Koch Clive Hupf hat neue Pläne

Clive Hupf, Inhaber des Badener Restaurants Fjord, bekochte schon Joe Cocker und kennt das «Who is who» der internationalen Showszene.

Er kennt sie alle: Clive Hupf vor der Posterwand im Fjord. (Bild:ub)

13. Oktober 2021
16:55

Es ist ruhig im Restaurant Fjord neben dem Nordportal. Zu ruhig für Koch Clive Hupf. Die Stammkundschaft von umliegenden Firmen wie Alstom und ABB fehlt. «Viele sind wegen Corona noch im Home-Office», sagt der 59-jährige Koch. Zurzeit müsse er rote Zahlen schreiben. Weil sein Küchenchef vor der Sommerpause gekündigt hatte, wollte der 59-Jährige einspringen, bis er jemand Neuen gefunden hatte. Doch dann kam die Pandemie, alles lag lahm. Clive Hupf führt den Laden deshalb vorderhand fast im Alleingang. Wenn es zwischendurch mehr Betrieb gibt, hilft Sohn Tim mit.


Er bekochte die grössten Stars
Sechzehn Jahre lang war Hupf federführend bei der Nordportal-Pächterin Kailua GmbH und baute sich in dieser Zeit ein riesiges Netzwerk in der Musikbranche auf. Auf der kleinen Bühne im «Fjord» erlebte er die ersten Auftritte von Seven, der im Februar sein achtes Konzert auf der grossen Bühne im Nordportal gibt. Bligg probte oft Auftritte in Baden, bevor er auf ausgedehnte Tournee ging. Zu Adrian Stern hat Hupf einen besonders freundschaftlichen Kontakt. «Seine Frau Mylen arbeitete bei mir im Service, als sich die beiden kennenlernten», erinnert sich Hupf und muss schmunzeln.

Die Wände des Fjords sind vollgepflastert mit Plakaten von Prominenten, die schon bei ihm zu Gast waren. Steffe la Cheffe, Philipp Fankhauser, Candy Dulfer, Maceo Parker… Praktisch alles, was Rang und Namen hat, machte im Nordportal seine Aufwartung. Ein Höhepunkt dabei war es jeweils, von Clive Hupf und seinem Team im «Fjord» bekocht zu werden. «Trauffer spielte seine ersten Konzerte bei mir im Restaurant vor zwanzig Leuten. Jetzt füllt er mit Göla das Letzigrund-Stadion», bekundet Hupf, der gebürtiger Zürcher ist und seit über zwanzig Jahren in Siggenthal-Station  lebt. Durch Kürzungen des Kulturbudgets für das Nordportal hat sich die Szene verändert. Konzerte stehen zwar immer noch auf dem Programm. Dazwischen finden aber immer mehr Partys für Jugendliche statt, die finanziell einträglicher sind. «Das ganz junge Volk kommt gegen Mitternacht bei uns an, tankt sich voll und feiert zum DJ-Sound bis morgens. Das ist nicht mehr meine Welt», meint Hupf ernüchtert.

2019 hat er sich aus der Kailua GmbH zurückgezogen und ist jetzt ausschliesslich für das «Fjord» verantwortlich. Neu für die Geschicke des Nordportals zuständig ist seither Maik Strassl. Weil wegen Corona viele Konzerte mehrmals verschoben werden mussten, stehen aber immer noch viele Acts auf dem Programm, die Hupf initiiert hat. Wie zum Beispiel Seven, der dem Nordportal am 10. Februar 2022 seine Aufwartung macht.

Doch Hupf hat neue Pläne. Noch vor Corona hat er das Einmann-Unternehmen «Food, Music and Fun» gegründet. Auf dem Plan stehen spezielle Konzerte an ungewöhnlichen Orten. Dank seines reichen Beziehungsnetzes ist er bereits mit vielen Künstlern in Kontakt. Doch alles steht erst am Anfang. Deshalb gibt er sich bedeckt und verrät noch nichts Konkretes. Nur so viel ist aus ihm herauszubringen: «Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig».


Für seine Cordonbleus kommen Gäste von weit her
Clive Hupf strahlt eine Ruhe aus, die es im hektischen Veranstaltungsbusiness braucht. Die Nerven verliere er nie – auch wenn er innerlich manchmal schon etwas angespannt sei, wie er gesteht. Vor seiner Nordportal-Zeit führte er fünf Jahre das Restaurant im Schiffbau des Schauspielhauses Zürich und arbeitete eng mit dem legendären Konzertlokal Moods zusammen. Er kochte für Joe Cocker und seine Crew, als diese dort ein Showcase für das Radio aufnahmen, und richtete ein Catering für tausend Leute an zur Bundesratsfeier von Moritz Leuenberger. Statt auf Nouvelle Cuisine setzte Hupf immer auf gutbürgerliche Küche: Ghackets mit Hörnli, Älplermagronen, ein feines Risotto. Die verwöhnte Klientel liebte seine währschaften Kreationen. Für seine Cordonbleus, die er bis heute im «Fjord» serviert, kommen die Gäste von weit her.


Filet für Muhammed Ali
Seine Karriere als Koch hat Clive Hupf in Zürich angefangen. Zwei Jahre arbeitete er als Jungkoch unter der Küchenchef-Legende Paul Spuhler im «Dolder Grand». Die Stones waren während seiner Lernjahre zu Gast. «Einmal durfte ich das Filet für Boxlegende Muhammad Ali aufschneiden», erinnert er sich. Dann kam er für zwei Sommersaisons ins «Montreux Palace». Der Betrieb war damals Hauptsponsor des Jazzfestivals. «Dort entdeckte ich meine Liebe zur Musik», erzählt er. Sein absolutes Idol war Prince. «Ich habe ihn mindestens zwanzig Mal live gesehen.» Kochen konnte er leider nie für ihn. Dieser Traum blieb unerfüllt. Allüren hat Clive Hupf bei all den Stars, die er persönlich kennenlernte, kaum erlebt. «Sie erwiesen sich eigentlich alle als sehr bescheiden. Etwas schwieriger führten sich oft ihre Tourmanager auf.» Hupf ist geschieden, hat zwei Katzen und macht privat auch Musik. Er spielt Gitarre, Bass und Keyboard. «Etwas herumklimpern aus Spass», nennt er seine Aktivitäten. Ambitionen für die Bühne hatte er nie. Dafür gibt es zu viele legendäre Vorbilder, die er hautnah erlebt hat.

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