Mehr als nur ein Kreuz am Weg

Vor einem Jahr fuhr ein ­Automobilist das Wegkreuz im Rotchrüz um. Nun steht es wieder am alten Ort – im neuen Kleid.

Bunter Segen für das neue Wegkreuz. Aus diesem freudigen Anlass liessen die Anwesenden bunte Bollons in den Himmel steigen. (Bild: is)

11. Mai 2022
16:39

An den Anruf des Försters am Morgen des 1. März 2021 kann sich der heutige Untersiggenthaler Gemeinde­ammann Adrian Hitz noch gut erinnern: «Ich war in Brugg am Arbeiten, als Daniel Hitz am Telefon sagte: ‹Das Kreuz ist weg!›» Hitz, damals noch Gemeinderat, setzte sich sofort ans Steuer und fuhr in den Wald oberhalb des Dorfes, wo das 1873 errichtete Wegkreuz in der Kurve beim Forsthaus Rotchrüz stand.

Dort traf er einen verwüsteten Platz an. Trümmer säumten die Stelle, wo das rötlich gestrichene Kreuz grauem Muschelkalk einst stand. Ein Automobilist hatte auf dem Weg vom Steinenbühl ins Dorf hinunter die Herrschaft über seinen VW verloren und war in der Kurve geradeaus weitergerast. «Das Kreuz lag unterhalb auf dem Waldweg, der hinten durchführt», so Hitz. Die Kantonspolizei kam. Der fehlbare Lenker hatte noch in der Nacht Selbstanzeige bei der Polizei erstattet.

 

«Ein Merkmal unseres Dorfes»: Seelsorgerin Lara Tedesco vom Pastoralraum Siggenthal segnete das Wegkreuz. (BILD: is)


Segnung durch Seelsorgerin
Die Ortsbürger, auf deren Grund sich das Kreuz befand, gaben daraufhin einen Ersatz beim Bildhauer-Atelier Meier in Brugg-Lauffohr in Auftrag. Monatelang war der beliebte Platz im Rotchrüz verwaist. «Auch ich habe das Kreuz hier vermisst», sagte Seelsorgerin Lara Tedesco vom Pastoralraum Siggenthal am vergangenen Samstag bei der Einweihung vor rund hundert Interessierten. Wegkreuze seien nicht nur ein religiöses Zeichen, sondern auch ein Treffpunkt «und ein Gemeinschaftsort, wo Menschen zusammenkommen, sich besinnen oder auch den schnelllebigen Alltag heilsam unterbrechen, um Kraft zu tanken», erklärte Tedesco, bevor sie das Kreuz mit Weihwasser segnete.

Nun erstrahlt es wieder am alten Ort – in neuem Gewand. Das Kreuz ist aus rotem Sandstein gefertigt. Das blaue Schild mit der Jesusfigur ist noch Original und konnte restauriert werden. Auch der Platz rundherum wurde mit Holzschnitzeln und einer einladenden Sitzbank neu gestaltet.

Die Einweihung fand im Anschluss an den Waldumgang (siehe Artikel oben) und die Ortsbürgerversammlung statt. Beim Apéro konnten die Anwesenden an einem Wettbewerb des Köhlervereins Untersiggenthal mitmachen, bei dem Preise für das Köhlerfest vom 26. August bis 11. September zu gewinnen waren. Zur Feier des Tages liessen alle Teilnehmenden ihre bunten Ballons gemeinsam beim Wegkreuz in die Luft steigen lassen.


Roteiche gepflanzt
Passend zum Ort hatte Förster Daniel Hitz – mit dem Ammann übrigens nicht verwandt – im Vorfeld hinter dem Bänkli eine Roteiche gepflanzt. «Ein klimafitter Baum», erklärte der Förster in Anspielung auf den Waldumgang, bei dem es auch um Bäume ging, welche den Klimawandel am besten meistern. 

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