Leidenschaft für edle Rebensäfte

Im Höfli des Altstadthauses «Zum Roten Bären» feierte man bei Jugendfestwurst, Brot und Wein die erfreuliche Entwicklung der Confrérie.

Confrérie-Stammtisch für heitere Tafelrunden. (Bild: zVg)

von
Trentin, Valentin

07. Juli 2021
13:37

Eigentlich hätte 2019 eine Jubiläumsfeier das lebendige Fortbestehen dieser Weinbruderschaft für die Region Brugg gefeiert werden sollen. Da aber die Confrères sich am Stadtfest intensiv engagiert hatten, beschloss man, den Anlass im Jahr 2020 nachzuholen. Die Corona-Pandemie machte dann auch diese Absicht zunichte.

Erst am 1. Juli 2021 feierte man im Rahmen eines bescheidenen Rutenzug-Apéros im Höfli des Brugger Altstadthauses «Zum Roten Bären» bei Jugendfestwurst, Brot und Wein die erfreuliche Entwicklung der Confrérie. Man erinnerte an die Entstehungsgeschichte dieser ideologisch, soziologisch und politisch neutralen Vereinigung von Weinliebhabern, die sich der Pflege von Freundschaft und Weinkultur widmen. Gegenwärtig zählt sie 29 Mitglieder.


Etwas zur Geschichte

Wie und wo ist die Idee zu dieser Weinbruderschaft geboren worden? Sie ist 1988 in Bad Wildungen anlässlich eines Clubtreffens im Zustand entspannter Seligkeit geboren und daselbst mit folgenden Worten in bestem Küchenlatein verewigt worden: «Nos ibi adsentes confirmaturi sumus: Primo membro sociae-tatis culturae lingue pallatum que in materia vinorum delectantorum hominem ingenium.» Zu Deutsch etwa: «Wir sind hier versammelt, um zu bezeugen: Wir sind die edlen (anständigen oder auserlesenen) Gründungsmitglieder einer Gesellschaft zur Pflege des Gaumens und der Zunge (ev. Sprache) in der Angelegenheit oder Sache des Weingenusses.»

Schon bald machten sich die Initianten auf die Suche nach weiteren Mitgliedern, was nicht schwierig war. Man war sehr gerne bereit, in dieser frohen Runde mitzuwirken. Baufachleute liessen dann im angemieteten Gewölbekeller des «Roten Bären» Küche, WC und die Weingestelle einrichten, welche den Confrères zur Aufbewahrung ihrer Schätze offeriert werden. Ein massiver Tisch für heitere Tafelrunden vollendete die Inneneinrichtung. 1989 wurde dann dieser Bund als Verein gegründet; dies mit Statuten und einem geregelten Aufnahmeverfahren.


Wie wird man Confrère?

Bewerben kann man sich nicht. Potenzielle Mitglieder werden von einem Paten angefragt. Man bittet um ein kurzes Curriculum Vitae. Die Kandidatur wird dann an einer Generalversammlung besprochen und mit Drei-Viertel-Mehrheit beschlossen.

Lateinkenntnisse werden nicht vorausgesetzt. Man wünscht aber, dass man kein öder Langweiler, sondern ein Liebhaber edler Tropfen sei, dass man sich önologisch weiterbilden und die Weinkenntnisse vertiefen und verfeinern möchte. Betrachtet man übrigens die Berufe der Mitglieder, so entdeckt man vom Apotheker bis zum Zahnarzt, vom Banker über den Stadtrat bis zum Unternehmer lauter Personen mit gut gefüllten Schulsäcken, was der Confrérie den unberechtigten Ruf einer etwas elitären Vereinigung eingebracht hat.


Was erwartet man von einem Confrère?

Natürlich ist es der Gesellschaft sehr zuträglich, wenn man neben der Affinität zu Weinen auch nicht abgeneigt ist, mit intelligentem Humor und Sinn für die schönen Dinge dieser Welt ein paar vergnügliche Stunden mit den Confrères zu gestalten. Man ist eben nicht bloss ein Verein, der dem Mitglied nur eine Lagerstätte in einem klimagerechten Weinkeller für seine Preziosen anbietet, sondern man will auch eine Stätte der Freude und Ausgelassenheit sein.

Die finanziellen Verpflichtungen bestehen in einer einmaligen Eintrittsgebühr à fonds perdu, welche das Anrecht auf die freie Nutzung eines zugewiesenen Regalsektors und des Kellers für private Feiern garantiert. Zudem wird ein Jahresbeitrag erhoben, der primär für die Kellermiete und Feste verwendet wird. Ein vierköpfiger Vorstand leitet die Geschicke dieses Freundschaftsbundes.


Was wird geboten?

Einmal im Monat begegnet man sich zu den sogenannten Mittwochstreffs. Da werden von einem oder auch zwei Mitgliedern zum Apéro ein Weisswein und zu einem frugalen Mal drei bis vier Rotweine vorgestellt, verkostet und lebhaft beurteilt. Dabei macht man die nicht erstaunliche Erfahrung, dass nicht unbedingt die teuersten Weine auch die besten sein müssen. Vor allem nach Blinddegustationen hat es sich schon ergeben, dass ein roter Österreicher durchaus an einen edlen Bordeaux heranreichen kann.

Obschon primär ein Männerclub, sind jeweilen auch Veranstaltungen mit den Partnerinnen geplant. Sei es, dass man ein regionales Rebbaugebiet besucht und sich über einheimisches Schaffen aufklären lässt. Damit verbunden ist zumeist im Herbst ein reichhaltiges Souper mit einer fachkundig betreuten Weindegustation. Oder man ist zum Beispiel wie 2019 nach Bordeaux gereist und hat das Gebiet um St. Emilion erkundet und sich von den Produzenten beraten lassen. Einmal im Jahr geniesst man mit den Partnerinnen das sogenannte Höflifest unter Reben im Hinterhof (Höfli) des «Roten Bären».

Alles in allem: Die «Confrérie des Connaisseurs du Vin de Brugg» hat keine Nachwuchsprobleme. Sie gedeiht, so wie alle Jahre die Trauben für edle Weine gediehen sind und später von den Confrères auch gutgelaunt genossen werden.

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