Lindenmann im Visier der Bürgerlichen

Emotionaler Wahlkampf in Turgi: Madlon Lindenmann hat BVT-Präsident Robert Landis angezeigt, und ein Trio hat Wahlbeschwerde eingereicht.

Hat Anzeige erstattet: Madlon Lindenmann. (Bild: zVg)

15. September 2021
14:33

Der Inhalt des E-Mails, das am 31. August an rund fünfzig Personen versendet wurde, war brisant: Robert Landis, Präsident der Bürgerlichen Vereinigung Turgi (BVT), schreibt darin, dass die Wahl der parteilosen Madlon Lindenmann in den Gemeinderat verhindert werden müsse. Mit mehreren Beispielen begründet er dieses Anliegen. Unter anderem sei die Zusammenarbeit mit ihr als Stellenleiterin der Jugend- und Familienberatung Baden schwierig gewesen: «Frau Lindenmann ging nicht auf die Bedürfnisse der Gemeinde ein und hielt Versprechungen nicht ein». Deshalb sei ihr 2018 das Mandat entzogen worden, schreibt Landis und beendet sein Mail mit einer Aufforderung: «Ich bitte euch, diesen Inhalt in Gesprächen mit den Einwohnern zu verwenden, aber nicht schriftlich weiterzugeben.» Pech für Landis war, dass das Mail zur Betroffenen gelangte. Lindenmann reichte Anzeige wegen Rufschädigung bei der Kantonspolizei Baden ein.

Robert Landis wollte sich gegenüber der «Rundschau» mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht äussern. Lindenmann widerspricht den Vorwürfen. Zum einen habe sie damals nicht ein persönliches Mandat, sondern die JFB einen Vertrag mit der Gemeinde Turgi gehabt, der fristgerecht von der Gemeinde gekündigt wurde. Zum Verhältnis zur Verwaltung sagt Lindenmann: «Dieses war während meiner Zeit als Schulpflegepräsidentin sehr gut. Aber meine Doppelfunktion war schwierig. Dies bewog mich, aus der Schulpflege zurückzutreten.» In den Gemeindenachrichten vom 12. November 2018 steht dazu: «Der Gemeinderat bedauert die Demission ausserordentlich und dankt Madlon Lindenmann für ihr Engagement zum Wohl der Schule und Gemeinde.»


Die Wahlbeschwerde
Für die Gemeinde kommt es aber noch «dicker». Besagtes Mail war auch Anlass für Martin Christen (SP Turgi), Eva Eliassen (Grüne) und ­Otmar Ledergerber (IG Turgi), bei der Gemeindeabteilung des Departements Volkswirtschaft und Inneres (DVI) des Kantons Aargau eine Wahlbeschwerde einzureichen. Die drei Parteien unterstützen Lindenmanns Kandidatur. Das Mail sei ein «koordinierter Aufruf zur systematischen Verbreitung rufschädigender Inhalte», schreiben sie. Weiter geht es in der Beschwerde um eine eventuelle Verletzung des Amtsgeheimnisses, irreführende Verwendung des Gemeindewappens sowie eine Verletzung der gesetzlich vorgeschriebenen Neutralitätspflicht der Gemeindebehörden, «sich nicht in die politischen Auseinandersetzungen einzumischen». Damit ist gemeint, dass Adrian Schoop und Astrid Barben in ihren Funktionen als Gemeindeammann und Vizeammann potenzielle Kandidierende für das öffentlich propagierte «Team für Turgi» rekrutiert haben sollen.

Yvonne Reichlin, Leiterin der Gemeindeabteilung des Kantons Aargau, ­bestätigt den Eingang der Wahl­beschwerde. Diese habe keine aufschiebende Wirkung, doch werde eine Untersuchung durchgeführt. «Zeigt diese, dass die Wählenden nicht unbeeinflusst ihre Stimme abgeben konnten und das ­Ergebnis der Wahl verfälscht wurde, wird die Wahl aufgehoben und wiederholt.» Weitere Auskünfte könne sie aufgrund des laufenden Verfahrens nicht geben.

Wie auch immer: Schafft es Madlon Lindenmann, einen der drei vakanten Sitze von Daniel Frei, Daniel Lienammer und Markus Wälty ab 1. Januar 2022 im Turgemer Gemeinderat zu erobern, dann will sie sich mit voller Kraft für ihre Gemeinde einsetzen: «Jetzt erst recht!»

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