«Mini Decki» gibt ein Stück Zuhause

Der Aargauische Katholische Frauenbund (AKF) vergibt Frauenpreise. In diesem Jahr geht er an Simone Maurer, die Initiantin von «Mini Decki».

Simone Maurer (in der Mitte) erhält den mit 20'000 Franken dotiert Frauenpreis des Aargauischen Kantholischen Frauenbundes
Simone Maurer (in der Mitte) erhält den mit 20'000 Franken dotiert Frauenpreis des Aargauischen Kantholischen Frauenbundes (Bild: isp)

von
Isabel Steiner Peterhans

30. Oktober 2018
09:35

Sie kann es selber noch kaum fassen. Eingemummelt in ihre erste eigene Decke, steht die 40-jährige Simone Maurer auf der Bühne des RemiseTheaters in Rütihof und nimmt soeben den vom Aargauischen Katholischen Frauenbund (AKF) gespendeten Frauenpreis entgegen. «18'000 Decken sind inzwischen entstanden. Jetzt eine eigene zu haben, freut und ehrt mich besonders», sagt die dreifache Mutter erfreut. 

Der AKF mit einer über 100-jährigen Vereinsgeschichte und mehr als 10'000 Mitgliedern lud vergangene Woche zur 22. AKF-Frauenpreisverleihung. Der Frauenbund setzt sich für Frauen ein, die in Politik, Gesellschaft und Kirche Spuren hinterlassen. Ein Frauenpreis wird jeweils an Einzelpersonen/Institutionen vergeben, die sich ganz besonders für das Wohl von Frauen und Kindern engagieren. Die diesjährige Preissumme von 20'000 Franken ging an Simone Maurer aus Baden-Rütihof, die mit ihrer im Jahr 2014 gestarteten Spontaninitiative «Mini Decki» auf sich aufmerksam gemacht hatte. In der ganzen Schweiz werden seither Decken genäht und in allen Kantonen an Flüchtlinge verteilt. «Jedes Flüchtlingskind braucht eine Decke, die wärmt, schützt und ein Zuhause gibt auf der langen Reise», erklärt Maurer. Ihre Idee stiess auf so grosse Begeisterung, dass zwischenzeitlich auch in Deutschland, Österreich und Holland Nachahmer-Projekte gestartet wurden. Durch ihren Blog sowie über Facebook ist die Aargauerin jederzeit präsent und findet dadurch auch zahlreiche Helferinnen beim Nähen wie auch bei der Versand-Logistik. 

 

Preis für selbstloses Engagement

Über 60 Personen waren Zeugen, als einer sichtlich gerührten Simone Maurer der hoch dotierte Preis für das selbstlose Engagement überreicht wurde. Regula Dell’Anno-Doppler, Vizeammann von Baden, sowie Grossrätin Sabine Sutter-Suter überbrachten Glückwünsche. Die Laudatio übernahm Vroni Peterhans-Suter (Präsidentin AKF-Frauenpreis-Kommission), durch den Event führte Pia Viel-Sutter (Präsidentin AKF-Kantonalvorstand), und musikalisch wurde der Anlass vom Duo «Acoustic affair» umrahmt.

 

Vier Fragen an Simone Maurer

Herzliche Gratulation zu dieser Auszeichnung. Wie ist Ihr Befinden am Tag danach?

Vielen Dank! Auch einen Tag nach der Preisübergabe bin ich noch ganz überwältigt von diesem schönen Abend. Der Preis ist eine riesen Ehre, und es freut mich sehr, dass sich so viele Leute mit mir freuen! 

 

Wie ist die Idee von «Mini Decki» überhaupt entstanden?

Drei Sachen haben dazu geführt. 

1. Ich habe immer gerne genäht. Am liebsten Dinge, die schnell gehen, praktisch sind und schön aussehen. Darum habe ich angefangen, Decken zu nähen. Ich fand und finde Decken etwas sehr Elementares. Wenn ich für meine Kinder nichts mehr hätte, bräuchte ich einen Grundstock an Kleidern und eine Decke, damit ich sie zudecken kann.

2. Es war zu einer Zeit, in der die Medien voll waren von den Booten vor Lampedusa. Es hat mich sehr betroffen gemacht, dass auf diesen Schiffen auch Eltern mit ihren kleinen Kindern sitzen. Eltern, die wie wir, nur das Beste für ihre Kinder wollen – wie gross muss die Not sein, wenn das Beste ist, sich mit seinem Kind in einem Gummiboot übers offene Meer treiben zu lassen …

3. Es gibt ein Lied, in dem einer sagt: Gott, schau dir mal diese Welt an, was da alles passiert, schrecklich! Warum machst du denn nichts?! Und dann antwortet er: Ich habe ja dich gemacht. Das ging mir direkt ins Herz. Es muss einen Platz geben, in dem ich mit all meinen Fähigkeiten, Freuden und Interessen etwas auf der Welt verändern kann.

Diese drei Bausteine gaben den Ausschlag, etwas zu unternehmen. Plötzlich kam mir die Idee, Decken für diese Kinder zu machen. So habe ich alle drei Sachen unter einem Hut.

 

Was treibt Sie an, tagtäglich mit so grossem Engagement zu wirken und Ihren Spirit weiterzutragen?

Ich bin Feuer und Flamme für dieses Projekt! Ich finde es noch immer genau gleich wichtig, dass wir den Kindern, deren Start ins Leben nicht so einfach ist oder die schon viel Schweres erlebt haben, etwas mitgeben können, das ihrer Seele gut tut. Mit diesem Projekt kann ich einen ganz kleinen Beitrag dazu leisten –wie ein Teil in einem ganzen Lebenspuzzle. Ich denke, ich habe meine Aufgabe gefunden und die will ich so gut wie möglich machen.

 

Was für Pläne haben Sie mit dem Preisgeld? Investieren Sie in nächste Projekte?

Nein, ich habe keine nächsten Projekte. Ich habe dieses Projekt. Das Preisgeld ermöglicht es mir, dass ich meine Startfinanzierung des Projektes wieder aus der Kasse nehmen kann und dass wir uns in der nächsten Zeit keine Sorgen über die Miet- und Portokosten – die grössten zwei Posten – machen müssen. 

Kommentare (2)

  1. Simone Maurer
    Simone Maurer vor 3 Wochen
    Vielen herzlichen Dank für diesen schönen Bericht über den wunderbaren Abend! Dieser Preis ehrt und freut mich sehr!
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  2. Merice Rüfenacht
    Merice Rüfenacht vor 3 Wochen
    Simone Maurer ist wirklich eine würdige Preisträgerin. Gratuliere herzlich.
    Eine über 100-jährige Aargauer-Geschichte gehört zum Frauenpreis.
    Es ist starken, hartnäckigen Aargauer Frauen zu verdanken, dass der Aarg. Kath. Frauenbund diesen Preis seit 22 Jahren vergeben kann!
    Danke Isabel Steiner Peterhans für den schönen Artikel! Schön, dass dieser hochdotierte Preis einen Platz in diesen Medien findet.
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