Liedermacherin auf Touren

Die Turgemerin Myri Mild steht kurz vor ihrer ersten Tournee. Mit «Troubadix auf Touren» tingelt die Artistin von Forum zu Forum.

Singt bald mit den «Troubadixen» auf dem Theaterplatz in Baden: die Liedermacherin Myri Mild. (Bild: aru)

23. September 2020
12:25

«Ich lass mich immer gerne überraschen», sagt Myri Mild – und strahlt. Die Liedermacherin sitzt im Licht der Herbstsonne auf dem Badener Theaterplatz und erzählt von ihrer Vorfreude auf die bevorstehende Tournee. Es ist ihre erste. Zusammen mit Börnie Flück, Fat Tiger, Gabriel Kramer, Irene Mazza und Sonja Wunderlin wird sie in der Formation «Troubadix auf Touren» vom 25. September bis zum 11. Oktober in insgesamt neun Ortschaften der Deutschschweiz auftreten. Die Tournee ist eine Hommage an die Kunst der Liedermacherei. «Wir servieren gemeinsam unsere musikalischen Perlen – auf den Marktplätzen mitten in der Stadt», sagt Myri Mild. Die Auftritte erfolgen vor dem Fahriété – einem charmanten Zirkuswagen mit Kleinstbühne. Eigentlich wollten die Künstler im Wagen spielen, aber aufgrund des Schutzkonzepts haben sie sich entschieden, die Bühne nach draussen zu öffnen. Das Publikum muss sich also trotz Zeltdach warm anziehen – und wird dafür mit feurigen Songs belohnt.


Spiel mit dem Feuer
Apropos Feuer: Auch in diesem Metier ist die aufgeweckte Myri Mild mit viel Leidenschaft unterwegs. Ihr Herz brennt seit einigen Jahren für die Flowartistik oder auch Feuerkunst, bei welcher Feuer- und LED-Pois, sogenannte Spinning-Bälle, im Einsatz sind. «Ich liebe dieses Spiel mit dem Feuer», sagt Myri Mild. Der Moment, in welchem der Kopf abhänge und der Körper die Führung in der Bewegung übernehme, sei ungemein faszinierend – «ein mega Flow». Dieses Gefühl sei ansteckend, so die Künstlerin schmunzelnd.

Im Flow ist Myri Mild auch, wenn sie Musik macht. «Dies ist allerdings ein sanfteres Erlebnis als bei der Artistik», erklärt sie. «Es ist dieser Moment, wenn ich am Texten bin und auf einmal merke: Jetzt passts.» Oder wenn sie merke, dass ein Song die Zuhörer berührt.

Zur Liedermacherei kam Myri Mild schon früh. Mit sieben Jahren begann sie mit Klavier. Der Unterricht machte ihr wenig Spass, und so brach sie ab und spielte fortan ohne Noten. Auch das Gitarrespielen brachte sie sich später selbst bei. Mit neun Jahren sah sie Mich Gerber mit seiner Loopstation auf der Bühne – ein inspirierendes Erlebnis, das sie nachhaltig prägte. Zuerst «wurstelte» sie «alleine vor sich hin» und komponierte Lied für Lied auf Mundart. Danach kamen Lieder in Englisch dazu – und der Austausch in der Gruppe. «Das Musizieren mit anderen ist für mich so etwas wie die Erfahrung einer Klangschale», meint Myri Mild. Es bereichere sie enorm.

 

 

Moderne Nomadin
Auch das Projekt «Troubadix auf Touren» ist Ausdruck davon. «Obwohl wir alles Individualisten sind, fügen wir uns optimal zusammen», erzählt die Liedermacherin. Die Tournee sei für sie ein Highlight. «Das Touren entspricht meinem Lebensgefühl», sagt Myri Mild und gibt zu, gerne unterwegs zu sein. Sie sei sehr oft umgezogen, berichtet die Thurgauerin, die in Wagenhausen am Rhein aufgewachsen ist und heute in Turgi wohnt.

In den Aargau kam sie 2013. «Bis dahin waren alle meine Umzüge von mir initiiert», sagt sie. «Hierher aber kam ich wegen des Jobs. Die 36-Jährige ist zu rund 70 Prozent als Arbeitsagogin im Bereich von Menschen mit Behinderung und in der Jugendarbeit tätig.


Performance aus Plastiknetzen
Da das Programm den Abend sprengen würde, singt jeder «Troubadix» bloss drei eigene Lieder. Die Wahl fiel Myri Mild schwer. «Barfuss» wird sie nicht singen, obwohl es ihr aktuelles Lieblingslied ist. Es handelt vom Leben im Moment, aber auch vom Spiel und Tanz mit dem Poi – und ist «ganz anders rausgekommen als gedacht». Sie komme zurzeit von Gitarre und grossen Texten etwas weg und experimentiere mehr mit Loopstation, Synthesizer und Klavier, so Myri Mild.  «Ich versuche, mit dem, was ist, mitzugehen», erklärt sie, «und mich beim Komponieren nicht drängen zu lassen». Dabei könne es schon mal vorkommen, dass ein Lied erst nach drei Jahren reif sei für die Bühne», weiss die Musikerin. So etwa der Song «Der verliebte Albatros», den sie am Aargauer Liedermacherfestival Troubadix singt, das am 1. November im Brugger Salzhaus sein 20-Jahr-Jubiläum feiert. Dabei wird Myri Mild auch eine Performance mit Plastiknetzen machen. Wie diese genau aussieht, weiss sie noch nicht. «Ich lasse mich einfach überraschen», sagt sie. Und strahlt.
 
Mittwoch, 30. September, 20 Uhr, Eisiplatz Brugg
Donnerstag, 1., und Freitag, 2. Oktober, 20 Uhr, Theaterplatz, Baden

www.troubadixauftouren.ch

 

War dieser Artikel lesenswert?

Wir setzen uns mit Herzblut und Know-how für gute Geschichten aus Ihrer Region ein. Wenn auch Sie hochwertigen Journalismus schätzen, können Sie uns spontan unterstützen. Wir danken Ihnen – und bleiben gerne für Sie am Ball.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Eine Maske wie keine andere

Seit 1927 stellt die Firma Künzli aus Windisch Schuhe her. Nun wurde man… Weiterlesen

Sein Ziel ist die Weltspitze

Motorradrennfahrer Jordan Bartucca (14) aus Endingen gehört zu den ganz grossen… Weiterlesen

region

Vom Eisbär bis zur Giraffe

Von Eisbären und Bisons bis hin zu Tigern und Löwen: Der Wettinger Walter Benz… Weiterlesen

region

«Wir sind das Gegenstück zu Grossbanken»

Die Integration der NAB in die CS hat den Konkurrenzkampf der Banken verschärft.… Weiterlesen

region

A wie Abwasser, Z wie Zubetonierung

An der Videopräsentation vom 14. Januar beantworteten die Stadt- und… Weiterlesen