Leset wird verspätet beginnen

Gegen vierzig Interessierte begaben sich letztes Wochenende ins Rebbaugebiet der grössten Rebbaugemeinde im Kanton Aargau.

Fritz Roth (Präsident der Reb- und Weinfreunde, links) hört dem Weinsensoriker Hansruedi Böni aufmerksam zu. (Bild: ci)

18. August 2021
21:53

Im Aargau gibt es um 600 Winzer, die knapp 400 Hektaren Reben bewirtschaften. Über 10 Prozent der Rebfläche nämlich 46 Hektaren befinden sich auf dem Gemeindegebiet von Schinznach. Der Dorfteil Schinznach-Dorf trägt 29 Hektaren und Oberflachs 17 Hektaren dazu bei.

Der Verein Reb- und Weinfreunde Schinznach will mit Veranstaltungen, Exkursionen und Rebbegehungen zur Förderung des Weinbaus beitragen. Der jährliche Degustationsabend findet immer in den Räumlichkeiten der Weinbaugenossenschaft statt. Unter dem neuen Präsidenten Fritz Roth beschloss der Vorstand, eine Degustationsreise durch das Rebgebiet zu veranstalten. Dazu lud er die 143 Mitglieder zu einem Rebumgang ein. Mitten im Rebgebiet konnte bei sieben Posten Wein degustiert werden. Als Postenchefs amteten die Eigentümer der ausgewählten Parzellen. Diese erklärten den Zustand der Reben. Generell wurden Hagelschäden bedauert. Man konnte die Richtung des Hagels genau bestimmen. Auf einer Seite der Rebenreihe gab es fast keine Traubenbeeren und auf der andern Seite war der Schaden wesentlich geringer. Glücklicherweise kam der Hagel schon im Juni, sodass sich gewisse Triebe noch ein wenig erholen können. Bei den hagelversicherten Parzellen (mit einem weissen Plakat gekennzeichnet) waren die Schätzer an der Arbeit gewesen und mussten Schäden von 30 bis 70 Prozent bestätigen. Für Hobbywinzer lohnt sich eine Hagelversicherung jedoch nicht. Der Leset kann voraussichtlich erst mit einer Verspätung von ungefähr drei Wochen begonnen werden. Besprochen wurde auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Mindestens zwei Mal muss man die Reben damit spritzen, wenn man die Mehltauschäden minimieren will. Dies gelte auch für die eigentlich resistenten, pilzwiderstandsfähigen (PiWi-)Rebsorten, bestätigte Weinexperte Hansruedi Böni die Aussagen der Winzer. Reblausschäden spielen heute keine Rolle mehr, weil praktisch alle Rebsorten Stämme der amerikanischen Wildrebe als Unterlagsreben haben, die resistent gegen die Reblaus ist.


Tipps vom Weinsensoriker

Weinsensoriker und Hobby-Winzer Hansruedi Böni aus Rheinfelden ergänzte die Produzentenausführungen mit weiteren Details. So erfuhr man den ursprünglichen Herkunftsort der angesprochenen Traubensorten. Er erklärte auch, dass die in Schinznach auf über 13 Hektaren angepflanzte Sorte Riesling-Silvaner an vielen Orten auch Müller-Thurgau oder Rivan genannt wird. Von der zweitwichtigsten gepflanzten Rebsorte Blauburgunder oder Pinot noir werden viele Klone angebaut. Die Ursorte kommt aus dem Burgund. Durch seinen Onkel ist Böni vom Weinbau begeistert worden. Er spürte, dass jeder Wein einen anderen Geruch hat und dass man die Sorten am Geruch erkennen kann. Er trainierte seine Nase. Es ist aber auch eine Gedächtnisfrage. Man muss das Gerochene zuordnen und abspeichern können. Mit seinem Wissen hatte er an Schweizer Meisterschaften teilgenommen. Mit jedem Jahr rückte er ein paar Ränge nach vorn. Seit 2006 werden diese Meisterschaften nicht mehr durchgeführt. Böni hat auch erkannt, dass die Nase älter und weniger sensibel wird. Mit der Erfahrung könne man aber gewisse Lücken kompensieren.

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