«Mit Leib und Seele beim Klang»

Wolfgang Rogg aus Birr liebt den Klang. Nach einem Schicksalsschlag halfen ihm Gongs und Klangröhren bei der Verarbeitung.

So sieht die Klangbehandlung von Wolfgang Rogg aus. (Bild: zvG)

07. Juli 2021
14:14

Besucher in Wolfgang Roggs Einfamilienhaus laufen durch ein Spalier von Klangröhren. In seinem Garten hängen an einer Platane sechs Messing-Klangröhren in unterschiedlichen Längen. Man kann hindurchspazieren, diese anspielen und sich auf dem kurzen Klangweg ganz den berührenden Tönen hingeben. Im Haus angekommen, stellt Rogg seine Gäste in eine Klangschale von sechzig Zentimetern Durchmesser. «Dies ist mein Anfangsritual, damit die Besucher ankommen und alles abschütteln können, was sie möglicherweise belastet», erklärt der Klangexperte.

Rogg ist in der Region bekannt für seine Gong-Konzerte, mit denen er erstmals im Jahr 2007 vor 230 Zuschauern die Birrer Kirche zum Schwingen brachte und wenig später die ungewohnten Klänge auch in der vollbesetzten Klosterkirche Königsfelden ertönen liess. Auch bei der Kulturnacht Brugg-Windisch erstaunte und verzückte er sein Publikum zu vorgerückter Stunde.


Schicksalsschlag als Ursprung

Doch wer steckt eigentlich hinter dem «Klang-Therapeuten und Tüftler», als den er sich selbst bezeichnet? Der 77-Jährige wurde in Konstanz geboren und wuchs auf der Insel Mainau im Bodensee auf. Als Kind durfte er nicht einmal Blockflöte lernen, weil er als zu unmusikalisch galt. Wolfgang Rogg wurde Elektroingenieur und Energieberater bei ABB in Oerlikon, Baden und Birr. Er sei während seiner beruflichen Laufbahn sehr kopflastig und analytisch geprägt gewesen, erzählt er. Als seine Frau 1986 an Leukämie erkrankte, begann ein neues Leben für ihn. Zusammen mit dem gemeinsamen Sohn begleitete er seine Frau bis zum letzten Atemzug zu Hause im Wohnzimmer. Im Rahmen eines Trauerseminars hörte er zum ersten Mal einen Gong. Als der Therapeut ihn aufforderte, den Klang in seinen Körper zu leiten, habe er zuerst nicht «an solchen Humbug» geglaubt. Doch konnte Rogg damals wirklich spüren, wie die Schwingung über die Fusssohle schliesslich sein linkes Knie erreichte und ihm später bei der Verarbeitung der Trauer half. Diese Erfahrung habe ihn grundlegend verändert. Er kaufte 1994 seinen ersten Gong und liess sich ab 2005 bei Walter Häfner im nord-bayerischen Bischofsgrün zum Klangtherapeuten ausbilden. Nun kam ihm sein Charakter zugute. «Ich war schon immer dieser Forschertyp, der sich intensiv mit etwas auseinandersetzt und der Materie auf den Grund geht», meint Rogg lachend. Bester Beleg dafür sind die 120 Bücher zum Thema Klang in seiner Bibliothek.


Abtauchen in innere Welten

Kürzlich hat der Tüftler auf Basis seiner langjährigen Erfahrung eine Weltneuheit entwickelt: «Klangröhren, die es in dieser Grösse und in dieser Anordnung und mit diesen Frequenzen nirgendwo sonst auf der Welt gibt», ist er überzeugt. Mit diesen führt er auch Therapien durch. Der «Klanggast» wie er seinen Patienten nennt, befinde sich dabei auf einer gepolsterten Liege, über der in einem Halbbogen sechs Klangröhren mit unterschiedlichen Frequenzen/Schwingungen hängen. Diese Röhren werden in einer bestimmten Reihenfolge immer wieder angespielt.

«Der Klang und die Schwingung werden intensiv auf der ganzen Körperlänge wahrgenommen, man wird quasi durchdrungen vom Klang, und die Schwingungen halten auch sehr lange an. Es ist ein tiefes Erlebnis», erklärt Rogg das Prinzip.

Durch die Wahl der geeigneten Frequenzen werde sein «Klanggast» schnell in die Tiefenentspannung geführt. «Die meisten verbringen einen Grossteil der einstündigen Sitzung im Tiefschlaf.» Im sogenannten Theta-Zustand würden Selbstheilungskräfte aktiviert, und oft tauchen Bilder oder Gefühle auf, bevor der Klanggast in den Delta-Zustand (Tiefschlaf) eintrete, so Rogg. Als weiterer Effekt komme die Synchronisation der Gehirnhälften hinzu. Während der Beschallung des Körpers durch die Klangröhren komme es zur sogenannten «Hemisphären-Synchronisation». Die beiden Gehirnhälften würden wie miteinander verbunden, sagt der Klangtherapeut. «Diese Art der Klangröhren und den ganz speziellen Ablauf gibt es sonst nirgends auf der Welt. Ich konnte auch bereits zwei Lizenzen verkaufen», fährt der 77-Jährige fort.


Ein achtsamer Therapeut

Ausser für Schwangere oder Leute mit Herzrhythmusgeräten sei die Behandlung für alle erwachsenen Personen geeignet. Dass seine Tätigkeit von Schulmedizinern in der Regel milde belächelt werde, sei ihm bewusst, so Wolfgang Rogg. Allerdings befänden sich auch zwei Ärzte in der Teilnehmergruppe, die am Freitag einen einwöchigen Workshop bei ihm begann.

Heilung – zum Beispiel eines Tinnitus – garantiert Rogg durch die Behandlung nicht. «Ich verspreche grundsätzlich nichts», betont er. Aber der vorsichtige Umgang mit seinen «Klanggästen» sei ihm enorm wichtig. «Ich achte sehr sorgsam auf den Menschen.» 

War dieser Artikel lesenswert?

Wir setzen uns mit Herzblut und Know-how für gute Geschichten aus Ihrer Region ein. Wenn auch Sie hochwertigen Journalismus schätzen, können Sie uns spontan unterstützen. Wir danken Ihnen – und bleiben gerne für Sie am Ball.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

«Ich bike lieber mit Frauen»

Der Ennetbadener Hansj Oppliger (64) lebt seine Outdoor-Begeisterung nicht nur… Weiterlesen

«Tokio, ich komme!»

Die Karateka Elena Quirici hat es geschafft: Sie vertritt die Schweiz in Japan… Weiterlesen

region

Grillwürste, Trychler und Tambouren

Die Wettinger Bevölkerung liess sich die Bundesfeier nicht nehmen. Und zeigte… Weiterlesen

region

Premiere für Sandro Brotz

Im Kern der Bundesfeier­ansprache von Sandro Brotz stand der Einbezug der… Weiterlesen

region

Von Schweizer Tugenden

Bratwurst, Festrede, gemeinsames Singen: Birmenstorf feierte dieses Jahr unterm… Weiterlesen