Mitten in den Stürmen des Lebens

Seit 28 Jahren bildet die Schinznacher «Nachlese» ein Spiegelbild des dörflichen Lebens in all seinen Höhen und Tiefen.

Titelbild der «Nachlese 2019» (Bild: zVg)

27. Mai 2020
09:00

Im Vorwort zur jüngsten Ausgabe schreibt Nadine Karnitz namens der «Nachlese»-Redaktion: «In der Gemeinschaft sind die Stürme des Lebens viel besser auszuhalten.» Daraus lässt sich die Leitlinie erkennen, entlang der sich die Artikel der «Nachlese 2019» einordnen lassen.

 

Gemeinsam macht mehr Spass

Gemeinschaft muss nicht auf Verträge oder Vereinsparagrafen aufbauen. Sie kann mindestens ebenso gut im lockeren, ungezwungenen Zusammensein gelebt werden. «Die Redaktion hat sich in diesem Jahr auf die Suche nach Gruppen in unserem Dorf gemacht, die zusammen unterwegs sind, ohne als Verein organisiert zu sein.» Und sie wurde fündig! Die sieben Kurzartikel bilden gewissermassen den Kern der neusten «Nachlese». Den Auftakt bilden die Kleinsten des Eltern-Kind-Treffens für Vorkindergärtler. In einer ganz andern, ziemlich aufregenden Lebensphase befinden sich die «Töfflibuebe». Die Walkinggruppe, die Montagsfrauen und die Biker verbinden das Naturerlebnis mit ihren jeweiligen sportlichen Betätigungen – die abgebildeten strammen Wädli sind eindrückliches Fitnesszeugnis der Radler, und aus den unternehmungslustigen Gesichtern der wandernden und walkenden Frauen lässt sich die Freude ablesen, die ihnen das gemeinschaftliche Unterwegssein bereitet. Etwas weniger sportlich, deshalb aber nicht weniger lustig, dürfte es bei den Kafi-Frauen und der Lismi-Gruppe im Altersheim zugehen.

 

Bauen und arbeiten

Jede lebendige Gemeinschaft wandelt ihr Gesicht laufend, auch in baulicher Hinsicht. In Schinznach betrifft dies den Gewerbepark der Firmen Samuel Amsler AG und Thut Elektro AG, in dem auch die Feuerwehr Schenkenbergertal ihr neues, grosszügiges Zuhause gefunden hat. Bedeutungsvoll ist sodann der Abbruch der geschichtsträchtigen Aula und des alten Realschulhauses – mit einem Sprayprojekt verabschiedet –, das durch einen grosszügigen Neubau ersetzt wird.

Ein Firmenporträt ist in der neuen «Nachlese» der 1984 gegründeten Lehnert Metallbau GmbH im Ortsteil Oberflachs gewidmet. Das Kleinunternehmen hat ein erstaunlich breites Betätigungsfeld. Das erklärt sich aus der Feststellung: «Unsere Stärke sind Einzelanfertigungen nach Wunsch der Kunden.» Das Spektrum reicht von kleinen Metallteilen bis hin zu ganzen Industriehallen.

 

Die Menschen im Zentrum

Es sind ja die Menschen, die eine Gemeinschaft ausmachen, und es ist deren Verschiedenartigkeit, die von so grossem Reiz ist. Da sind die beiden Top-Turnerinnen Alissa Obrist und Bettina Amsler, die am Eidgenössischen Turnfest 2019 im «Geräteturnen zu zweit» mit ihren Übungen am Boden und am Schulstufenbarren den Sieg errangen. – Da ist der «Quer- und Freidenker» Christian Aellen, ein Mann, der manchen als Rätsel erscheinen mag, andern als bereichernder Farbtupfer mitten in der Dorfgemeinschaft. 

Und nun tritt er sogar als Gedichtschreiber an die Öffentlichkeit:

«Es ist, als ob die Menschlichkeit

Noch immer nicht ist ganz bereit,

Zu werden lustvoll und befreit

Und gegen Gier und Hass gefeit.»

Sybel Stadelmann vermittelt Einblicke in das Kulturlokal «KUEFEREI», das sie zusammen mit Marco Hagenbuch aufgebaut hat. Sie erzählt von verschiedenen Veranstaltungen, die hier schon durchgeführt wurden, und sie schreibt nach einer Jam-Session: «Unser Wunsch, eine Begegnungszone für Jung und Alt zu schaffen, hat uns an diesem Abend sprachlos und dankbar gestimmt.»

Als historische Reminiszenz stellt die «Nachlese» ihrer Leserschaft den vor 60 Jahren verstorbenen Professor Adolf Hartmann vor, ein Universalgelehrter, eine imposante Persönlichkeit, der sich der Geologie und Hydrologie verschrieb und sich daneben zeitlebens für die Produktion und Verbreitung alkoholfreier Getränke einsetzte – im Weinbaugebiet Schenkenbergertal! Als «Gegengewicht» dazu vermittelt Kathrin Hartmann einige Aperçus zur Reblage «Häldeli» und zum dort produzierten Wein. Und die Weine und Destillate der Familie Kohler erhalten aus Anlass ihres 25-Jahr-Jubiläums ein kleines Denkmal gesetzt.

Menschen: Da ist weiter die Schauspielerin Vanessa Rudolf, die als 14-Jährige nach Schinznach kam und sich als Musicalsängerin und Charakterdarstellerin einen Traum erfüllt hat. Und schliesslich der unermüdliche Tüftler und Erfinder Armin Simmen, der sich mit seinem Tuben-Auspressgerät «Tuuby» gleich selbst einen Zunamen geschaffen hat, der ihm über seinen Tod im August 2018 hinaus bleiben wird.

 

Gefreutes und Grausliches

Traditionell gehören zu jeder «Nachlese» die chronistischen Artikel mit dem Jahresbericht aus der Ratsstube, den Jubiläen, der Jungbürgerliste und der Totentafel. Und wer zum Schluss Appetit auf ein Schreckmümpfeli haben sollte, dem sei das «Blutwunder von Oberflachs» empfohlen: «Hilfe, Blut, Mordio, Tod!», gellte es am Köbitag 1531 durchs Dorf ...

Einmal mehr ist es der Redaktion (Fritz Amsler, Katja Arrigoni Sidler, Danièle Duperrex Stadler, Claudio Hartmann, Armin Käser-Lüscher, Elisa Landis, Nadine Karnitz) gelungen, die bunte Vielfalt des Schinznacher Dorflebens in Wort und Bild reizvoll darzustellen.

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