Musik und Feldarbeit als Ausgleich

Viktor Jetzer (57) ist der neue Gemeindeammann von Lengnau. Er möchte sich für das Dorf einsetzen und freut sich auf die Herausforderung.

Aufgrund der Corona-Pandemie arbeitet Jetzer derzeit im Homeoffice. (Bild: eb)

von
Brunner, Eliah

05. Januar 2022
20:58

«Ich kenne Lengnau sehr gut und bin tief verwurzelt», sagt Viktor Jetzer. «Hier bin ich aufgewachsen, seit 40 Jahren spiele ich in der Musikgesellschaft Brass Band Lengnau und war 24 Jahre in der Feuerwehr.» Der 57-Jährige ist seit vier Jahren im Gemeinderat, und ebenso lange Vize­ammann. «Ich wurde schon vorher häufig für politische Aufgaben angefragt, aber ich habe immer gesagt, bevor die Kinder nicht erwachsen sind, übernehme ich keine politischen Ämter. Jetzt habe ich Zeit dafür und freue mich sehr darauf!»

Nachdem sein SVP-Kollege Franz Bertschi im September nicht mehr zur Wahl antrat, nahm sich Jetzer der Herausforderung an und kandidierte für das frei gewordene Amt des Gemeindeammanns. «Dass es die letzte Amtsperiode von Franz Bertschi wird, hat sich schon bei meiner Wahl zum Gemeinderat und Vizeammann vor vier Jahren abgezeichnet. Die Parteien haben mir damals zur Kandidatur geraten und gemeint, dass sie mich vorschlagen und unterstützen werden. Meine Kandidatur war daher keine grosse Überraschung.» Jetzers Vater war ebenfalls in der SVP und im Lengnauer Gemeinderat vertreten. «Ich habe damals mitbekommen, wie das in der Dorfpolitik läuft. Heute ist jedoch vieles anders.»

Jetzer arbeitet hauptberuflich als Produktionsleiter bei der Peyer Graphic AG in Lengnau. «Ich arbeite mittlerweile seit 33 Jahren dort – nun habe ich mein Pensum auf 70 Prozent reduziert, damit ich genug Zeit habe, meine Pflichten als Gemeinde­ammann wahrzunehmen. Natürlich will ich mir auch Zeit für meine Familie, Freunde und Hobbys gönnen. Dies hat mich zur Reduktion des Pensums bewegt.»

Jetzer ist seit 28 Jahren verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. In seiner Freizeit bewirtschaftet er zusammen mit seinem Sohn 14 Hektaren Land. «Die Politik und mein Job als Produktionsleiter sind Kopfarbeit, da tut es mir sehr gut, ab und zu körperlich zu arbeiten. Wir bauen Mais, Gerste, Raps und Weizen an. Dafür wende ich ungefähr einen halben Tag in der Woche auf, manchmal auch noch einzelne Stunden am Abend.» Die Feldarbeit und das Musizieren in der Brass Band will er auch als Ammann weiterführen.


Dorfcharakter erhalten
Jetzer freut sich auf die neue Herausforderung: «Ich will etwas für die Gemeinde machen, Lengnau bedeutet mir viel. Wir haben sehr viele aktive Vereine und Landwirtschafts­betriebe in unserem Dorf – mir gefällt der gute Dorfcharakter, den wir immer noch besitzen.»

Für 2022 legt Jetzer den Fokus auf drei Projekte im Dorf: die Einführung und Beschlussfassung eines Parkierungsreglements, den Ausbau der Weidstrasse sowie die Planung des Dorfzentrums. Letzteres findet er besonders wichtig: «Lengnau hat einen historischen Dorfplatz von nationaler Bedeutung mit vielen denkmal­geschützten Objekten wie Doppeltürhäusern und die Synagoge. Wir wollen den Dorfplatz so erhalten und gestalten, dass darauf mehr unterschiedliche Aktivitäten stattfinden können. Trotzdem soll er seinen Charakter behalten.»

In der neuen Legislatur von 2022 bis 2025 werden Jetzer ausserdem ­Fusionsgespräche zwischen den Gemeinden Lengnau, Endingen und Tegerfelden beschäftigen. «Sobald im Frühjahr alle neuen Gemeinderatsmitglieder der Surbtaler Gemeinden eingearbeitet sind, werden wir mit den Gesprächen beginnen. Es wird nicht einfach, aber die ‹Perspektive Surbtal› hat bisher wertvolle Vorarbeit geleistet.»

Die «Perspektive Surbtal» ist ein Projekt für die Zusammenarbeit der Surbtaler Gemeinden. Schon heute sind viele politische und organisatorische Organe zusammengelegt, zum Beispiel die Feuerwehr, das Steueramt und die Bauverwaltung. «Das erleichtert die Arbeit massiv, denn damit haben wir eine gute Grundlage für die kommenden Gespräche über eine mögliche Fusion, welche schon länger zwischen den drei Gemeinden geplant ist.»

Als neuen Gemeindeammann beschäftigt Jetzer natürlich auch die ­Corona-Pandemie: «Glücklicherweise hat die Krise bis jetzt keine grossen ­finanziellen Auswirkungen auf Lengnau, das kann sich aber schnell ändern. Die Kommunikation mit der Bevölkerung wird durch die Pandemie erschwert, den verlorenen Kontakt zu den Leuten will ich wiederfinden.»


«Kritik gehört dazu»
Dass nicht immer alle mit ihm einverstanden sein werden, ist ihm bewusst. «Kritik gehört dazu, verschiedene Meinungen sind wichtig. Man muss gut damit umgehen können, um gemeinsam Lösungen und Kompromisse zu finden, man darf nicht immer stur sein.» Um gut arbeiten zu können, muss natürlich auch die Zusammenarbeit des Gemeinderats stimmen: «Die Stimmung innerhalb des Gemeinderats war nach den beiden sofortigen Rücktritten in der letzten Amtsperiode etwas getrübt, jedoch war unser Verhältnis stets offen und ehrlich. Jetzt warten wir die Wahlen vom Februar ab und werden dann voller Zuversicht in die neue Legislatur starten.»

Jetzer ist bereit für sein neues Amt: «Ich habe Respekt vor meiner neuen Aufgabe und bin sehr positiv eingestellt. Man muss jede Meinung akzeptieren, kann aber nicht immer auf jedes Anliegen eingehen. Ich lege viel Wert auf einen respektvollen Umgang mit den Behörden und der Bevölkerung, erwarte im Gegenzug aber auch das Gleiche von den Bürgerinnen und Bürgern.» Er schaut positiv ins neue Jahr: «2022 wird eine Herausforderung, wir haben einiges zu tun, und Corona wird uns weiterhin beschäf­tigen. Ich freue mich auf gute Gespräche im Dorf und den Kontakt zur Bevölkerung.»

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