«Mailand 2026» als neues Ziel

Ramona Härdi wird die Olympischen Spiele in Peking wohl hauchdünn verpassen. Mit ihren sportlichen Leistungen ist sie dennoch zufrieden.

Ramona Härdi hat die Olympiaqualifikation trotz guter Form äusserst knapp verpasst. (Bild: zVg)

19. Januar 2022
14:59

Ramona Härdi ist guter Dinge, als der «General-Anzeiger» sie am Montagmorgen in einer Trainingspause im Leistungssportcenter im bayrischen Inzell an den Draht bekommt. Sie freut sich zu Recht: Denn die soeben beendeten Europameisterschaften sind der Eisschnellläuferin aus Möriken-Wildegg noch in bester Erinnerung. «Ich wurde Elfte im Massenstart, und über 3000 Meter belegte ich den fünfzehnten Rang», erzählt sie mit berechtigtem Stolz. «Dies war mein sportliches Highlight nach dem Weltcup», fährt sie fort.


Zwei Mal Schweizer Rekord über 3000 Meter
Leider zählten aber für das Qualifikationsverfahren der Olympischen Spiele nicht die EM-Resultate, sondern einzig das Abschneiden an den Weltcups im November und Dezember. Und dort war der Aargauer Spitzensportlerin das Glück nicht nur hold. Zu Beginn lief zwar sowohl am Weltcup in Tomaszow Mazowiecki (Polen) als auch in Nordamerika noch alles rund. Ja, es begann sogar hervorragend: Über 3000 Meter lief Ramona Härdi in Salt Lake City neuen Schweizer Rekord, und sie konnte diesen im darauffolgenden Weltcup-Event in Calgary (Kanada) sogar nochmals steigern! Aber um sich im Einzel über diese Distanz für Olympia 2022 zu qualifizieren, hätte es noch weit mehr gebraucht. «Das war von Anfang an nicht realistisch, da nur die besten zwanzig Läuferinnen der Weltrangliste in Peking über 3000 Meter laufen können», erzählt Härdi. Das machen in der Regel die Niederländerinnen, Norwegerinnen, Russinnen, Koreanerinnen und Chinesinnen unter sich aus. Dennoch freue sie sich sehr über die beiden neuen Landesrekorde.


0,2 Sekunden fehlten
Doch dann schlug die Pech-Hexe zu: Am Team-Event in Salt Lake City (USA) stürzte eine Schweizer Läuferin, und so konnte sich das Team nicht für Peking qualifizieren. Berechtigterweise am meisten Hoffnung für eine Olympiaqualifikation machte sich Ramona Härdi aber im Massenstart. Auf Geheiss der Trainer durfte sie nur in zwei von drei Massenstarts im Weltcup an den Start gehen. Und in Calgary fehlten ihr letztlich 0,2 Sekunden für die Finalqualifikation. «Hätte ich diese erreicht, wäre es ein Leichtes gewesen, im Final genügend Punkte zu sammeln für die Olympiaqualifikation», weiss die Mörikerin.

Wegen läppischer 0,2 Sekunden – entsprechend einem Wimpernschlag – das grosse Ziel der vergangenen vier Jahre zu verpassen, muss wohl sehr ärgerlich sein? «Ja mega, anfänglich habe ich enorm mit dem Schicksal gehadert», bestätigt Ramona Härdi. Und auch jetzt, da es in Richtung Abflug gegangen wäre, komme das ungute Gefühl wieder hoch, räumt sie ein. Denn alle Reisepapiere für den Flug ins Reich der Mitte hatte sie bereits erfolgreich eingereicht. Dies könnte sich zwar noch als Vorteil herausstellen. Eine kleine Chance bestünde noch für eine Nachnomination. Doch aller Voraussicht nach wird der Schweizer Verband in diesen Tagen die Eisschnellläuferinnen Kaitlyn McGregor sowie das Geschwisterpaar Nadja und Livio Wenger für Peking 2022 selektionieren.


«TV schauen wird schwierig»
So wird Ramona Härdi im Trainingszentrum Inzell auch während der Olympischen Spiele fleissig ihre Runden auf Kufen drehen, um sich weiter zu verbessern. Den TV-Übertragungen blickt sie mit gemischten Gefühlen entgegen. «Ich weiss, dass ich auf dem gleichen Level wie die beiden selektionierten Teamkolleginnen laufen kann. Umso schwieriger wird für mich das Zuschauen.» Auch deshalb, weil Ramona Härdi weiss, wie es funktioniert: Vor vier Jahren durfte sie die Schweizer Farben in Pyeongchang (Südkorea) vertreten und konnte damals wichtige Erfahrungen im Zeichen der Olympischen Ringe sammeln.


Fokus auf Mailand 2026
Die Mörikerin will sich von der hauchdünn verpassten Olympiateilnahme nicht beirren lassen und weiter hart trainieren. Ihr nächstes Ziel sind nun die Winterspiele in Mailand in vier Jahren. «Das wird für uns fast ein Heimspiel. Ich werde alles dafür geben, mich für Mailand 2026 zu qualifizieren», betont sie. Denn: «Dann werde ich erst 28 Jahre alt sein – also im besten Alter für meinen Sport», wie sie erklärt. Tatsächlich erbringe die Deutsche Claudia Pechstein noch im Alter von fast fünfzig Jahren Höchstleistungen im Eisschnelllauf. «So lange werde ich aber garantiert nicht aktiv Spitzensport betreiben», erklärt Ramona Härdi lachend. Dennoch ist sie überzeugt: «Ich bin auf dem richtigen Weg, das beweisen auch meine gelaufenen Zeiten, die sich stetig verbessern.»

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