«Man gibt der Stadt ein Gesicht»

Als erste Umikerin wirkt Barbara Horlacher als Brugger Einwohnerratspräsidentin. Ihr erstes Amtsjahr empfand sie als sehr bereichernd.

Brückenbauerin: Barbara Horlacher, Brugger Einwohnerratspräsidentin
Brückenbauerin: Barbara Horlacher, Brugger Einwohnerratspräsidentin (Bild: sha)

von
Stefan Haller

10. Februar 2017
03:00

Barbara Horlacher kommt soeben von einer militärischen Beförderungsfeier in der Stadtkirche Brugg. «Als Einwohnerratspräsidentin erhalte ich viele Einladungen zu offiziellen Anlässen, in die ich sonst kaum Einblick hätte. Die Repräsentationspflichten machen einen grossen Teil dieses Amtes aus», weiss sie nach über einem Jahr als «höchste Bruggerin». Wenn immer es geht, nimmt sie diese Einladungen auch an: «Die Leute schenken einem das Vertrauen als Einwohnerratspräsidentin, man vertritt die Stadt und gibt ihr ein Gesicht. Ich fühle mich ­dadurch geehrt.» Persönlich besonders berührte sie im vergangenen Jahr das Jubiläum des Kinderheims Brugg. Der Einblick in Institutionen und die vielen Begegnungen empfindet sie als bereichernd. Sie sei eine recht «gwundrige» Person und könne die Treffen mit der Bevölkerung der Region darum auch geniessen.


«Bin eher ein Kopf-Mensch»

Ebenfalls in bester Erinnerung ist ihr – wen wunderts – das Jugendfest. «Das Jugendfest ist in Brugg etwas wahnsinnig Schönes und Wichtiges.» An diesem Tag spielten sich Dinge ab, welche Gefühle auslösen, die man ­rational nicht so einfach erklären kann. Die Umikerin sagt: «Ich bin in vielem ein Kopfmensch, der mehrheitlich auf der Vernunftsebene handelt, sachlich denkt und wissen will, wie ­etwas funktioniert. Umso schöner sind für mich die Erlebnisse und ­Gefühlszustände des Jugendfestes, die eben nicht so einfach zu erklären sind.» Dies sei schon immer so gewesen: «Ich kann mich noch gut an meine erste Teilnahme am Jugendfest erinnern und wie erschöpft ich nach dem Feuerwerk und Heimzug nachhause gekommen bin», erinnert sie sich. Da sie in Unterbözberg aufgewachsen ist, erlebte sie ihr erstes Jugendfest erst mit zwölf Jahren, als sie die erste Bez in Brugg besuchte.


«Drehbuch für Sitzungen»

Ein weiterer wichtiger Teil des Präsidiums ist die Leitung der Einwohnerratssitzungen. «Ich nehme dies sehr ernst. Dies bin ich dem Rat schuldig», betont die 46-Jährige, «mir ist es wichtig, dass die Sitzungen fair ablaufen und alle die Möglichkeit erhalten, ihre Standpunkte darzulegen.» Sie fährt fort: «Die Ratskolleginnen und -kollegen ­gaben mir mit ihr Vertrauen, dafür bin ich ihnen dankbar. Ich glaube, ich konnte die Erwartungen im ersten Jahr ziemlich gut erfüllen. Dies hängt vor ­allem auch mit dem Engagement und der Disziplin des Rates zusammen.» Die Vorbereitung der Sitzungen, das Studium der Akten und Unterlagen ist aufwändig. Horlacher setzt sich inhaltlich mit jedem Geschäft intensiv auseinander («So entsteht schliesslich ein Drehbuch für jede Sitzung. Dank sorgfältiger Vorbereitung bleiben Über­raschungen in der Regel aus, werden doch Anträge oft im Voraus angekündigt. Als anspruchsvoll empfand die Ratspräsidentin letztes Jahr nicht etwa das gros­se Umbau- und Erweiterungsprojekt für das Stapferschulhaus («Für mich ein wichtiges und gutes Projekt»), sondern – für Aussen­stehende vielleicht etwas über­raschend – die Überarbeitung des Friedhofreglementes. Fast bei jedem einzelnen Paragrafen habe es viele individuelle Erklärungen gegeben. «Man spürte: Das ist ein sehr emotionales Thema, das jeden betrifft», meint Horlacher bilanzierend.


«Konsensfähig und lösungsorientiert»

Mit ihrem Beruf als Leiterin der Umweltabteilung des EuroAirport Basel-Mülhausen kann Horlacher ihr Amt bisher gut vereinbaren, wie sie selber festgestellt hat. Dort betreut sie in einem spannenden trinationalen Umfeld Abklärungen und Sitzungen, zum Beispiel betreffend Fluglärm. Zu ihren vier Mitarbeitenden zählen zwei Franzosen sowie je eine Schweizerin und eine Deutsche. «Der Job entspricht meinem Naturell, ich bin konsensfähig und lösungsorientiert.» Diese Charaktereigenschaften kann die Grünen-Politikerin nicht nur bei Verhandlungen mit der Bevölkerung der Flughafenanrainer-Gemeinden gebrauchen, sondern eben auch im Einwohnerrat Brugg. 

Manche Berufskenntnisse und –erfahrungen kommen ihr denn auch in der Politik zugute. «Mein beruflicher Hintergrund hilft mir bei gewissen Themen, über die im Einwohnerrat debattiert wird, bestimmt», glaubt sie. 


«Freue mich auf zweites Amtsjahr» 

«Ich freue mich auf das zweite Jahr als Einwohnerratspräsidentin», hält Barbara Horlacher fest. Der vielleicht einzige Wermutstropfen sei, dass man sich in diesem Amt beim politischen Diskurs zurückhalten muss. «Gerne würde ich mich ab 2018 wieder aktiv in die politische Diskussion einbringen. Stehen doch mit der Revision der Bau- und Nutzungsordnung, dem Zusammenschlussprojekt von Brugg und Schinznach-Bad oder der Diskussion um einen zentralen Verwaltungs­standort für die Stadt wichtige und spannende Themen an.» Ebenfalls dürfte sie dann wieder mehr Zeit finden für ihre Familie, Freunde, Vereins­tätigkeiten, gemeinsame Skitouren und Bikeausflüge. «Ich bin allen dankbar für ihr Verständnis, dass ich während zwei Jahren etwas zurückstecken musste und dass andere für mich in gewissen Bereichen eingesprungen sind.»

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Coop geht, Lidl kommt

Ende Juni hat der Grossver­teiler Coop nach 20 Jahren Präsenz im Shoppi Tivoli... Weiterlesen

«Der Beruf ist schön, aber das System hinkt»

Corinne Zurlinden (30) unterrichtete acht Jahre lang eine Mittelstufenklasse,... Weiterlesen

gemeinde

Repair Café Brugg-Windisch

Reparieren statt wegwerfen. Konkret etwas gegen den Ressourcenverschleiss tun. Weiterlesen

region

Sommervergnügen für die ganze Familie

Das Maislabyrinth am Lugibach, zwischen Wettingen und Würenlos, verspricht ein... Weiterlesen

blog

Der Blindgänger – Niels Walter

Er war jahrelang ein Phänomen – der «sehende Blinde». Sein Fall wurde in den... Weiterlesen