«Lädelisterben» geht weiter

Mit Karl Bergers Maxi schliesst im Westquartier der letzte richtige Quartierladen in Brugg mit langer Tradition. Am 26. Oktober öffnet das Lebensmittelgeschäft zum letzten Mal, doch ein Nachfolger ist bereits gefunden.

Karl Berger führt seit 1980 das Lebensmittelgeschäft an der Badstrasse
Karl Berger führt seit 1980 das Lebensmittelgeschäft an der Badstrasse (Bild: sha)

von
Stefan Haller

11. Oktober 2018
09:00

Am 1. Oktober 1980 hatten Karl und Theresia Berger den Laden im Erdgeschoss des Hochhauses an der Badstrasse 31 übernommen. Die Produktelieferanten-Namen Usego, Primo und zuletzt Maxi wechselten, aber eines blieb gleich: die persönliche Beratung von Karl Berger und seinem Team, welche die Kundschaft sehr schätzte. Zu besten Zeiten habe er zwei festangestellte Verkäuferinnen und drei Aushilfen beschäftigt und in 38 Jahren mehrere Lehrlinge und Lehrtöchter zu Detailhandelsangestellten ausgebildet, erzählt Berger.

Die meisten Mitarbeiterinnen konnte Karl Berger zuletzt nicht mehr weiterbeschäftigen, «weil der Umsatz seit der Eurokrise vor etwa fünf Jahren konstant sank und sich auch nicht mehr erholte», wie er sagt. Er führt den Rückgang aber nicht nur auf Einkaufstourismus, sondern auch auf veränderte Einkaufsgewohnheiten zurück: «Manche Leute fahren halt lieber 45 Minuten in ein Einkaufszentrum, um dann dort viel zu viele Lebensmittel einzukaufen.» Nicht weniges davon lande dann womöglich später in der Mülltonne. «Die Lebensmittel haben heutzutage keinen Wert mehr», meint Berger bedauernd.

Sechs Jahre nach dem Start in Brugg übernahmen die Bergers auch das elterliche Geschäft, den Dorfladen im basellandschaftlichen Giebenach. Fortan pendelte Karl Berger täglich während vieler Jahre morgens nach Brugg und abends wieder heim. Diese enorme Arbeitsbelastung wurde ihm zuletzt zu gross, und er habe schon seit rund drei Jahren nach einem Nachfolger in Brugg gesucht.

 

«Sonneland»-Betreiber kommt 

Nun konnte dieser in der Person von Firat Cagan gefunden werden, welcher in Windisch den Tankstellen-Shop «Sonneland» führt. Nach einer Umbaupause, deren Dauer noch nicht bestimmt ist, will Firat Cagan den Laden an der Badstrasse 31 mit neuem Konzept wieder eröffnen. 

Aus erwähnten Gründen ist Karl Berger froh, sich auf den Laden in Giebenach konzentrieren zu können. «Im Moment überwiegt für mich deshalb klar das lachende gegenüber dem weinenden Auge, auch wenn ich meine Brugger Stammkundschaft vermissen werde.» Diese bedauern Bergers Abgang sehr: «Bei ihm wurde man immer mit Namen begrüsst, und man konnte einen Schwatz halten, so wie früher halt», erzählt ein trauriger Stammkunde.

Kommentare (1)

  1. Toni
    Toni vor 5 Tagen
    Wir gönnen es ihm und seiner Frau sehr. Er wird aber jedem hier fehlen, weil sein Laden ein Symbol für Brugg ist. Es ist der kleine Laden, um kleine Sachen einzukaufen. Alles Gute für die Zukunft!
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