Musik als spirituelle Botschaft

Er schuf als Kirchenmusiker Bleibendes und hinterliess als Pädagoge vielerlei Spuren: Egon Schwarb prägte das aargauische Musikleben.

Er lebte für die Musik: Egon Schwarb. (Bild: zVg)

04. August 2021
18:02

Wer sich mit der Entwicklung der katholischen Kirchenmusik im Kanton Aargau in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschäftigte, stiess immer wieder auf den Namen Egon Schwarb. Vor Kurzem ist die Stimme des Organisten, Chorleiters, Musik­erziehers und Orgelexperten verstummt. Am Ostersamstag dieses Jahres erlitt er eine schwere Hirnblutung, an deren Folgen er am 3. Juli verstorben ist.

Zusammen mit den Musikerkollegen Oskar Birchmeier und Jean-Claude Zehnder bildete er ein weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekanntes Organistentrio, das sich mit Konzerten und Schallplatteneinspielungen grosse Verdienste um die intensiv gepflegte Orgelliteratur aus mehreren Jahrhunderten erwarb. Egon Schwarb ist ausserdem mit der Rekonstruktion und Restaurierung der einzigartigen Orgelanlage in der Klosterkirche Muri auf das Engste verbunden. Dank der Zusammenarbeit mit der renommierten Orgelbaufirma Metzler und der Denkmalpflege konnte Egon Schwarb mit seinem «Laienkonvent der Organisten», wie er den Kreis der befreundeten Organisten scherzhaft nannte, die historischen Instrumente im Gottesdienst sowie in viel beachteten Konzerten und Orgelwochen zu neuem Klang erwecken.


Kinderreiche Familie

Seine biografisch wichtigsten Entscheidungen hatte Egon Schwarb im Jahr 1961 getroffen. Er heiratete damals und begann, sich professionell der Vermittlung von Kirchenmusik zu widmen. Vier Jahrzehnte lang wirkte er in Muri sowohl als Organist in der Klosterkirche und in der Pfarrkirche als auch als Leiter des dortigen Kirchenchors. Seine sechs Kinder kamen zwischen 1962 und 1976 zur Welt. Von ihnen trägt der Sohn David, nach dem Studium der Musikwissenschaft als Musikredaktor bei Radio SRF2 Kultur tätig, das musikalische Erbe des Vaters am direktesten weiter. Unübersehbar gross ist der Schülerkreis des Verstorbenen, war er doch 1974 als Hauptlehrer für Musik an das Seminar Wettingen berufen worden. Nach der Verlegung der Lehrerausbildung nach Zofingen arbeitete er bis zu seiner Pensionierung dort mit einem Lehrauftrag für Musikdidaktik an der HPL weiter.


Vom Lehrer zum Solisten

Egon Schwarb kam 1935 im Eiken (Fricktal) zur Welt, wo er in einer Kleinbauernfamilie aufwuchs. Während seiner Ausbildung zum Primarlehrer am Seminar Wettingen wurde neben der Begeisterung für den Lehrerberuf auch eine solche für die Musik zu seinem wichtigsten Antrieb. Der junge Primarlehrer betätigte sich neben seinem Hauptberuf in Sulz und Neuenhof auch als Chorleiter und als Organist. Er begann damals ein berufsbegleitendes Musikstudium an der Musikakademie Zürich, wobei er u.a. von Hans Gutmann (Orgel) und Walter Lang (Klavier) ausgebildet wurde.

Sein Weiterstudium betrieb er an der Musikakademie Wien beim Organisten Anton Heiller, einem berühmten Bach-Interpreten, der ihn auf die Laufbahn als konzertierender Organist vorbereitete.

Das Studium der Chorleitung bei Hans Gillesberger kam ihm zugute, als er 1976 den Klosterchor Wettingen ins Leben rief, den er ein Vierteljahrhundert lang leitete. Daneben unterrichtete er jeden Samstagnachmittag an der Kirchenmusikschule des Kantons Aargau. Ausserdem wirkte er im Aargauischen Kirchenmusikverband mit und beteiligte sich als gefragter Orgelexperte bei zahlreichen Orgelneubauten im Aargau. Nach seiner Pensionierung versah er jahrelang den Orgeldienst im Kloster Fahr, das seinen Worten zufolge seine «kirchliche Heimat» wurde.


Musik als Botschaft

Wie seine Berufskolleginnen und Kollegen überliefern, ging es Egon Schwarb beim Musizieren nie um Selbstdarstellung, sondern stets um das Vermitteln von Musik als Trägerin von spirituellen Botschaften. Als tief gläubiger Mensch strebte er nach der Erkenntnis von Wahrheit, um mit seiner Musik Trost zu spenden und den Glauben zu stärken. Dies sind die wesentlichen Ein­drücke, welche die Sopranistin Ruth Amsler (Suhr), die Organistin Bernadette Schmidlin (Möhlin) und der Pianist, Organist und Dirigent Werner Schmid (Aarau) einheitlich von ihm empfangen haben.

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Kommentare (1)

  • Valentin Trentin
    Valentin Trentin
    am 04.08.2021
    Unvergesslich ist mir eine von Egon Schwarb mit Verve vorgetragene Präsentation der Orgeln der Klosterkirche Muri, vor allem einer kleinen, mitteltönig gestimmten.

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