Mit genügend Boden dem Kater vorbeugen

Was für ein Jahr! Exklusiv für «E-Journal» schaut die Badener Satirikerin Patti Basler zurück. Und wirft auch gleich einen Blick nach vorne. Auf ein besseres 2021!

Unter dem Scheinwerferhimmel: Patti Basler wirft einen satirischen Blick in die Sterne. (Bild: Tibor Nad)

von
Patti Basler

30. Dezember 2020
18:15

Liebe Überlebende!

Nicht alle haben es überlebt, das Jahr 2020. Einige sind an, mit oder komplett ohne Covid von uns gegangen. Wir aber haben überlebt und befinden uns mitten in einem absurden Marathon, bei dem wir jetzt schon Muskelkater haben. Stellt euch vor, ihr müsstet das Jahr 2020 schönsaufen. Meine Covid-Erkrankung fühlte sich an wie der Kater danach. Ja, ich habe mir tatsächlich die krasse Natur-Impfung gegönnt und bin jetzt ein wandelnder Anti-Viren-Luftfilter, der mit seinen Antikörpern die Corona-Käfer unschädlich macht. Eine Impfung stelle ich mir allerdings weit weniger schmerzhaft vor. Die Krankheit wünsche ich niemandem. Genügend Alkohol, um dieses Jahr nachträglich noch einigermassen aufzuhübschen, haben ohnehin die wenigsten in ihrem Vorratskeller. Obwohl ja gerne gehamstert wurde im ersten Lockdown. Die einen kauften sich das weisse Gold zusammen, das in den Putzkammern der geschlossenen Schulen lagerte wie ein Schatz, zu welchem nur das Hauspersonal den Schlüssel hatte: WC-Papier. Und waren auch Homeschooling und Home-office eine besondere Herausforderung, weil man nie wusste, ob man nun grad Hausmann, Papi oder Mitarbeiter, Mutter, Ehefrau oder CEO war, so schien der grösste Rollenkonflikt doch der WC-Rollen-Konflikt zu sein. Andere hatten trotz Covid den richtigen Riecher: Sie hamsterten Hygienemasken und exportierten diese für viel Geld ins Ausland oder verscherbelten sie überteuert an die Schweizer Armee. Diese wiederum bekam das Versprechen, dass sie mit neuen Kampfjets ausgerüstet werde. Denn die Bedrohungen, so hört man immer wieder, die Bedrohungen kommen aus der Luft. Wie man mit Kampfjets jedoch gegen virengeschwängerte Aerosole vorgehen kann, bleibt ein Rätsel. Vielmehr hätte man sie für den Abschuss von grösseren Zielen einsetzen können, von Wölfen, Luchsen oder Bibern. Diese geschützten Tiere dürfen allerdings weiterhin nicht prophylaktisch einen Kopf kürzer gemacht werden. Dafür haben die Grossverteiler den Kopf verloren, zumindest den Dubler-Schaum-Kopf, bekannt für seine glatte, glänzende Schokohülle. Ein anderer Kahlkopf war in aller Munde. Und aller Augen warteten auf die täglich grüssende Pressekonferenz. Alain Berset predigte den freiwilligen Shutdown. Immer derselbe Film: Berset – Alain zu Haus. Irgendwann aber wurde es uns zu eng im eigenen Zuhause, die Keller waren aufgeräumt, die Bananenbrote gebacken, die gehamsterte Hefe aufgebraucht und Netflix war leergeschaut. Die häuslichen Pflichten und die häusliche Gewalt waren erledigt worden, die Kurven flachgelegt wie ein Toyboy von einer Bachelorette. Wir freuten uns so sehr auf die grosse Welt, dass wir sogar an der Urne die Begrenzung ablehnten. Der Urnengang war rekordverdächtig. Die Menge an Urnen im Herbst leider ebenfalls, als Ansteckungsraten und Todesfallkurven so steil gingen wie die Après-Ski-Meute damals in Ischgl.

In den Exekutiven der Welt und der Region gab es einige Wechsel. In den USA muss ein Mann abtreten, der bis vor Kurzem propagierte, dass man Frauen an die Pussy greifen soll. In Baden trat eine Frau ab, welche die Pussy-Grabscherei nun auch tatsächlich vorlebt. Indem sie Frauen ermutigt, ihre eigenen Körper kennenzulernen.
Ich glaube, die guten Aussichten aufs nächste Jahr sind genau dort zu suchen: im Kleinen. Während des nächsten Lockdowns räumen möglicherweise nicht nur Frauen ihr körpereigenes Untergeschoss auf. Auch ehemalige Stadträte verschicken dann vielleicht Bilder als intime Aufforderung zur Penetration. Bilder von aufgezogenen Spritzen mit Pfizer-Impfstoff.
Statt ins Souterrain schauen wir uns ohnehin vermehrt in die Augen. Denn mit Hygiene-Masken-Pflicht fällt auch das Verhüllungsverbot. Abstand wird der neue Anstand und kein Abstand wird der neue Aufstand. Wenn wir uns wieder nahe kommen und berühren dürfen, wird dies aufregender als damals beim ersten Schoko-Kuss-Tanz an der Teenie-Party. Wir müssen wohl achtsamer werden im Umgang miteinander. Selbst Dubler wird seine Schaumköpfe in «Berset-Kerli» umbenennen und mit einer Anti-Covid-Schluckimpfung versehen. Und so, liebe Überlebende, werdet ihr auch im Jahr 2021 einigermassen gl-impf-lich davonkommen. 


Es grüsst Patti Basler

P.S. Schönsaufen müsst ihr wahrscheinlich auch das nächste Jahr dann und wann. Zum edlen Tropfen passt dann auch das selbst gebackene Hefeteigbrot, damit ihr mit genügend Boden dem Kater vorbeugen könnt. Das wird ganz einfach mit unserem neuen Bundespräsidenten. Schliesslich lautet das Motto: Du vin, du pain, du Parmelin. 

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