre, Kontrapunkt, Dirigiertechnik und Chorgesang erhielt. Bereits mit 19 Jahren übernahm er seinen ersten Kirchenchor. Beim Würenloser Kunstmaler Richard Benzoni erhielt er Malunterricht, und beim Wettinger Bildhauer Eduard Spörri erlernte er das plastische Modellieren. 

Daneben bildete er sich weiter an den Musikakademien von Zürich, Bregenz und Basel sowie an den Universitäten von Basel und Zürich. Die entscheidendsten Impulse vermittelte ihm der wohl bedeutendste schweizerische Chorpädagoge, Domkapellmeister Johannes Fuchs. Dieser stattete ihn mit dem nötigen Rüstzeug aus, sodass er bereits im Alter von 23 Jahren seine erste grosse musika­lische Feuertaufe bestand, mit dem Requiem von W. A. Mozart, das er im Andenken an seine früh verstorbenen Eltern dirigierte.

 

Tätigkeit als Lehrer

Während seiner Tätigkeit als Lehrer dirigierte er zahlreiche Kinder-, Jugend- und Männerchöre, vor allem aber gemischte Chöre und Kirchenchöre. Während dieser Zeit komponierte er lateinische und deutsche Messen und Messgesänge, ein Requiem, Solo- und Chorlieder sowie Kammermusik. Anfang 2010 erschienen seine «Variationen zum Diligam te Domine» (Melodie des Schweizerpsalms), für die ihm das Aargauer Kuratorium einen Unterstützungsbeitrag zugesprochen hat. 

 

Andenken an Alberik Zwyssig

Zum Andenken an den Komponisten des Schweizerpsalms, des Wettinger Mönchs P. Alberik Zwyssig, führte er 1982/83 aus Anlass des 175. Geburtstages des Schöpfers der schweizerischen Landeshymne zahlreiche Konzerte durch und spielte eine Schallplatte ein, ausschliesslich mit Werken von P. A. Zwyssig, ein bis dahin einmaliges Unterfangen. An Zwyssigs wichtigsten Lebensstationen Wettingen, Menzingen, Altdorf führte er eine Reihe von Konzerten durch.

Zur 950-Jahr-Feier der Gemeinde Wettingen (1995) stellte der vielseitig Begabte eine Reihe von eigenen Ölgemälden aus, die er während der letzten 20 Jahre gemalt hatte. Es handelte sich dabei um Darstellungen des alten Dorfes Wettingen und des Klosters Wettingen, von denen nur wenige Ölbilder bestehen. In Zusammenarbeit mit dem Historiker Anton Kottmann  rekonstruierte er viele Wappentafeln von alten Gebäuden, die teilweise stark verwittert waren, so etwa jene der «Roten Trotte» (15. Jh.) oder der «Neuen Trotte» (1783) in Wettingen.

 

«Chrutstürzler» und «Halbrote»

In seinem nun erschienenen Historienroman «Klosterfest 2027» stellt der Autor verschiedene Themenbereiche, darunter «Klosteraufhebungen» und «Jesuitenverbot» erstmals in einen grösseren historischen Zusammenhang. Beginnend mit der Vertreibung der Novizinnen aus dem Kloster Seedorf im Jahre 1798 finden die spannend erzählten Geschichten ihre Fortsetzung in den Streitereien zwischen «Chrutstürzlern» und «Halbroten», den Konservativen also und den Liberalen, schliesslich in den Aufhebungen der Aargauischen Klöster, die noch nie so anschaulich beschrieben wurden wie im vorliegenden Buch. Die dramatischen Ereignisse vor der Entstehung des schweizerischen Bundesstaates (1848), die Suche der ausgewiesenen Mönche nach neuen Klöstern finden in «Klosterfest 2027» ebenso Erwähnung wie die erneute Aufhebung des neukonstituierten Klosters Wettingen-Mehrerau durch die Nazis im Jahre 1941. 

 

Blick in die Zukunft

Der Autor wirft auch einen Blick in die Zukunft und träumt von einem grossartigen Klosterjubiläum im Jahre 2027 (800 Jahre Kloster Wettingen), in dessen Verlauf es zu einer fiktiven Talkshow mit Vertretern des 18. bis 21. Jahrhunderts kommt. Ein streng geheim gehaltener «special guest» beehrt die Runde.

Das Buch kann über gemeindekanzlei@oberrohrdorf.ch oder hubertspoerri@hotmail.com oder bei Bücher Doppler, Baden, bestellt werden. Anlässlich der Vernissage vom 1. April in der Zähnteschüür von Oberrohrdorf hätte der Historiker und Schriftsteller Pirmin Meier das Werk gewürdigt. Der Anlass musste aber aufgrund der Pandemielage abgesagt werden.

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