Militärmuseum mit neuen Attraktionen

In Full wurden der restaurierte Panzerfahrsimulator «Fasip» und der Schützenpanzer «Universal Carrier T 16» vorgestellt.

René Demarmels, Gerold Handschin und Michael Salathé investierten viele Hundert Stunden in die Restaurierung des Panzerfahrsimulators. (Bild: sha)

26. August 2020
12:06

Das Schweizerische Militärmuseum Full feierte am 20. August die Einweihung und Wiederinbetriebnahme des restaurierten Panzerfahrsimulators der Schweizer Armee (Fasip) und den Roll-out eines restaurierten Schützenpanzers «Universal Carrier T16» aus dem Jahr 1954. Damit besteht für Besucherinnen und Besucher des Militärmuseums die Möglichkeit, auf Vereinbarung mit dem Panzer 68 durch das Gelände zu fahren – auf dem Fahrsimulator, wie Thomas Hug, Bözberg, Präsident des Vereins Militärmuseum Full-Reuenthal, anlässlich der Einweihung mitteilte: «Wir sind überzeugt, dass das Militärmuseum mit den beiden neuen Objekten nochmals deutlich attraktiver wird.»


Einzig funktionierende Anlage
Der Fasip hatte in der Schweizer Armee einst grosse Bedeutung, wie Hug erwähnte. Bis 2004 war der in den 1970er-Jahren in Frankreich entwickelte Panzerfahrsimulator im mechanisierten Ausbildungszentrum (MAZ) in Thun in Betrieb. Auf insgesamt acht Bahnen wurden angehende Panzerfahrer anfänglich für den Panzer Centurion, später für die Panzer 68 und Leopard 2 geschult.

2004 rettete das Militärmuseum Full eine der Fasip-Anlagen vor der Verschrottung, demontierte sie in Thun und baute sie in Full wieder auf. Verschiedene Defekte in den altertümlichen Rechnern und in anderen elektronischen Anlageteilen führten dann aber zu deren Aus. Das engagierte Team der Museumshelfer Gerold Handschin (Sissach), Michael Salathé (Sissach) – beide sind Elektroniker – und René Demarmels (Zürich) konnte sich aber damit nicht abfinden. Unter Einsatz hunderter Arbeitsstunden unterzogen sie die Anlage einer gründlichen Analyse, spürten Defekte auf und ersetzten nach und nach ausgefallene Komponenten. Grösster Knackpunkt bildete der defekte Hauptrechner aus den 1970er-Jahren. Dieser musste aufgrund nicht mehr verfügbarer Ersatzteile ersetzt werden. Hierzu wurde ein neuer Hauptrechner konfiguriert und an die bestehende Anlage angepasst. Die in Papierform vorhandenen Teile des Rechners wurden in eine moderne Programmiersprache übersetzt.

 

 

Vom Wrack zum Prachtstück
Der in Kanada hergestellte Schützenpanzer «Universal Carrier T 16» wurde vor allem von der britischen Armee genutzt und unter anderem auch am D-Day in der Normandie eingesetzt. Die Schweizer Armee beschaffte 1954 aus Kriegsüberschussbeständen 320 Exemplare und verwendete diese bis 1964. Danach wurden praktisch alle Fahrzeuge ins Ausland verkauft, weshalb heute in der Schweiz nur noch einige wenige Exemplare vorhanden sind. Das Fahrzeug der Militärmuseums wurde als Wrack in Südafrika erworben und während vier Jahren unter der Leitung von Tobias Weibel vollständig und originalgetreu restauriert und wieder betriebsbereit gemacht. Dank Social Media gelang es, Ersatzteile in der ganzen Welt zusammenzukaufen, so in Belgien oder Frankreich. Auch in Wisconsin (USA) wurde man fündig: Das Dach des T 16 konnte mithilfe eines in Texas lebenden Auslandschweizers nach Full gebracht werden. «Dieses Prachtstück fehlte uns noch in der Sammlung. Es ist einer von nur noch zwei fahrbaren T 16 in der Schweiz», freute sich Thomas Hug.

Die beiden neuen Errungenschaften können unter anderem am «Panzersamstag» vom 5. September im Militärmuseum Full-Reuenthal besichtigt werden.

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