Kontroverse um Langmatt-Hof

Der Einwohnerrat muss bei der Nutzungsplanung punktuell nochmals über die Bücher. Besonders umstritten ist die Zonierung in der Langmatt.

Die Parzelle im Vordergrund soll zur dreigeschossigen Wohnzone mit Gestaltungsplanpflicht werden, das Hofgebäude und das Land westlich des Feldwegs soll laut Stadtrat in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen verbleiben. (Bild: sha)

19. Januar 2022
14:07

Speziell kontrovers diskutiert wird bereits im Vorfeld der morgigen Einwohnerratssitzung die Zonierung in der Langmatt in Lauffohr. Heute befinden sich die beiden Parzellen 4092 und 5514 in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen (OeBA), wobei die Abparzellierung der Parzelle 5514 rund um das bestehende Hofgebäude der Familie Eggenberger-Finsterwald erst 2018 erfolgte. Mit der revidierten Nutzungsplanung ist die Umzonung der östlichen Arealhälfte in die dreigeschossige Wohnzone mit Gestaltungsplanpflicht vorgesehen. Der westliche, an die OeBA der Schulanlagen Au/Erle und Langmatt angrenzende Teil soll nach dem Willen des Stadrats als langfristige Reserve für schulische Nutzungen in der OeBA erhalten bleiben. Somit würde auch das bestehende Hofgebäude in der OeBA-Zone verbleiben.

Diese geplante Umzonung wurde vom Einwohnerrat in der Vergangenheit mit diversen Rückweisungsanträgen infrage gestellt. Im Rahmen der Diskussion wurden Zweifel geäussert, dass im betroffenen Gebiet in den nächsten Jahren ein Schulhaus benötigt werde. Die Parzellen seien deswegen gesamthaft in die W3 mit GP-Pflicht umzuzonen.


Stadtrat will genügend Reserven in der OeBA-Zone
Dem Stadtrat ist es aber gemäss dem Planungsbericht der Metron ein Anliegen, für öffentliche Nutzungen langfristig genügend Reserven in Zonen für öffentliche Bauten und Anlagen sicherzustellen. In Lauffohr bestehen grössere Baulandreserven. Mittel- bis langfristig sei in diesem Stadtteil daher mit einer markanten Zunahme der Einwohner- respektive Schülerzahlen zu rechnen. Deswegen erachtet die Brugger Exekutive das Sichern einer langfristigen Reserve in der OeBA-Zone, angrenzend an die bestehende Schulanlage, als zweckmässig.


FDP stimmt zu
Unterstützung erhält der Stadtrat von der grössten Fraktion. Diese schreibt: «Die FDP folgt dem Vorschlag des Stadtrats zur Nutzungsplanung Siedlung und Kulturland mit Bau- und Nutzungsordnung sowie Bauzonen- und Kulturlandplan. Dabei geht es unter anderem um zwei Grundstücke an der Zurzacherstrasse 151.»


Widerstand von SVP und EVP
Am meisten Gegenwind kommt vonseiten einer unerwarteten Allianz: Die SVP und die EVP wehren sich in einem Communiqué gegen das stadträtliche Ansinnen in der Langmatt. Unter dem Titel «SVP und EVP gewichten Menschlichkeit höher als die Durchsetzung sturer Reglementierungen» setzen sich diese beiden Parteien «gemeinsam für die Familie Eggenberger in Lauffohr ein, welcher der Verlust ihres geliebten Bauernhofs droht.» Die beiden Parteien bringen der Absicht des Stadtrats, den Bauernhof der Familie Eggenberger in der Zone für öffentliche Bauten zu belassen, kein Verständnis entgegen. Sie schreiben: «Ihr Hof könnte wegen übergeordneter Interessen der Stadt jederzeit enteignet werden. Und keine Bank wird einen Kredit gewähren, wenn die Familie ihre sanierungsbedürftigen Gebäude renovieren will.» Die Forderung von SVP und EVP: «Der Bauernhof Eggenberger soll zur Wohnzone werden, damit seine Existenz auch in Zukunft gesichert ist.»


Hofgebäude galt früher als «erhaltenswerter Zeitzeuge»
Der Einwohnerrat habe am 22. November 2019 die in der revidierten Nutzungsplanung vorgesehene Zonierung der Parzellen 5514 und 4092 mit grossem Mehr (34 zu 9 Stimmen) abgelehnt. Er beauftragte den Stadtrat, die Zonierung dieser beiden Parzellen nochmals zu überprüfen. SVP und EVP verstehen die Reaktion des Stadtrats auf diese Rückweisung nicht: «Er legt nun, zwei Jahre später, dem Einwohnerrat exakt den gleichen Antrag zur Abstimmung vor. Offenbar will er lieber unbebautes und nicht erschlossenes als bereits bewohntes Land in eine W3-Zone umzonen. Die SVP und die EVP sind enttäuscht und bedrückt, dass der Stadtrat und Teile des Einwohnerrats den Zerfall und eine mögliche Enteignung des Wohnhauses der Familie Eggenberger in Kauf nimmt.» Kritisiert werden die Einschränkungen für die Besitzerfamilie: «Elsbeth und Ernst Eggenberger sind nun schon über siebzig Jahre alt und müssen immer noch ein Plumpsklo ausserhalb des Hauses benützen, dies zu jeder Tages- und Nachtzeit. Das Haus verfügt lediglich über eine Holzheizung; an einem Wintermorgen steigt die Temperatur kaum über 9 Grad. Das Haus ist dringend sanierungsbedürftig. Aber dies ist nur mit einer Umzonung möglich. Das Schicksal der Familie Eggenberger liegt also in den Händen der Stadtbehörden. Dieser Familie nützen schöne Bepflanzungspläne, Ausnützungsziffern und Verdichtungsideologien auf Hochglanzpapier nichts. Sie braucht unbürokratische Hilfe – und die richtige Entscheidung des Einwohnerrats», so SVP und EVP in ihrer Mitteilung.

Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil das Hofgebäude in der Langmatt in einer früheren Entwicklungsstudie im Auftrag der Stadt noch als «erhaltenswerter Zeitzeuge» bezeichnet worden sei.


Einwohnerratssitzung Brugg
Freitag, 21. Januar, 19.30 Uhr, Campussaal

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