Meilenstein für den Park Innovaare

Bis 2020 sollen im Park Innovaare rund 35'000 Quadratmeter hoch­moderne und hochflexible Flächen für innovative Unternehmen zur Verfügung stehen.

Michael Hennig (leadXpro AG), Roland Meier (Hornberger Architekten AG); Daniel Kündig (Innovaare AG); Schebi Baumann (Gemeindeammann Villigen); Samuel Bieber (Erne Holzbau AG) und Peter Allenspach (PSI)
Michael Hennig (leadXpro AG), Roland Meier (Hornberger Architekten AG); Daniel Kündig (Innovaare AG); Schebi Baumann (Gemeindeammann Villigen); Samuel Bieber (Erne Holzbau AG) und Peter Allenspach (PSI) (Bilder: lp)

von
Louis Probst

09. März 2017
03:50

«Innovation first ist nicht als Reaktion auf Präsident Trump zu verstehen», betont Daniel Kündig, der im Mandat die Innovaare AG, die Träger- und Betreibergesellschaft des Parks Innovaare – eines der fünf Standortträger des nationalen Innovationsparks «Switzerland Innovation» – führt. «Das wussten wir schon vorher. Innovation ist ein erfolgskritisches Moment für eine Volkswirtschaft. Wir haben in der Schweiz gute Chancen. Es ist aber oft so, dass es bei der Umsetzung in eine Wertschöpfung fehlt. Da sehen wir enorme Chancen.»

Um Ergebnisse der Spitzenforschung in marktreife Innovationen zu transformieren, seien zwei Dinge entscheidend, erklärt Daniel Kündig: «Raum zur Entfaltung für die Unternehmen und ein funktionierendes Innovations-Ökosystem. Für beides bieten die Bauten des Parks Innovaare in direkter Nachbarschaft zum Paul Scherrer Institut PSI die besten Voraussetzungen.»

Visualisierung Park Innovaare
Visualisierung Park Innovaare (Bild: zVg)


Offenheit beim PSI 

Das PSI, das grösste natur- und ingenieurwissenschaftliche Forschungszentrum der Schweiz, bildet denn auch sozusagen den Nukleus, um den sich der Park Innovaare entwickeln soll. «Das PSI hat drei Missionen», erklärt Peter Allenspach (PSI Logistics): Forschung, Ausbildung – «neben rund 100 Berufslernenden arbeiten ständig rund 300 Doktoranden und zwischen 60 und 70 Post-Doktoranden am PSI – und Technologietransfer. Wir sind überzeugt von der Bedeutung des Technologietransfers. Vor allem im fertigungstechnischen Bereich ist es wichtig, an die KMU zu gelangen. Das PSI ist offen für die Zusammenarbeit mit der Industrie.»

Seit dem Bezug des deliveryLAB, das sich im Areal des PSI West befindet und zum Park Innovaare gehört, nutzen bereits acht Firmen die Nähe zum PSI und zu seinen Forschungsanlagen. In den Bauten der ersten Etappe des Parks Innovaare sollen sie ab 2020 Gesellschaft erhalten. 


Multifunktionales Gebäude

In der eigens für den Park Innovaare geschaffenen Bauzone werden in einer ersten Etappe vier Gebäudetrakte erstellt. «Wir bauen weder eine Forschungsstelle noch eine Werkstatt oder ein Labor, sondern ein multifunktionales Gebäude», betont Roland Meier vom Büro Hornberger (Zürich) das, zusammen mit der Erne Holzbau AG, seinerzeit den Investorenwettbewerb gewonnen hatte. Mit dem Haus A mit einer Geschossfläche von 5'300 Quadratmetern und der Reinraumhalle sollen bis zum zweiten Quartal 2020 die ersten Gebäude bezugsbereit sein. Haus B soll bis zum ersten Quartal 2021 fertiggestellt werden. Insgesamt werden in der ersten Etappe 35'000 Quadratmeter Geschossfläche erstellt. 21'000 Quadratmeter – davon 7'000 Quadratmeter Werkstätten und Speziallaboratorien sowie 1300 Quadratmeter Reinräume gemäss ISO-Normen – werden vermietet. Ergänzt wird das Raumangebot durch Büro-, Konferenz- und Erholungsflächen sowie ein Restaurant. Die Bauten werden über eine Parallelstrasse auf die Kantonsstrasse erschlossen und durch eine Unterführung unter der Kantonsstrasse mit dem Areal des PSI verbunden.

Erstellt werden die Hochbauten in einer «Mischbauweise» mit einem Kern aus Stahlbeton und Hybriddecken aus Holz. Die Erne AG Holzbau ist Totalunternehmer für die 165 Millionen Franken «schwere» erste Etappe des Parks Innovaare. Über die künftigen Investoren hält man sich bei der Innovaare AG noch bedeckt. «Die Investoren werden bekannt geben, wenn die Baubewilligung vorliegt», sagt Daniel Kündig. «Wir gehen davon aus, dass das Geld da sein wird.»

Vorgesehen ist, dass die Innovaare AG Generalmieter sein wird und die Flächen an die Nutzer weitervermietet. Rund 70 Prozent der Flächen der ersten Etappe sind bereits reserviert. Bei den künftigen Mietern handelt es sich um Unternehmen aus den Bereichen Biotechnologie, Materialwissenschaften, Energie und Beschleunigertechnologie. Aber auch das PSI wird grössere Flächen mieten.


Freude und Erwartung

In das neue Haus A im Park Innovaare einziehen wird, neben anderen Firmen, auch das Biotech-Unternehmen leadXpro, ein Spin-off des PSI, das heute im deliveryLAB eingemietet ist. «Als Biotechfirma verfolgen wir das Ziel, wirksame Substanzen für den Einsatz im medizinischen Gebiet zu finden», erklärt Michael Hennig von der leadXproAG. «Wir arbeiten in den Bereichen Onkologie und neue Antibiotika. Dazu benutzen wir die Grossforschungsanlagen des PSI – unter anderem auch das Synchrotron. Wir sind daher untrennbar mit dem PSI verbunden. Unsere Firma hat sich gut entwickelt. Wir stossen bereits an Wachstumsgrenzen. Wir brauchen Platz für die Weiterentwicklung des Unternehmens. Für uns war der Standortentscheid daher einfach. Wir versprechen uns aus der Nähe zum PSI Synergien beim Aufgleisen der Zusammenarbeit mit grossen europäischen Pharmafirmen. Wir schauen daher mit viel Freude und Erwartung auf den Park Innovaare.»

Freude am Park Innovaare hat auch Schebi Baumann, Gemeindeammann der Standortgemeinde Villigen. «Der Park Innovaare bewirkt eine Stärkung des Innovationsstandortes Villigen», stellt er fest. Er erinnert auch daran, dass die Idee zur Bildung einer Hightech-Zone vor rund zwölf Jahren bei der Arbeit am Leitbild für die Gemeinde Villigen entstanden war, nachdem das PSI Bedarf zeigte, Firmen anzusiedeln. «Damals war man im Dorf Feuer und Flamme für eine Hightech-Zone», sagt Schebi Baumann. «Ich bin überzeugt, dass man in Villigen auch hinter dem Park Innovaare steht.»

Daniel Kündig in Denkerpose
Daniel Kündig in Denkerpose


Der FH-Campus Brugg-Windisch und der Park Innovaare 

«Die Verknüpfung mit der Fachhochschule Nordwestschweiz ist Teil der Strategie des Parks Innovaare», betont Daniel Kündig von der Trägergesellschaft des Parks Innovaare. «Innovation kann nicht allein auf Grundlagenforschung setzen. Innovation erfordert ebenso in hohem Masse angewandte Forschung. Daher ist die Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz und den einzelnen ihrer Institute sehr wichtig.»

Die Verbindung zwischen dem Park Innovaare und der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) – und damit auch mit dem FH-Campus Brugg-Windisch – kommt nicht zuletzt auch darin zum Ausdruck, dass Crispino Bergamaschi, der Direktionspräsident der Fachhochschule Nordwestschweiz, auch dem Verwaltungsrat der Park Innovaare AG angehört. 

Auf die Frage nach der Bedeutung des Parks Innovaare für den FH-Campus Brugg-Windisch – und umgekehrt – erklärt Daniel Kündig: «Die Frage ist, was denn der Campus ist. Wird er in Zukunft das sein, woran wir alle gearbeitet haben und weiter arbeiten)? Nämlich die Vernetzung von Bevölkerung, Bildung und Industrie. Oder wird es in Zukunft ein Gebiet sein, das sich vom Birrfeld bis ins Untere Aaretal erstreckt und das sich nicht nur durch hohe Lebensqualität auszeichnet, sondern auch als Standort mit hoher Exklusivität für wissenschaftlich-industrielle Bereiche, die sich ergänzen.»

Die Grundlagen dafür sind, wie Daniel Kündig feststellt, vorhanden. «Nämlich in der Zusammenarbeit verschiedener Kompetenzen, wie etwa in den Bereichen Energie oder Nanotechnik. Durch den Standort des Parks Innovaare in Villigen werden diese Anstrengungen und Visionen gestärkt. Die Stärkung sehe ich darin, dass man sich nicht abgrenzt, sondern offenbleibt. Campus ist für mich der Begriff für einen Lebensraum, der geprägt ist durch eine Kultur, die offen ist für Lehre, Forschung, Innovation und Anwendung. Zu einem Campus gehören für mich aber immer auch das Leben und die Kultur. Indem sich die Fachhochschule als aktiver Partner in den Park Innovaare einbringt, aber auch in der Umsetzung ganz konkreter Projekte; in Spin-offs, welche die Akteure zusammenbinden, und im Zugang zum Hightech-Zentrum ergibt sich für KMU ein niederschwelligerer Zugang zu Wissen und Technologie, als das bisher – aus der Eigenoptik der KMU gesehen – möglich war. Daher ist die Zusammenarbeit mit der Fachhochschule und einzelnen ihrer Institute, aber auch mit dem Hightech-Zentrum, für mich ein Kernpunkt in der Strategie des Parks Innovaare.»

Noch bevor der erste Bagger auf der Innovaare-Park-Baustelle auffährt, findet die Zusammenarbeit zwischen Park Innovaare und Fachhochschule auch auf der Praxisebene statt. «Wir führen gemeinsame Experimente mit der Fachhochschule Nordwestschweiz durch», erklärt Michael Hennig von der Biotechunternehmen leadXpro AG. Er gibt auch zu bedenken: «Die Fachhochschule bietet uns zudem Potenziale im Hinblick auf gut ausgebildete, künftige Mitarbeitende. Auch das ist ein wichtiger Punkt, der aus unserer Sicht für den Park Innovaare und die Nähe zur Fachhochschule Nordwestschweiz und zum PSI spricht.»



Mehr zum Thema «Campus Brugg-Windisch» finden Sie in der Ausgabe des General-Anzeigers vom 16. März 2017.

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