Legospielen für Erwachsene

Während der Pandemie entdeckte Michel Knecht, Leiter Finanzen in Ehrendingen, das Legospielen. Nun geht er Probleme spielerisch an.

Michel Knecht mit einem seiner Konstrukte aus Legosteinen. (Bild: af)

13. Oktober 2021
19:01

Hauptberuflich ist Michel Knecht Leiter Finanzen in der Gemeinde Ehrendingen, daneben betätigt sich der 42-jährige gern als Lego Facilitator, eine Art Moderator für Lego-Workshops. Lego sind sehr vielseitig verwendbar im Arbeitsleben, als Teambildungsmassnahme, zur Ausarbeitung einer Strategie oder zur Verbesserung der Kommunikation. Dabei handelt es sich nicht einfach um ein planloses Spielen. «Erwachsene spielen nicht mit Lego, sie bauen Lego», wie Knecht mit einem Schmunzeln erklärt. Seine Workshops laufen so ab, dass sie mit einem vorgegebenen Legoset – das kleinste hat 56 Teilchen – zuerst eine kleine Einstiegsaufgabe bewältigen. Dabei muss beispielsweise eine Schildkröte nachgebaut werden. Es gibt kein richtig oder falsch. Danach wird, je nach Bedarf und Anlass, eine andere Aufgabe gestellt. Bei den Einsteiger-Workshops kann dies etwas Gewöhnliches sein wie «Baue dein ideales Einkaufserlebnis», im Berufsleben würde die Aufgabe vielleicht «Bau dein ideales Arbeitsumfeld» lauten.


Der Reiz des Tüftelns
Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt – mit dem kleinen Einsteigerset muss man bei derartigen Aufgaben umso abstrakter denken. Bei grösseren Sets, die rund 3000 Legosteine umfassen, kann man etwas direkter vorgehen. Allerdings hat man dafür nur etwa fünf Minuten Zeit. Gerade bei Workshops, die online stattfinden, ist schwierig einzuschätzen, wie weit die Teilnehmer in dieser Zeit kommen. Bei den Anlässen vor Ort kann Michel Knecht die Zeit flexibel ausweiten – falls er sieht, dass die Teilnehmer nicht ganz so weit sind. Nach dem Zusammenbauen kommt das Erzählen. Das bedeutet, jeder berichtet den anderen Teilnehmern, was er gebaut hat und welche Idee dahintersteckt.

Bei seinen Workshops beschränkt sich Michel Knecht nicht nur auf Lego. «Auch Duplo oder Playmobil kann man sinnvoll verwenden», so der passionierte Tüftler. Begeistert erzählt er von einem Workshop zum Thema Kommunikation: Zwei Personen, die mit dem Rücken zueinander standen, bekamen dabei sechs gleichförmige Duplosteine in verschiedenen Farben.Der eine erklärte dem anderen, wie er seine Duplosteine zusammengebaut hatte, sodass dieser das Konstrukt  nachbauen konnte. «In 99 Prozent der Fälle sehen die Gebilde anschliessend unterschiedlich aus», berichtet Knecht lachend.

Humor gehört bei den Workshops mit dazu. «Wir sind eine ‹Playful Community›, also eine verspielte Gemeinschaft», erklärt Michel Knecht. Im Zentrum stehe die Kreativität. «Es gibt von daher auch absolut kein Konkurrenzdenken zwischen Duplo, Lego und Playmobil», so der Workshop-Leiter. Er schwärmt von den Möglichkeiten, die all diese Bausteine mit sich bringen. Wer an den Workshops teilnehme, übe sich zudem im Angehen von Problemen. «Will man Probleme lösen, muss man offen dafür sein, auch neue Methoden anzuwenden», ist Michel Knecht überzeugt. Die Teilnahme an den Workshops erfordert ein aktives Mitmachen und Sich-Einbringen. Die Tatsache, dass es dabei kein Richtig oder Falsch gibt, wirkt dabei befreiend. So kann jeder auf seine Art die für ihn bestmögliche Lösung finden.

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