«Mitten drin im Klang»

Das Reservoir Scharten 2 in Wettingen ist seit 2017 nicht mehr mit Wasser gefüllt. Jetzt hat es ein neuer Verein als Konzertlokal entdeckt. 

Bei Begehungen des Scharten-2-Reservoirs waren Veranstalter und Musiker gleich begeistert (Bild: zVg)

von
Hans Christof Wagner

12. Februar 2020
09:15

Der 1948 erbaute Scharten 2 an der Mooshaldenstrasse diente neben dem noch älteren Behälter Scharten 1 der Gemeinde Wettingen als zentraler Trinkwasserspeicher. Mit einem Fassungsvermögen von 1400 Kubik­metern zeichnet es sich durch einen eigenwilligen Grundriss und zwölf die Betondecke abstützende Säulen aus. Seit 2017, mit Eröffnung des neuen Reservoirs Birch, sprudelt das kostbare Nass nicht mehr aus Scharten 2. Der Raum ist seitdem trocken. Doch das Elektrizitäts- und Wasserwerk Wettingen (EWW) beliess ihn so, baute ihn nicht zurück. 

 

Akustisch hochinteressant

«Wir sind schon gleich nach der Schliessung vor drei Jahren darauf aufmerksam geworden», berichtet Marie Louise Reinert. Heute ist sie Präsidentin des im September 2019 gegründeten Vereins «Klangwelt ­Lägern», welcher, nomen est omen, Scharten 2 zur Klangwelt machen will. «Der Raum ist nicht nur ausserordentlich schön, sondern auch sehr speziell und akustisch hochinteressant», sagt sie. Nun, im Jubiläumsjahr 975 Jahre Wettingen, wird die Idee konkret – mit sechs Konzertanlässen von April bis September, jeweils einem pro Monat. «Zwölf Musiker und eine Filmerin werden sich von der ­Architektur und der Geschichte des Ortes inspirieren lassen», kündigt Marie Louise Reinert an. «Es werden ganz besondere Konzerte sein, mit einer einzigartigen Atmosphäre, die unter die Haut geht», ist sie überzeugt. 

Mats Scheidegger (Gitarre), der aus Wettingen stammt, und Hannah Beutler (Gesang) machen am Sonntag, 26. April, den Auftakt mit einem eigens für das Wasserreservoir ent­wickelten Klangkonzept. Scheidegger sagt: «Ich habe schon an vielen spe­ziellen Plätzen oder Orten gespielt, sei es in einer Börse, einem Unterwäscheladen oder in den Sanddünen der ­Mongolei, aber in einem Reservoir noch nie.» Dem Publikum verspricht er, «mitten drin im Klang zu sein», Teil davon zu werden.

Für Michael Luginbühl (Cello), im Juli aus Wien zu Gast, ist das Konzert ein Heimkommen: «An den Hängen der Lägern verbrachte ich meine Kindheit. Dieser Ort weckt viele schöne Erinnerungen.» Er erinnert sich: «Als ich die erste Klangprobe in Scharten 2 machte, war ich sofort im Bann der Resonanzen, die dieser Raum nachklingen lässt. Gleich wurde mir klar, dass dieses Konzert ein einzigartiges Hörerlebnis darbieten wird. » Für ihn sprengt Scharten 2 akustisch sogar «bei Weitem die akustischen Dimen­sionen des Wiener Stephansdomes.»

 

Warme Kleidung und Fahr­gemeinschaften erwünscht

Weil pro Konzert nur 30 Zuhörende zugelassen sind, gibt es von jedem zwei Aufführungen. Der Veranstalter empfiehlt warme Kleidung. Er mahnt auch zu gutem Schuhwerk und der Bildung von Fahrgemeinschaften. Denn die Zahl der Parkplätze direkt am Reservoir ist auf zehn begrenzt. Weitere Möglichkeiten, das Auto abzustellen, bestehen auf dem Parkplatz Scharten, nördlich der Bushaltestelle Winkelried, wo auch die Buslinien 1 und 7 ab dem Bahnhof Baden ankommen. Von dort gelangt man über drei Treppen in 15 Minuten an die Mooshalden­strasse.

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